POLITISCHE PONEROLOGIE
Vorwort des Herausgebers
Übersetzung: Rostam | Bearbeitung: Data, Joerg
„Strebe danach, wie der Fujiyama zu sein. Habe solch einen
weiten und festen Grund, dass das stärkste Erdbeben dich
nicht bewegen kann. Sei so groß, dass selbst größte Unterfangen
gewöhnlicher Menschen aus deiner luftigen Perspektive
unbedeutend erscheinen. Mit einem Geist, so hoch wie der
Fujiyama, kannst du alles klar erkennen. Und du kannst alle
Kräfte sehen, die beim Entstehen der Dinge am Werk sind;
nicht nur jener, die um dich herum geschehen.“Miyamoto Musashi
Es spielt keine Rolle wer Sie sind, wo Sie in ihrem Leben stehen, wie alt Sie sind oder welche Nationalität oder ethnischen Hintergrund sie haben. Sie werden irgendwann in ihrem Leben die Berührung oder den unbarmherzigen Griff der kalten Hand des Bösen zu spüren bekommen. Guten Menschen stoßen schlimme Dinge zu. Das ist eine Tatsache.
Was ist das Böse? Historisch betrachtet war dies immer eine theologische Frage. Generationen von theologischen Apologeten1 haben ganze Bibliotheken im Versuch geschrieben, die Existenz eines guten Gottes zu bestätigen, der eine unvollkommene Welt erschuf. Der heilige Augustinus unterschied zwischen zwei Formen des Bösen: Das „moralische Böse“, das vorsätzlich von bösen Menschen begangen wird, die wissen, dass sie Böses tun; das „natürliche Böse“ hingegen sind schlimme Dinge, die einfach geschehen — ein Sturm, eine Flut, ein Vulkanausbruch oder eine schreckliche Seuche.
Und dann gibt es das makrosoziale Böse, wie es Andrzej Łobaczewski bezeichnet: Das Böse in großem Maßstab, das über ganze Gesellschaften und Nationen hereinbricht und dies seit undenklichen Zeiten immer wieder getan hat. Die Geschichte der Menschheit ist, wenn sie objektiv betrachtet wird, eine fürchterliche Geschichte.
Tod und Zerstörung betrifft alle Menschen, ob reich oder arm, frei oder versklavt, jung oder alt, gut oder böse; und das mit einer Willkür und einer Sorglosigkeit, die — wenn man nur kurz darüber nachdenkt — das Funktionieren eines normalen Menschen beeinträchtigen kann. Immer wieder hat der Mensch zusehen müssen, wie seine Felder verdorren, sein Vieh verendet oder seine Lieben von Krankheit oder menschlicher Grausamkeit gequält oder getötet werden. Sein Lebenswerk kann in einem einzigen Augenblick durch Ereignisse, über die er keine Kontrolle hat, in Nichts aufgelöst werden.
Das Studium der Geschichte in all ihren Facetten gewährt eine Sicht auf die Menschheit, die geradezu unerträglich ist: habgierige Beutezüge hungriger Stämme, die in dunkler Vorzeit eroberten und zerstörten; das Eindringen der Barbaren in die zivilisierte Welt im Mittelalter; Blutbäder, die von den Kreuzrittern des katholischen Europa unter den Ungläubigen im Nahen Osten und später sogar unter den „Ungläubigen“ in den eigenen Reihen angerichtet wurden; Terror der offenen Verfolgung der Inquisition, in der Märtyrer die Flammen mit ihrem eigenen Blut erstickten; ein rasender Holocaust als moderner Völkermord; Kriege, Hungersnöte und Seuchen, die die Erde umklamern und die nie furchterregender waren als heute.
All dies lässt ein unerträgliches Gefühl der Unentschuldbarkeit entstehen. Mircea Eliade nennt es „Terror der Geschichte“, dem wir hilflos gegenüberstehen.
Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass all das mittlerweile der Vergangenheit angehört; die Menschheit ist in eine neue Phase eingetreten; Wissenschaft und Technologie haben uns ans Ende all dieses Leidens geführt. Viele Menschen glauben, dass sich der Mensch und die Gesellschaft entwickeln und dass wir nun das launenhafte Böse in unserer Welt unter Kontrolle haben - oder dass wir es zumindest nach George W. Bush und seinen Neokonservativen mit ihrem endlosen Kampf gegen den Terror haben werden, so in etwa 25 Jahren. Alles was dieser Ansicht entgegenläuft, wird entweder uminterpretiert oder ignoriert.
Die Wissenschaft hat uns viele wundervolle Geschenke bereitet: Raumfahrtprogramme, den Laser, das Fernsehen, Penicillin, Sulfonamide und eine Vielzahl weiterer nützlicher Entdeckungen, die das Leben erträglicher und erfolgreicher machen sollten. Wir können jedoch leicht erkennen, dass dem nicht so ist. Man kann sogar so weit gehen zu behaupten, dass die Menschheit nie zuvor so unsicher am Rande zur totalen Zerstörung balancierte.
Auf persönlicher Ebene verschlechtert sich unser Leben stetig. Die Luft, die wir atmen und das Wasser, das wir trinken, sind fast schon über unsere Belastbarkeitsgrenze hinaus verschmutzt. Unsere Nahrung ist voll mit Substanzen, die nur sehr wenig zur eigentlichen Ernährung beitragen und in Wirklichkeit unserer Gesundheit abträglich sein können. Stress und Anspannung sind zu einem akzeptierten Teil des Lebens geworden und töten nachweislich mehr Menschen als die Zigaretten, die manche Leute immer noch rauchen, um genau diesen Stress abzubauen. Wir schlucken Unmengen von Medikamenten um aufzuwachen, einzuschlafen, mit dem Job fertig zu werden, unsere Nerven zu beruhigen oder um uns einfach nur wohl zu fühlen. Die Bevölkerung der Erde gibt mehr Geld für Alltagsdrogen aus als für Wohnen, Kleidung, Nahrung, Bildung oder irgendwelche andere Produkte oder Dienstleistungen.
Auf sozialer Ebene multiplizieren sich Hass, Neid, Gier und Streit exponentiell. Die Kriminalität wächst schneller als die Bevölkerung. Dies führt gemeinsam mit Kriegen, Aufständen und politischen Säuberungsaktionen dazu, dass mehrere Millionen Menschen auf der ganzen Welt ohne ausreichende Nahrung oder Schutz vor politischer Willkür sind.
Dazu kommen Dürre, Hungersnöte, Seuchen und Naturkatastrophen, die jährlich ihren Tribut an Leib und Leben fordern. All dies scheint ebenfalls immer häufiger aufzutreten.
