ZEICHEN DER ZEIT
Ark am Forschungszentrum Bielefeld
Bielefelder UniversitätszeitungArtikel von 1996-1998
arkadiusz-jadczyk.org
Arkadiusz Jadczyk
Prof. Dr. Leonard Cross, ein Mathematiker von der Cornell University, USA, hielt sich zusammen mit dem Theoretischen Physiker Arkadiusz Jadczyk aus Polen mehrere Monate am Forschungszentrum Bielefeld-Bochum-Stochastik (BiBoS) auf. Professor Cross befaßte sich zusammen mit Prof. Dr. Ludwig Streit (Fakultät für Physik), Dr. Michael Röckner (Fakultät für Mathematik), Prof. Dr. Sergio Albeverio (Universität Bochum) und Prof. Dr. Yuri Kondratiev (Universität Kiew) mit Problemen der mathematischen Physik, speziell mit unendlich-dimensionaler Analysis. Finanziert wurde der Aufenthalt durch die Alexander von Humboldt-Stiftung. Professor Cross lebte während seines Aufenthaltes zusammen mit seiner Frau in einer Gästewohnung des ZiF. Dies war Prof. Dr. Arkadiusz Jadczyk nicht vergönnt. „I am like a sailor…“, das war Professor Jadczyks Kommentar zur Frage, wie er damit zurechtkomme, daß er so oft und so lange von seiner Familie getrennt lebt.
Prof. Dr. ARKADIUSZ JADCZYK ist Professor für theoretische Physik an der polnischen Universität Breslau. Er hat sich seit 1970 insgesamt etwa fünf Jahre in Deutschland aufgehalten, in Hamburg, Göttingen und vor allem in Bielefeld. 1995 erhielt er den Humboldt-Forschungspreis für die wissenschaftliche Kooperation zwischen Polen und Deutschland, der ihm 1995/96 erneut einen achtmonatigen Aufenthalt in Deutschland ermöglicht hat. Er hat sich dafür entschieden, diese Zeit wieder in Bielefeld am Forschungszentrum Bielefeld-Bochum-Stochastik (BiBoS) zu verbringen und sich gemeinsam mit Prof. Dr. Philippe Blanchard den Grundlagen der Quantenmechanik zu widmen.
Die Quantenmechanik ist eine eigenartige Theorie; sie ist universell anerkannt,
sie gehört in der Physikausbildung zum Standardlehrstoff, man kann ausgezeichnet
mit ihr rechnen, und dennoch: „Nobody understands Quantum Theory“ (so der
Nobelpreisträger Feynman). Die Existenz quantenmechanischer Paradoxa ist noch immer
eine Herausforderung, nicht nur für theoretische Physiker, sondern auch für
Philosophen, Psychologen und Biologen. Professor Jadczyk hat in enger
Zusammenarbeit mit Professor Blanchard eine Event Enhanced Quantum
Theory entwickelt, die den Begriff des ‚Ereignisses‘, der in anderen
Formulierungen der Quantenmechanik nicht vorkommt, als neuen Grundbegriff einführt.
Die bisherige nichtrelativistische Fassung dieser Theorie soll nun durch
Einbeziehung der Relativitätstheorie erweitert werden. Langfristig geht es aber
auch um disziplinüberschreitende Probleme wie die des menschlichen Bewusstseins.
Professor Jadczyk beschreibt diese Perspektiven als ‚Quantum Future Project‘.
Professor Jadczyk ist begeistert von den Arbeitsbedingungen am BiBoS und von den
hervorragenden Möglichkeiten der Universitätsbibliothek, die es ihm ermöglicht,
auch die einschlägige Literatur der Nachbargebiete heranzuziehen. Über seinen
Eindruck von der Stadt Bielefeld, von Land und Leuten konnte er wenig sagen; wie
viele engagierte Naturwissenschaftler beschreibt er sich selbst als einen „work
addict“, der jede freie Minute mit seinen Forschungsarbeiten verbringt. In einer
autobiographischen Notiz schreibt er: „Early in the 1970s I learned the strong
version of the First Things First-Principle: when something really
interests you, make it not only your first thing, but make it also the
only thing.“
[Bielefelder Universitätszeitung, Nr. 183/1996, S. 28, ISSN 0939-4648, 6. Mai 1996, Herausgegeben von der Informations- und Pressestelle der Universität Bielefeld]
Humboldt-Forschungspreis für Professor Jadczyk
####Neue Strategien zur Untersuchung von Quantenphänomenen
(BUZ) Prof. Dr. Arkadiusz Jadczyk, Institut für Theoretische Physik an der polnischen Universität Breslau, ist der Humboldt-Forschungspreis für die wissenschaftliche Kooperation zwischen Polen und Deutschland verliehen worden.