Wenn sich der Mensch seiner Geschichte besinnt — so wie sie ist — dann muss ihm klar werden, dass er im eisernen Griff einer Existenz lebt, die sich nicht um sein Leid und seine Schmerzen zu kümmern scheint. Immer wieder fällt die Menschheit in die gleichen Leiden, viele Millionen Mal, seit Jahrtausenden. Die Gesamtheit des menschlichen Leidens ist eine traurige Sache. Ich könnte darüber bis zum Ende der Welt schreiben, Ozeane von Tinte und Wälder von Papier verbrauchen, und doch könnte ich niemals den ganzen Terror zu Papier bringen. Das Ungeheuer willkürlichen Unheils war immer schon unter uns. Denn seitdem menschliche Herzen warmes Blut in ihre zerbrechlichen Körper gepumpt und Menschen mit der unaussprechlichen Süße des Lebens geleuchtet und sich nach allem Guten, Rechten und Liebevollen gesehnt haben, solange hat das höhnische, verfolgende, geifernde und durchtriebene Ungeheuer des unbewussten Bösen seine Lippen in Erwartung des nächsten Festmahls aus Schrecken und Leid geleckt. Seit Anbeginn der Zeit existiert dieses Mysterium menschlichen Erbes, dieses Kainsmal. Und der Schrei war seit jeher derselbe: Meine Strafe ist schlimmer als ich sie ertragen kann!
Es wird angenommen, dass der Mensch, als seinen unerträglichen und unfassbaren Zustand der Existenz bemerkte, entsprechende Kosmogonien entwickelte, um all die Gräueltaten, die Verirrungen und die Tragödien der Geschichte rechtfertigen zu können. Der Mensch ist — und das ist Fakt - im Allgemeinen gegenüber kosmischen und geologischen Katastrophen machtlos. Es wird seit langem behauptet, dass ein Durchschnittsbürger absolut nichts gegen Militärschläge, soziale Ungerechtigkeit, persönliches und familiäres Unglück und eine Vielzahl anderer Angriffe auf seine Existenz tun kann.
Das kann nun anders werden. Dieses Buch gibt Antworten auf viele Fragen über das Böse in unserer Welt. Es handelt nicht nur vom makrosozialen Bösen, sondern auch vom alltäglichen Bösen, denn beide sind untrennbar miteinander verbunden. Auf lange Sicht führt die Anhäufung von alltäglichem Bösem immer und unvermeidbar zu einem großen systemischen Bösen, das mehr unschuldige Leben zerstört als jedes andere Phänomen auf diesem Planeten.
Dieses Buch ist auch ein Überlebensleitfaden, es kann das wichtigste Buch sein, das Sie jemals gelesen haben. Außer Sie sind ein Psychopath.
Sie fragen sich jetzt vielleicht, was Psychopathie mit persönlichem oder sozialem Bösen zu tun hat.
Nun, sehr viel. Ob Sie es wissen oder nicht, jeder einzelne Tag Ihres Lebens wird von den Auswirkungen der Psychopathie auf unsere Welt berührt. Sie werden sehen, dass wir doch sehr viel gegen das soziale und makrosoziale Böse unternehmen können, selbst wenn wir gegenüber kosmischen oder geologischen Katastrophen hilflos sind. Zuallererst müssen wir jedoch etwas darüber lernen. Die Psychopathie und ihre Auswirkungen auf unsere Welt können und werden uns zweifellos verletzen, wenn wir darüber nicht Bescheid wissen.
In der heutigen Zeit ruft das Wort „Psychopath“ oft ein Bild des kaum beherrschbaren — und doch überraschenderweise kultivierten — und völlig verrückten Serienkillers Dr. Hannibal Lecter aus title(Das Schweigen der Lämmer) hervor. Ich muss zugeben, dass auch ich jedes Mal, als ich dieses Wort hörte, dieses Bild im Kopf hatte; fast immer. Der große Unterschied war, dass ich mir Psychopathen niemals so kultiviert vorstellen konnte, dass er so leicht als „normal“ durchgehen würde. Aber ich irrte mich und musste daher diese Lektion durch eigene Erfahrungen lernen. Diese Erfahrung war eine der schmerzhaftesten und gleichzeitig eine der aufschlussreichsten Episoden in meinem Leben. Sie hat mir ermöglicht, eine Blockade in meiner Wahrnehmung der mich umgebenden Welt und der Menschen darin zu überwinden.
Zum Thema Blockaden in der Wahrnehmung muss ich hinzufügen, dass ich 30 Jahre lang mit dem Studium2 von Psychologie, Geschichte, Kultur, Religionen, Mythen und des sogenannten Paranormalen verbrachte. Ich habe weiters viele Jahre lang als Hypnotherapeutin gearbeitet, wodurch ich mir umfangreiches praxisbezogenes Wissen über die Funktionsweise tiefer Ebenen menschlichen Bewusstseins erarbeiten konnte. Ich hatte trotzdem die ganze Zeit über festsitzende Glaubenssätze, die erst durch meine Nachforschungen zum Thema Psychopathie erschüttert wurden. Ich realisierte, dass ich eine bestimmte Vorstellung über die Menschen hegte, die mir heilig war — und falsch. Ich schrieb eines Tages sogar darüber:
…Meine Arbeit hat mir gezeigt, dass die meisten Menschen Gutes tun wollen. Sie wollen Gutes erfahren, Gutes denken und Entscheidungen mit guten Ergebnissen treffen. Und das versuchen sie mit aller Kraft! Wenn die große Mehrheit der Menschen diese innere Sehnsucht verspürt, warum zum Teufel geschieht es dann nicht?
Ich gebe zu, ich war naiv. Es gab vieles, das ich damals noch nicht wusste und das ich gelernt habe, seit ich diese Zeilen schrieb. Dennoch war mir sogar damals schon bewusst, dass unser Verstand benutzt werden kann, um uns zu täuschen.
Nun, welche Glaubenssätze hatte ich, die mich zu einem Opfer eines Psychopathen werden ließen? Der Erste und Offensichtlichste war, dass ich tatsächlich glaubte, dass alle Menschen tief im Inneren im Wesentlichen „gut“ sind und dass sie „Gutes tun, Gutes erfahren, Gutes denken und Entscheidungen mit guten Ergebnissen treffen wollen. Und dass sie das mit aller Kraft versuchen…“
Wie es sich herausstellte, war das falsch. Das mussten ich und alle anderen in unserer Forschungsgruppe zu meinem und unserem Leidwesen erfahren. Doch wir lernten auch etwas zu unserer Erbauung. Um zu einem genaueren Verständnis zu gelangen, welche Art Mensch zu solchen Dinge fähig ist, die mir (und mir Nahestehenden) zugefügt wurden und welche Motivation — welcher Antrieb — hinter jenen Verhaltensweisen steht, begannen wir in der psychologischen Literatur nach Hinweisen zu forschen. Um des eigenen Friedens Willen mussten wir verstehen.
Wenn es eine psychologische Theorie gibt, die bösartiges und schädigendes Verhalten erklären kann, dann hilft sie dem Opfer solcher Taten, sich nicht bleibend verletzt oder wütend zu fühlen. Und wenn solch eine Theorie helfen kann, mit Worten die Kluft zwischen Menschen zu überbrücken und Missverständnisse abzubauen, dann ist das ebenfalls ein wertvolles Ziel. Aus dieser Perspektive heraus begannen wir mit unserer umfangreichen Arbeit zum Thema Narzissmus, was schließlich zum Studium der Psychopathie führte.
Wir stellten zu Beginn natürlich keine „Diagnosen“ oder urteilten darüber, was uns widerfuhr. Wir begannen mit Beobachtungen und suchten in der Literatur nach Hinweisen, nach Persönlichkeitsprofilen und nach allem was uns helfen konnte, die innere Welt von Menschen zu verstehen, die offenbar völlig verkommen und ganz anders sind, als uns jemals zuvor untergekommen ist. Wir fanden heraus, dass solche Menschen weit verbreitet sind und dass sie, nach jüngsten Forschungsergebnissen, mehr Schaden in der menschlichen Gesellschaft anrichten, als jede andere sogenannte „Geisteskrankheit“. Martha Stout, die umfangreiche Untersuchungen mit Opfern von Psychopathen durchführte, schreibt:
Bitte versuchen Sie, sich vorzustellen, kein Gewissen zu haben. Sie haben nicht die geringste Spur eines Gewissens und keine Gefühle von Schuld oder Reue - ganz egal, was Sie anstellen, plagen Sie keine lästigen Skrupel über das Wohlbefinden von Fremden, Freunden oder gar Verwandten. Stellen Sie sich vor, es gäbe kein lästiges Hadern mit Ihrem Schamgefühl, kein einziges Mal in Ihrem ganzen Leben, unabhängig davon, ob Sie sich egoistisch, faul, rücksichtslos oder unmoralisch verhalten.
Und stellen Sie sich darüberhinaus vor, dass der Begriff „Verantwortung“ Ihnen fremd wäre, außer vielleicht als eine Bürde, die andere Menschen offenbar wie gutmütige Trottel blind auf sich nehmen.
Und nun erweitern Sie dieses seltsame Gedankenspiel um die Fähigkeit, Ihre so überaus sonderbare psychische Disposition vor anderen Menschen zu verbergen. Da jedermann wie selbstverständlich annimmt, dass das Gewissen eine universelle menschliche Qualität ist, fällt es Ihnen leicht, zu verheimlichen, dass Sie kein Gewissen haben.
Kein Schuld- oder Schamgefühl hemmt die Erfüllung Ihrer Wünsche, und Sie werden von niemandem wegen Ihrer Gefühlskälte zur Rede gestellt. Die eisige Flüssigkeit, die in Ihren Adern fließt, ist so fremdartig, so abseits normaler menschlicher Erfahrungen, dass kaum einem Menschen der Verdacht kommt, dass mit Ihnen etwas nicht stimmen könnte.
Mit anderen Worten: Sie sind völlig frei von internen Kontrollen und Ihre ungehemmte Freiheit, ohne Skrupel alles das zu tun, was Sie wollen, ist bequemerweise für den Rest der Welt nicht erkennbar.
Sie können tun, was Sie wollen — und doch wird Ihr geheimnisvoller Vorteil vor den meisten Ihrer Mitmenschen, die durch ihr Gewissen gelenkt werden, sehr wahrscheinlich verborgen bleiben.
Wie werden Sie Ihr Leben führen?
Wie werden Sie Ihren gewaltigen, heimlichen Vorteil nutzen, angesichts der korrespondierenden Schwäche der anderen Menschen (dem Gewissen)?
Die Antwort wird weitgehend von Ihren Neigungen und Bedürfnissen abhängen, da die Menschen unterschiedlich sind. Selbst die völlig Skrupellosen gleichen sich nicht. Einige Menschen — ob sie nun ein Gewissen haben oder nicht — neigen zur Bequemlichkeit, während andere voller Träume und ungezügeltem Ehrgeiz sind. Manche Menschen sind brillant und begabt, andere sind einfältig, und die meisten liegen irgendwo dazwischen, haben sie nun ein Gewissen oder nicht. Es gibt gewalttätige und friedfertige Menschen, blutrünstige Individuen und andere, die keine solchen Gelüste haben…
Falls Sie nicht aufgehalten werden, können Sie buchstäblich alles tun.
Wenn Sie zur passenden Zeit geboren werden, Zugang zu einem Familienvermögen haben und besonders begabt dafür sind, den Hass und das Gefühl der Benachteiligung Ihrer Mitmenschen zu schüren, können Sie es erreichen, eine große Zahl argloser Menschen ins Jenseits zu befördern. Mit genug Geld können Sie das aus der Ferne arrangieren, sich in Sicherheit wiegen und zufrieden Ihr Werk betrachten. …
Verrückt und beängstigend — und real, bei etwa vier Prozent der Bevölkerung…
Magersucht tritt bei etwa 3,4 Prozent der Bevölkerung auf, was als fast epidemisch betrachtet wird, und doch ist dieser Wert niedriger als die Verbreitung der antisozialen Persönlichkeitsstörungen. Die schweren Störungen, die man als Schizophrenie klassifiziert, treten nur bei etwa einem Prozent der Bevölkerung auf — das ist lediglich ein Viertel der Verbreitung der antisozialen Persönlichkeitsstörung. Die Gesundheitsbehörden („Centers for Disease Control and Prevention“) geben an, dass Darmkrebs in den USA bei 40 von 100.000 Personen auftritt, was als „alarmierend hoch“ eingestuft wird — und doch nur ein Hundertstel der Verbreitung der antisozialen Persönlichkeitsstörung ausmacht…
Die große Verbreitung der Soziopathie in der menschlichen Gesellschaft hat gravierende Auswirkungen auf uns andere, die wir auch auf diesem Planeten leben müssen, und zwar auch auf jene, die nicht traumatisiert worden sind. Die Individuen, aus denen diese vier Prozent bestehen, plündern unsere Beziehungen, Bankkonten und unser Selbstwertgefühl aus und stören unseren Frieden auf Erden. Und doch wissen die meisten Menschen erstaunlicherweise nichts über diese Persönlichkeitsstörung, und wenn doch, denken sie nur an gewalttätige Psychopathen, an Mörder, Serienkiller oder Massenmörder, an Individuen, die immer wieder auf spektakuläre Weise das Gesetz gebrochen haben und die, falls sie gefasst werden, durch unsere Strafjustiz eingesperrt oder gar zu Tode gebracht werden.
Für gewöhnlich sind wir uns der viel größeren Anzahl nicht-gewalttätiger Soziopathen unter uns nicht bewusst, und normalerweise erkennen wir sie nicht — Menschen, die nicht in eklatanter Weise die Gesetze brechen und vor denen unser Rechtssystem kaum einen Schutz bietet.
Die meisten Menschen würden keinen Zusammenhang erkennen zwischen der Planung eines Völkermordes und zum Beispiel dem schamlosen Anschwärzen eines Kollegen bei dessen Chef. Aber der psychologische Zusammenhang existiert nicht nur, er ist beklemmend. Die Verbindung besteht schlicht und ergreifend darin, dass der innere Mechanismus fehlt, der uns — emotional gesprochen — in die Zange nimmt, wann immer wir eine Entscheidung treffen, die wir als unmoralisch, unanständig, verantwortungslos oder egoistisch ansehen. Die meisten von uns werden einen Anflug von Schuld verspüren, wenn wir das letzte Stück Kuchen in der Küche nehmen — ganz zu schweigen von dem, was wir fühlen würden, wenn wir vorsätzlich und systematisch den Plan fassen würden, einen anderen Menschen zu verletzen.