Der polnische Wissenschaftler verbringt seit Jahren jeweils mehrere Monate am
Forschungszentrum“ Bielefeld-Bochum-Stochastik“ (BiBoS) der Universität Bielefeld
und arbeitet eng mit dem Pro-rektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs
der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Philippe Blanchard, zusammen. Prof.
Jadczyk hat fundamentale Arbeiten zur Aufklärung der mathematischen Struktur
der Grundlagen der Quantenphysik geschrieben. Besonders erfolgreich war er nicht
nur bei der Anwendung modernster mathematischer Ergebnisse, sondern ging die
Probleme auch mit tiefer physikalischer Intuition an. Während seiner zahlreichen
Aufenthalte in Bieleteld sind Strategien zur Untersuchung von Quantenphänomenen
entworfen und Methoden zu ihrer Analyse entwickelt worden. Unter dem Namen
Event Enhanced Quantum Theory (EEQT) ist der Standard-Formalismus der
Quantentheorie erweitert worden. Jadczyk und Blanchard sehen die Quantentheorie
durch den Bedarf neuer Technologien herausgefordert: „Die alten Verfahren und
Interpretationen genügen nicht mehr, und wir brauchen heute neue Ansätze,
insbesondere ein Gesetz, welches auf Zeitreihen von Beobachtungen individueller
Quantensysteme angewandt werden kann. Wir möchten auch wissen, ob die Frage ‚Kann
das Universum sich selbst beobachten?‘ einen Sinn macht. EEQT beantwortet diese
Herausfordernngen und liefert uns einen Algorithmus für die Simulation von
experimentellen Zeitreihen individueller Quantenobjekte von dem einfachen
Doppelspaltexperiment bis zu Gravitationsdetektoren und SQUIDS.“
Kooperation zwischen Wroclaw und Bielefeld
(BUZ) Die Zusammenarbeit zwischen der Theoretischen Physik der Universitäten Wroclaw und Bielefeld hat eine lange Tradition.
Die Kooperation fing in den 70er Jahren mit der „Karpacz-Winterschule“ in Theoretischer Physik an. Die jährliche Winterschule in Polen war zu jener Zeit ein wichtiges wissenschaftliches Treffen der Physik-Theoretiker des Westens und des Ostens, an der von Bielefelder Seite regelmäßig die Professoren Helmut Satz, Ludwig Streit und Philippe Blanchard, der zusammen mit dem Breslauer Humboldt-Preisträger Arkadiusz Jadczyk 1997 das „X. Max-Born-Symposium ‚Quantum Future‘“ organisierte, teilnahmen. Viele Besuche und Aufenthalte in Bielefeld sind die Folgen dieser Kontakte gewesen. An das Forschungszentrum BiBoS -Stochastische Prozesse in Mathematik und Physik, das von dem Bielefelder Physiker Prof. Dr. Philippe Blanchard geleitet wird, und an die Fakultät für Physik der Universität Bielefeld kamen von Breslauer Seite die Physiker P. Garbaczewski, R. Gielerak, Z. Haba, A. Jadczyk, J. Lopuszanski und K. Redlich. Ausserdem hält sich zur Zeit Dr. Robert Olkiewicz aus Wroclaw als Humboldt-Postdoktorand bei Philippe Blanchard in der Theoretischen Physik auf.
[Bielefelder Universitätszeitung, Nr. 193/1998, S. 41, ISSN 0939-4648, 20. Mai 1998]
Partnerschaftsabkommen mit der Universität Wroclaw

Zwischen den Universitäten Wroclaw und Bielefeld bestehen seit langem zahlreiche Kontakte, die unter anderem zum Abschluß eines Kooperationsabkommens auf dem Gebiet der Physik geführt hatten. Anläßlich eines Besuchs des damaligen Rektors der Universität Bielefeid in Wroclaw wurde deutlich, daß auf beiden Seiten inzwischen so zahlreiche Kontakte bestehen, daß der Wunsch nach einem allgemeinen, für alle Fachbereiche offenen Partnerschaftsabkommen verwirktlicht werden sollte. Im Anschluß an den Gegenbesuch des Rektors der Universität Wroclaw in Bielefeld ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit in einem Partnerschaftabkommen auf Gesamtuniversitätsebene beschlossen worden. Auf Bielefelder Seite sind zur Zeit die Fakultäten für Physik, Mathematik und Linguistik und Literaturwissenschaft aktiv beteiligt. Darüber hinaus hat die polnische Seite Vorschläge für eine Zusammenarbeit auch mit anderen Fachgebieten unterbreitet. Das Foto zeigt (von links) die Professoren Peter Luudgreen, Ulf Rehmann, Roman Duda, Helmut Skowronek, Universitätskanzler Karl Hermann Huvendick, Arkadiusz Jadczyk, Philippe Blanchard, Norbert Honsza und Bernd Switalla. (Foto: Halbe)
[Bielefelder Universitätszeitung, Nr. 185/1996, S. 29, ISSN 0939-4648, 6. November 1996]
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