Diejenigen, die kein Gewissen haben, sind eine Gruppe für sich, seien sie nun mörderische Tyrannen oder lediglich rücksichtslose Sozialschmarotzer. Das Vorhandensein oder Fehlen des Gewissens ist eine tiefe Kluft, die die Menschheit spaltet, wohl signifikanter als Intelligenz, Rasse oder sogar das Geschlecht.
Was einen Soziopathen, der von der Arbeit anderer lebt, von einem unterscheidet, der bei Gelegenheit einen Supermarkt ausraubt oder ein Gangsterboss ist — oder was der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Rowdy und einem soziopathischen Mörder ausmacht — ist nicht mehr als gesellschaftliches Ansehen, Zielstrebigkeit, Intelligenz, Mordlust oder schlichtweg die passende Gelegenheit. Was alle diese Individuen von uns anderen unterscheidet, ist das gähnende Loch an der Stelle ihrer Seele, wo sich eigentlich die am höchsten entwickelte menschliche Qualität befinden sollte.
[Martha Stout — Der Soziopath von nebenan]
Leider war das Buch von Dr. Stout damals noch nicht erschienen. Allerdings hatten wir die Bücher von Robert Hare, Hervey Cleckley, Guggenbuhl-Craig und auch anderer Autoren zur Verfügung. Doch die möglicherweise große Anzahl von Psychopathen in unserer Gesellschaft wurde darin von den Autoren nur annähernd thematisiert. Diese Psychopathen werden niemals beim Brechen von Gesetzen ertappt, sie morden nicht — und wenn doch, werden sie nicht gefasst — und sie schädigen unsäglich das Leben von Familien, Bekannten und Fremden.
Die meisten Experten für psychische Krankheiten arbeiteten lange Zeit hindurch unter der Prämisse, dass Psychopathen aus verarmten Verhältnissen stammen und die eine oder andere Art von Missbrauch in ihrer Kindheit erleiden mussten. Sie zu erkennen wäre demnach nicht besonders schwierig, da sie sich mit Sicherheit außerhalb der Gesellschaft aufhielten. Falls sie dennoch eine Rolle in der Gesellschaft einnähmen, würden sie als Fremdkörper wahrgenommen. Diese Vorstellung wurde in letzter Zeit einer gründlichen Neudefinition unterzogen. Wie Łobaczewski aufzeigen wird, besteht bei den Begriffen Psychopathie, Soziopathie und dissoziale (= antisoziale) Persönlichkeitsstörung einige Verwirrung. Robert Hare hebt ebenfalls hervor, dass es viele Psychopathen gibt, die auch asozial (= antisozial bzw. dissozial) sind. Die meisten Psychopathen würde man jedoch niemals als asozial oder soziopathisch bezeichnen! In anderen Worten — sie können Ärzte, Rechtsanwälte, Richter, Polizisten, Abgeordnete oder Aufsichtsratsvorsitzende von Firmen sein, die Arme berauben und Reichen geben. Ja, sie können sogar Präsidenten werden.
In einer wissenschaftlichen Publikation wurde vor Kurzem angedeutet, das Psychopathie in unserer Gesellschaft weit häufiger anzutreffen ist als bislang angenommen:
Psychopathie, wie sie ursprünglich von Cleckley (1941) benannt wurde, ist nicht auf illegale Aktivitäten beschränkt, sondern umfasst vielmehr Persönlichkeitsmerkmale wie Manipulationsgabe, Unaufrichtigkeit, Egozentrik und das Fehlen von Schuldgefühlen — Merkmale, die bei Kriminellen genauso wie bei Ehepartnern, Eltern, Vorgesetzten, Rechtsanwälten, Politikern und Geschäftsführern anzutreffen sind, um nur einige zu nennen (Bursten 1973; Stewart 1991). Unsere eigenen Untersuchungen über die Verbreitung von Psychopathie in einer Universität haben ergeben, dass etwa 5% (oder etwas mehr) als Psychopathen angesehen werden können, wovon der Großteil männlich ist. (1 von 10 Männern, 1 von 100 Frauen)
Psychopathie an sich kann als Tendenz zu Dominanz und Kälte charakterisiert werden. (Wiggins,1995) fasste mehrere frühere Forschungsergebnisse zusammen. Er kam zum Schluss, dass Psychopathen zu Zorn und Ärger neigen und bereit sind, Andere auszunutzen. Sie sind arrogant, manipulativ, zynisch, exhibitionistisch, auf Sinnesempfindungen aus, skrupellos, rachsüchtig und auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Hinsichtlich ihrer sozialen Verhaltensmuster (Foa & Foa 1974) beschreiben sie sich selbst als liebend und standesbewusst und sehen sich als höchst wertvoll und wichtig an; und doch messen sie anderen keine Liebe und keinen Rang bei und betrachten sie als wertlos und unbedeutend. Diese Charakteristik stimmt klar mit dem Kern der Psychopathie überein, wie sie gemeinhin verstanden wird.
Die vorliegende Untersuchung versucht auf einige grundlegende Fragen in jenem Bereich der Psychopathie Antworten zu geben, der kriminalistisch unauffällig bleibt… Dafür kehren wir zu der von (Cleckley 1941) vorgeschlagenen Betonung der Psychopathie als Persönlichkeitsprofil zurück, das nicht nur unter Kriminellen, sondern auch unter erfolgreichen Mitgliedern der Gesellschaft zu finden ist.
Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, dass:
(a) das Ausmaß der Psychopathie an einem idealtypischen Psychopathen gemessen werden kann, der durch eine Kombination von dominanten und gefühlskalten zwischenmenschlichen Eigenschaften gekennzeichnet ist.
(b) Psychopathie in unserer Gesellschaft vorhanden ist; dies möglicherweise häufiger als angenommen.
(c) Psychopathie offenbar nur geringe Überschneidungen mit anderen Persönlichkeitsstörungen aufweist, abgesehen von dissozialen Persönlichkeitsstörungen…
Es ist eindeutig noch viel Arbeit für das Verständnis nötig, welche Faktoren den gesetzestreuen (obwohl vielleicht nicht moralisch korrekten) Psychopathen vom gesetzesbrechenden Psychopathen unterscheiden. Diese Untersuchung muss sich aus praktischen Gründen zweifellos — anders als in der Vergangenheit üblich — mehr an nichtkriminelle Stichproben halten.
[Salekin, Trobst, Krioukova, Construct Validity of Psychopathy in a Community Sample: A Nomological Net Approach aus dem Journal of Personality Disorders, 15(5), (2001), 425-441]
Łobaczewski zeigt auf, dass es verschiedene Typen von Psychopaten gibt. Ein Typ ist der schlimmste von allen: Der essentielle Psychopath. Łobaczewski gibt uns keine „Checkliste“, sondern er durchleuchtet das Innere eines Psychopathen. Seine Beschreibungen passen sehr genau auf die Merkmale, die in eben zitierter Publikation aufgelistet sind.
Martha Stout behandelt auch die Tatsache, dass Psychopathen, wie jeder andere Mensch auch, mit unterschiedlichen Vorlieben, Abneigungen und Sehnsüchten geboren werden, weshalb manche Ärzte oder Präsidenten werden und andere kleine Dieben oder Vergewaltiger.
„Liebenswürdig, charmant, intelligent, aufmerksam, imponierend, vertrauenserweckend und „Frauenschwarm“: So beschreibt Hervey Cleckley in seinem Buch The Mask of Sanity die meisten seiner Testpersonen. Offenbar besitzen Psychopathen trotz ihrer eindeutig „unverantwortlichen“ und „selbstzerstörerischen“ Handlungsweisen jene Charakterzüge im Überfluss, die den meisten normalen Menschen erstrebenswert erscheinen. Diese glatte Selbstsicherheit ist für normale Menschen, die oft Bücher über Selbsthilfe lesen oder einen Therapeuten zuziehen müssen, um in ihrer Umgebung problemlos bestehen zu können, ein nahezu übernatürlicher Magnet. Im Gegensatz dazu hat der Psychopath niemals Neurosen, keine Selbstzweifel und keine Angst — er ist so, wie „gewöhnliche“ Menschen sein wollen. Darüber hinaus ziehen sie die Damenwelt an, selbst dann, wenn sie unattraktiv sind.
Cleckleys wegweisende Hypothese besagt, dass der Psychopath unter einem schwerwiegenden und unheilbaren affektiven Defizit leidet. Wenn er überhaupt etwas fühlt, dann nur Gefühle der oberflächlichsten Art. Er kann aufgrund seiner Launen tun und lassen was immer er will. Denn die Konsequenzen, die jeden normalen Menschen beschämen, die ihm peinlich sind oder die Selbstachtung verlieren lassen, berühren den Psychopathen einfach nicht. Was für andere eine Katastrophe ist oder Abscheu hervorruft, ist für ihn nur eine vorübergehende Unannehmlichkeit.
Cleckley postuliert, dass Psychopathie in unserer Gesellschaft normal und weit verbreitet ist. Seine Fallstudien beinhalten Beispiele von Psychopathie bei Menschen, die ganz normal in der Gesellschaft funktionieren — Ärzte, Geschäftsleute und sogar Psychiater. Heutzutage betrachten manche der eher scharfsinnigen Forscher die kriminelle Psychopathie — die oft auch als dissoziale Persönlichkeitsstörung bezeichnet wird — als ein Extrem eines bestimmten Persönlichkeitstypus. Ich denke es ist hilfreicher, kriminelle Psychopathen als „gescheiterte Psychopathen“ zu bezeichnen.
Einer der Forscher, Alan Harrington, geht sogar so weit, die durch den immer stärker werdenden Druck des modernen Lebens entstehenden „neuen Menschen“ als Psychopathen zu bezeichnen.
Sicherlich gab es immer schon Gauner und Ganoven, doch in der Vergangenheit beschäftigte man sich eher mit dem Aufspüren von sozial gescheiterten Menschen, als mit der Thematik der Psychopathie. Heute müssen wir uns jedoch vor dem super-gerissenen Gauner in Acht nehmen, der genau weiß, was er tut — und der seine Sache so gut macht, dass es niemand bemerkt. Ja, Psychopathen lieben auch die Geschäftswelt.
Von anderen Menschen unbeeinflusst blickte er gelassen in ihre Sehnsüchte und Ängste und lenkte sie nach seinen Wünschen. Ein Mensch mit solchen Fähigkeiten muss nicht unbedingt zu einem Leben voll von Schwierigkeiten und Dummheiten verdammt sein, das schmählich im Gefängnis endet. Anstatt zu morden gründet er stattdessen vielleicht ein räuberisches Unternehmen, das Firmen umbringt, mit dem er die Menschen hinauswirft, anstatt sie zu töten und mit dem er ihre Funktionalität zerhackt, anstatt ihre Körper.
Die Konsequenzen aus Wirtschaftsverbrechen sind für den Durchschnittsbürger niederschmetternd. Die Kriminologin Georgette Bennet sagt: „Sie machen ca. 30% der aktenkundigen Fälle in US-Amerikanischen Bezirksgerichten aus — mehr als irgendeine andere Art von Verbrechen. Einbrüche, Überfälle und andere Vermögensdelikte, einschließlich Straßenverbrechen, belaufen sich pro Jahr auf etwa 4 Milliarden Dollar Schaden. Und die scheinbar aufrechten Bürger in den Besprechungszimmern unserer Firmen und die niedrigen Angestellten im Einzelhandel prellen uns jährlich sogar um 40 bis 200 Milliarden Dollar.“
Dabei ist die Tatsache beunruhigend, dass als Kleidung für die neu maskierte Vernunft eines Psychopathen ein dreiteiliger Anzug genauso wahrscheinlich ist wie Strumpfmaske und Gewehr. Wie Harrington sagt: „Psychopaten sind auch in angesehenen Kreisen anzutreffen, wir nehmen nicht länger an, dass sie Verlierer sind.“ Er zitiert William Krasner: „Sie — die Psychopathen und Halb-Psychopathen — sind ausgezeichnete und skrupellose Verkäufer, da es ihnen ein Vergnügen ist, „den Menschen etwas anzudrehen“ und damit davonzukommen. Sie haben kaum Schuldgefühle wenn sie ihre Kunden betrügen.“ Unsere Gesellschaft wird immer materieller, Erfolg um jeden Preis ist das Credo vieler Geschäftsleute. Der typische Psychopath gedeiht in einer solchen Umgebung und wird als „Businessheld“ angesehen.
[Ken Magid und Carole A. McKelvey, The Psychopaths Favourite Playground: Business Relationships, HIGH RISK: Children Without a Conscience (Bantam Books, 1987)]
Das Studium „ambulanter“ Psychopathen — die wir gerne als „herkömmliche Psychopathen“ bezeichnen — hat jedoch erst vor Kurzem begonnen. Über subkriminelle Psychopathie ist nur sehr wenig bekannt. Manche Forscher haben erst jetzt damit begonnen, Psychopathie nicht als pathologische Klassifizierung, sondern als allgemeines Persönlichkeitsmerkmal unserer gesamten Gesellschaft zu betrachten. Das bedeutet, dass Psychopathie als Merkmal eines mehr oder weniger abweichenden Menschentyps anerkannt wird.
Im Grunde genommen kommt Hervey Cleckley der Idee ziemlich nahe, Psychopathen in jeder Hinsicht als menschlich zu betrachten — nur ohne Seele. Dieser Mangel an „Seelenqualität“ macht den Psychopathen zu einer sehr effektiven „Maschine“. Er kann wissenschaftliche Aufsätze schreiben und mit seinen Worten Emotionen imitieren, doch mit der Zeit stellt sich heraus, dass seine Worte nicht mit seinen Handlungen übereinstimmen. Es sind jene Menschen, die behaupten, vor Kummer am Boden zerstört zu sein und dann im nächsten Augenblick auf eine Party gehen, um „zu vergessen“. Das Problem dabei ist: Sie vergessen wirklich.
Da sie sehr effiziente Maschinen - wie Computer - sind, sind sie fähig, jede komplizierte Routine auszuführen, die so gestaltet ist, von Anderen Unterstützung für ihre Wünsche zu bekommen. Auf diese Weise sind viele Psychopathen in der Lage, in ihrem Leben sehr einflussreiche Positionen einzunehmen. Erst im Laufe der Zeit verstehen ihre Mitmenschen, dass sie nur deshalb die Erfolgsleiter erklimmen konnten, weil sie die Rechte anderer verletzen. „Selbst wenn ihnen die Rechte ihrer Mitmenschen gleichgültig sind, so sind sie doch in der Lage ein Gefühl des Vertrauens und der Zuversicht zu vermitteln.“
Der Psychopath erkennt in seiner Psyche keinen Mangel und sieht keine Notwendigkeit, sich zu verändern.
Andrzej Łobaczewski behandelt das Problem des Psychopathen und seiner maßgeblichen Beteiligung am makrosozialen Bösen, wie auch seine Fähigkeit, als graue Eminenz hinter unserer Gesellschaftsstruktur zu stehen. Dabei ist es von großer Wichtigkeit sich daran zu erinnern, dass dieser Einfluss von einem relativ kleinen Teil der Menschheit ausgeht. Die anderen 90 Prozent der Menschen sind keine Psychopathen.
Doch diese 90 Prozent normaler Menschen wissen, dass etwas nicht stimmt! Sie können es jedoch nicht festmachen, können nicht mit dem Finger darauf zeigen; und deshalb tendieren sie zu denken, dass sie nichts dagegen unternehmen können, oder dass es vielleicht Gott ist, der die Menschen bestraft.
Łobaczewski beschreibt in diesem Buch was geschieht, wenn 90 Prozent der Menschen in einen bestimmten Zustand verfallen. Der Psychopath befällt - wie ein ansteckender Virus den Körper — die Schwächen der Gesellschaft, die daraufhin in einen Zustand verfällt, der immer und unvermeidbar zu Schrecken und Tragödien in großem Maßstab führt.
Der Film Matrix berührte die Gesellschaft tief, denn darin wird beispielhaft die mechanische Falle dargestellt, mit der das Leben sehr vieler Menschen verwoben ist und aus der sie sich nicht befreien können, da sie glauben, dass jeder, der „menschlich aussieht“ genauso ist wie sie selbst– emotional, spirituell und anderweitig.
Sehen wir uns am Beispiel des „Rechtsstreits“ - wie es Robert Canup in seiner Arbeit über den gesellschaftlich versierten Psychopathen formuliert (Socially Adept Psychopath) - an, wie Psychopathen direkt die Gesellschaft als Ganzes beeinflussen können: Der Rechtsstreit wird als eine der Grundlagen unserer Gesellschaft angesehen. Wir sind der Meinung, dass Streitigkeiten, die über das Gesetz ausgefochten werden, ein gut entwickeltes Rechtssystem ausmachen. Das ist ein sehr abgefeimter Trick, der den normalen Menschen von Psychopathen aufgehalst wurde, damit sie ihre Vorteile besser ausspielen können. Denken Sie einen Augenblick darüber nach: Recht im Streit bekommt lediglich der, der das System am Besten und am Geschicktesten dazu nutzen kann, eine Gruppe von Menschen zu überzeugen, bzw. ihm Glauben zu schenken. Da dieses System des „Rechtsstreits“ langsam als Teil unserer Kultur installiert wurde, beachten wir es üblicherweise kaum, bis es in unser persönliches Leben eindringt. Aber genauso funktioniert es.
Wir wurden daran gewöhnt anzunehmen, dass alle anderen Menschen sich zumindest bemühen, „es recht zu machen“, „gut“, fair und ehrlich zu sein. Und deshalb nehmen wir uns häufig nicht die Zeit, mit angemessener Sorgfalt zu bestimmen, ob eine Person, die in unser Leben eintritt, auch wirklich ein „guter Mensch“ ist. Wir nehmen automatisch an, dass in einer gerichtlichen Auseinandersetzung die eine Seite zur Hälfte Recht hat und die andere Seite ebenfalls und wir uns eine Meinung bilden können, wer nun mehr recht hat und wer nicht. Da wir den Normen des „Rechtsstreits“ ausgesetzt sind, denken wir automatisch, wenn Streitigkeiten aufkommen, dass die Wahrheit zwischen zwei Standpunkten liegt. In diesem Fall kann die Anwendung von ein wenig mathematischer Logik auf das Problem des Rechtsstreits sehr hilfreich sein.
Nehmen wir an, dass in einem Streit eine Seite unschuldig ist, ehrlich ist, und dass sie die Wahrheit sagt. Es ist offensichtlich, dass eine → Lüge einem unschuldigen Menschen keinen Vorteil bringt. Worin sollte er denn lügen? Wenn er unschuldig ist, wäre die einzig mögliche Lüge zu sagen: „Ich war es!“ Eine Lüge ist nur für den Lügner von Vorteil. Der Lügner kann fälschlicherweise aussagen: „Ich war es nicht!“, und dafür den, den Unschuldigen beschuldigen, der weiterhin wahrheitsgemäß behauptet: „Ich war es nicht!“
Wenn die Wahrheit von guten → Lügnern verdreht wird, kann sie immer einen unschuldigen Menschen schlecht aussehen lassen, besonders dann, wenn der Unschuldige ehrlich ist und seine Fehler zugibt.
Die grundlegende Vermutung, dass die Wahrheit zwischen den Standpunkten der beiden Seiten liegt, verschafft immer der lügenden Seite einen Vorteil und der wahrheitsgetreuen Seite einen Nachteil. Meistens wird zusätzlich zur Lüge die Wahrheit zum Schaden der unschuldigen Person weiter verdreht. Der Vorteil liegt auf diese Weise immer in den Händen von Lügnern — von Psychopathen. Sogar der simple Akt einer Aussage unter Eid ist eine sinnlose Farce. Wenn jemand ein Lügner ist, dann hat ein Eid auf ihn keine Wirkung. Ein Eid wirkt jedoch auf einen seriösen, wahrheitsgetreuen Menschen sehr stark. Und wiederum liegt der Vorteil auf der Seite des Lügners.
Es wurde oft erwähnt, dass Psychopathen einen ausgeprägten Vorteil gegenüber Menschen mit Gewissen und Gefühlen haben, da Psychopathen frei von Gewissen und Gefühlen sind. Es hat den Anschein, dass Gewissen und Gefühle mit den abstrakten Konzepten von „Zukunft“ und „die Anderen“ zusammenhängen. Es ist „raum-zeitlich“. Wir sind in der Lage Angst, Sympathie, Empathie, Traurigkeit etc. zu fühlen, weil wir uns auf abstrakte Weise vorstellen können, dass die Zukunft auf unseren eigenen Erfahrungen in der Vergangenheit beruht, oder wir uns einfach nur vielfältigste „Erfahrungswelten“ ausmalen können. Wir können „uns selbst“ in den anderen Menschen „sehen“, obwohl sie „da draußen“ sind — und das erzeugt in uns Gefühle. Wir können nicht einfach jemanden verletzen, weil wir uns vorstellen können wie es sich anfühlt, wenn uns dasselbe angetan wird. Wir können uns demnach nicht nur räumlich mit anderen identifizieren, sondern auch in der Zeit.
Psychopathen verfügen offenbar nicht über diese Fähigkeit.
Sie können sich einfach nicht „vorstellen“ sich auf direkte Weise mit Bildern zu verbinden. Sozusagen ein „Selbst, das sich mit einem anderen Selbst verbindet.“
Natürlich können Psychopathen Gefühle imitieren, doch das einzig reale Gefühl, das sie offenbar haben - ihr Trieb, die unterschiedlichen Dramen für ihr Ziel auszuagieren - ist eine Art „räuberischer Hunger“ nach ihren Wünschen. Sie empfinden ihre Bedürfnisse und Wünsche sozusagen als Liebe, und wenn sie diese nicht erfüllt bekommen, beschreiben sie es mit „nicht geliebt werden.“ Mehr noch, diese „Bedürfnis/Wunsch“ Sichtweise bedeutet, das ausschließlich der „Hunger“ des Psychopathen Gültigkeit besitzt und alles andere „da draußen“ - außerhalb des Psychopathen - nicht real ist, außer es könnte ihm als eine Art „Nahrung“ dienen und von ihm assimiliert werden. „Brauche ich es oder bringt es mir etwas?“ Das ist die einzige Frage, die den Psychopathen beschäftigt. Alles Andere — sämtliche Handlungen — dienen nur in diesem Trieb.
Kurzum — der Psychopath ist ein → Räuber. Wenn wir daran denken, wie die Räuber im Tierreich mit ihrem Opfern umgehen, können wir uns vorstellen, was hinter dieser „Maske der Vernunft“ des Psychopathen steht. So wie ein Raubtier alle möglichen Varianten des Anschleichens und Tarnens beherrscht, um seinem Opfer nachzustellen, es aus der Herde zu locken, ihm Nahe zu kommen und seinen Widerstand zu brechen, so erfindet der Psychopath alle Arten von durchdachten Tarnungen aus Worten und Formalitäten — in Wirklichkeit Lügen und Manipulationen — um sein Opfer zu „assimilieren“.
Das führt uns zu einer wichtigen Frage: Was erhält der Psychopath wirklich von seinen Opfern? Dies ist leicht zu beantworten, wenn sie lügen und manipulieren, um mehr Geld oder materielle Güter oder Macht zu erlangen. Doch in vielen Fällen, wie zum Beispiel in Beziehungen oder falschen Freundschaften, ist es sehr schwierig zu erkennen, wonach der Psychopath aus ist. Ohne uns spirituelle Spekulationen zu weit zu strapazieren — ein Problem, mit dem auch Cleckley konfrontiert war — können wir feststellen, dass es der Psychopath offenbar genießt, wenn er sieht, wie Andere leiden. So wie ein normaler Mensch sich daran erfreut, wenn sich andere Menschen freuen oder er Anderen ein Lächeln bereiten kann, erfreut sich der Psychopath an genau dem Gegenteil.
Jeder der jemals beobachtet hat, wie eine Katze mit einer Maus spielt, bevor sie diese tötet und frisst, hat sich wahrscheinlich die Situation so erklärt, dass die Katze von den Fluchtversuchen der Maus „unterhalten“ wird und den Schrecken und den Schmerz, den die Maus erleidet, nicht begreifen kann. Deshalb kann der Katze keine böse Absicht unterstellt werden. Die Maus stirbt, die Katze ist satt — so ist die Natur. Aber Psychopathen fressen normalerweise ihre Opfer nicht.
Und doch wird in extremen Fällen von Psychopathie genau diese Katz- und Maus Dynamik ausgetragen. Kannibalismus hat eine lange Geschichte; es wurde vermutet, dass mit dem Verzehr gewisser Körperteile bestimmte Kräfte des Opfers aufgenommen werden können. Im gewöhnlichen Leben jedoch gehen Psychopathen nicht so weit — wenn man so will. Deshalb müssen wir das Katz- und Maus — Spiel nochmals aus einer anderen Perspektive betrachten. Jetzt stellen wir die folgende Frage: Ist es zu einfach anzunehmen, dass die unschuldige Katze von der herumrennenden Maus, die panisch versucht zu entkommen, nur unterhalten wird? Oder liegt in dieser Dynamik mehr als das bloße Auge erkennen kann? Ist es mehr als nur reine „Unterhaltung“ für die Katze, wenn die Maus versucht zu fliehen? Warum sollte überhaupt so ein Verhalten evolutionär in der Katze verankert sein? Schmeckt die Maus besser, wenn die Chemikalien der Angst ihren kleinen Körper überfluten? Ist eine vor Angst erstarrte Maus ein „Feinschmeckermahl“?
Wir sollten daher unsere Überlegungen über Psychopathen nochmals überdenken. Wir wissen zumindest Eines: Viele Menschen, die mit Psychopaten und Narzissmus zu tun hatten berichten, dass sie sich danach „ausgelaugt“ und verwirrt fühlten. Oft war dies mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes verbunden. Ist das die Antwort auf die Frage, warum Psychopathen häufig „Liebesbeziehungen“ und „Freundschaften“ eingehen, die keinen beobachtbaren materiellen Vorteil für sie zu haben scheinen? Geht es in Wirklichkeit darum, die Energie des Anderen zu konsumieren?
Wir kennen die Antwort auf diese Frage nicht. Wir beobachten, wir theoretisieren, spekulieren und stellen Hypothesen auf. Doch letztendlich kann nur das jeweilige Opfer bestimmen, was es bei einer solchen Dynamik verloren hat — und das ist oft weit mehr als nur materielles Gut. Auf eine gewisse Weise scheint es, dass Psychopathen Seelenfresser sind — „Psychophagen“.
In den letzten paar Jahren beginnen immer mehr Psychologen, Psychiater und andere mit dem geistigen Wohl der Menschen befasste Berufsgruppen dieses Thema in einem neuen Licht zu betrachten. Dies zumeist als Reaktion auf die Fragen über den Zustand unserer Welt und die Möglichkeit, dass es einen beträchtlichen Unterschied zwischen solchen Menschen wie George W. Bush und vielen der sogenannten Neokonservativen und dem Rest von uns gibt.
Das Buch von Dr. Stout beinhaltet eine der längsten Erklärungen, die ich je gelesen habe, warum keine ihrer Testpersonen bekannte Persönlichkeiten darstellen. Und dann beschreibt sie in einem Kapitel zu Beginn des Buches eine „zusammengesetzten Fallstudie“, in der die untersuchte Person in ihrer Kindheit Frösche mittels Feuerwerkskörper explodieren ließ. Es ist allgemein bekannt, dass George W. Bush so etwas getan hat. Die untersuchte Person absolvierte das College mit einem durchschnittlichen Befriedigend — so wie Bush in Yale. Das wirft natürlich Fragen auf…
Jedenfalls realisierten wir bei unserem Studium der Materie - auch ohne die Arbeit von Dr. Stout - dass unsere Ergebnisse für jedermann äußerst wertvoll sein können. Wir erkannten, dass das Thema früher oder später, stärker oder schwächer, jeden Menschen betrifft. Wir begannen auch zu realisieren, dass die Ergebnisse unserer Nachforschungen die Persönlichkeitsprofile vieler Menschen, die hochrangige Machtpositionen - ganz besonders in der Politik und der Geschäftswelt — anstreben, sehr genau beschreiben. Das ist nun wirklich nicht überraschend, doch es fiel uns solange nicht auf, bis wir die Verhaltensmuster sahen und diese in der Verhaltensweise vieler historischer Persönlichkeiten wiedererkannten — auch bei George W. Bush und Mitgliedern seiner Regierung.
Aktuelle Statistiken zeigen, dass es mehr psychisch kranke als psychisch gesunde Menschen gibt. Wenn man Stichproben von Menschen aus jedem beliebigen Lebensbereich heranzieht, findet man höchstwahrscheinlich eine erhebliche Anzahl pathologischer Symptome unterschiedlicher Ausprägung. Die Politik ist da keine Ausnahme. Sie zieht durch ihre Natur der Sache mehr pathologische „Herrschaftsmenschen“ an als andere Bereiche. Das ist nicht nur logisch und wahr, sondern vor allem erschreckend. Es ist deshalb erschreckend, weil pathologische Personen in Machtpositionen verhängnisvolle Auswirkungen auf alle Menschen haben können, die unter ihrer Kontrolle leben. Also beschlossen wir, dieses Thema im Internet bekannt zu machen.
Sobald unsere Ergebnisse veröffentlicht waren, erhielten wir viele Briefe und Emails, in denen uns die Leute dankten, weil wir dem, was auch ihnen widerfahren ist, einen Namen gaben und wir ihnen helfen konnten zu verstehen, was in der Welt, die scheinbar völlig verrückt geworden ist, vor sich geht. Wir bekamen den Eindruck, dass hier eine Epidemie wütet. Und auf eine Weise hatten wir Recht. Wenn jemand mit einer ansteckenden Krankheit in einem Beruf arbeitet, in dem er mit vielen Menschen zu tun hat, kann eine Epidemie entstehen. Dasselbe gilt hier. Wenn ein Mensch in einer politischen Machtposition ein Psychopath ist, kann er oder sie eine psychopathologische Epidemie ins Rollen bringen — auch bei Menschen, die ansonsten nicht psychopathisch sind. Unsere Schlussfolgerungen zu diesem Thema erhielten bald eine Bestätigung von unerwarteter Seite: Andrzej Łobaczewski, der Autor des vorliegenden Buches. Ich erhielt folgendes Email:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich habe ihr Forschungsprojekt über Psychopathie vor mir, hier auf meinem Computer. Ihre Arbeit ist für die Zukunft der Nationen von höchster Bedeutung und äußerst wertvoll…
Ich bin ein sehr betagter klinischer Psychologe. Vor vierzig Jahren habe ich an einem geheimen Forschungsprojekt über die wahre Natur und die Psychopathologie des makrosozialen Phänomens genannt „Kommunismus“ teilgenommen. Die anderen Forscher waren Wissenschafter der vorigen Generation, die alle bereits verstorben sind.
Das tiefgehende Studium der Natur der Psychopathie, die einen wesentlichen und inspirierenden Beitrag zu diesem makrosozialen psychopathologischen Phänomen geleistet hat und die sich von anderen mentalen Anomalien unterscheidet, schien die nötige Vorbereitung zu sein, um die gesamte Natur des Phänomens verstehen zu können.
Ein großer Teil ihrer heutigen Arbeit wurde auch damals geleistet… Ich kann Ihnen ein höchst wertvolles, wissenschaftliches Dokument anbieten, das für ihre Zwecke sehr nützlich sein wird. Mein Buch „Politische Ponerologie - Die wissenschaftliche Studie über das auf politische Zwecke ausgerichtete Böse.“ Sie finden eine Kopie dieses Buches in der Bibliothek des Kongresses, in manchen Universitäten und öffentlichen Bibliotheken in den USA.
Wenn Sie so freundlich wären mich zu kontaktieren, damit ich Ihnen eine Kopie zusenden kann.
Ihr
Andrzej M. Łobaczewski
Ich schrieb sofort zurück. Ja, natürlich wollte ich sein Buch lesen. Ein paar Wochen später kam das Manuskript per Post. Während ich las wurde mir klar, dass dieses Buch die Chronik eines Abstieg in die Hölle, der Transformation und der triumphalen Rückkehr mit dem Wissen über diese Hölle ist. Es war unbezahlbar wertvoll für uns, besonders in der heutigen Zeit, wo offensichtlich eine ähnliche Hölle den Planeten umhüllt. Die Risiken, die diese Gruppe von Wissenschaftern für die Forschungen, auf denen dieses Buch beruht, auf sich genommen haben, sind für die meisten von uns fernab jeglichen Fassungsvermögens.
Viele von Ihnen waren jung, hatten gerade ihre Karriere begonnen, als die Nazis in Siebenmeilenstiefeln quer durch Europa stapften. Die Forscher überlebten diese Zeit, und als die Nazis von den Kommunisten unter Stalin abgelöst wurden, mussten sie Jahre der Unterdrückung ertragen, die sich diejenigen, die heutzutage gegen das Bush Reich aufstehen, nicht einmal vorstellen können.
Doch basierend auf dem Syndrom, das den Beginn der Krankheit anzeigt, ist anzunehmen, dass besonders die Vereinigten Staaten und vielleicht sogar die ganze Welt bald in „böse Zeiten“ von solchem Horror und solcher Verzweiflung eintreten werden, dass der Holocaust der 2. Weltkrieges lediglich wie ein Probelauf erscheinen wird.
Weil es die Forscher schon einmal durchlebt und die Informationen für uns dokumentiert haben, kann dieses Buch unser Leben retten, indem es uns eine Landkarte ist, die uns in der einbrechenden Dunkelheit führen kann.
Laura Knight-Jadczyk
weiter zum Vorwort des Autors…
FUßNOTEN
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Ein
zurückApologetoderApologistist ursprünglich ein Vertreter der christlichen Apologie, die das Christentum im Römischen Reich als vernünftige Religion aufzeigt und gegen Angriffe anderer Religionen und Philosophien verteidigt. [Wikipedia], AdÜ -
Ich habe nie an einer Universität studiert, bin also in diesem Zusammenhang nicht „professionell“
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