POLITISCHE PONEROLOGIE
Nachwort des Autors: Probleme der Ponerologie
Hinweis: Es handelt sich um eine Rohübersetzung. Die Überarbeitung ist „Work in progress!“
Das Studium von pathologischen Abweichungen in Europa wurde seit dem Beginn der modernen Psychiatrie, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, betrieben. Während der ersten dreißig Jahre des 20. Jahrhunderts erwiesen sich einige bedeutende Psychiater als Pioniere in diesem Fachbereich. Danach folgte eine Zeit der Verfolgung, nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Wissenschafter. Es hat den Anschein, dass – basierend auf einer Durchsicht dessen, was heutzutage im Westen bekannt ist – viele Ergebnisse dieser Arbeiten unwiederbringlich verloren sind.
Ein Beispiel: als ich Student war, erzählte man sich in Polen die Geschichte von einem hervorragenden Germanistikprofessor, der eine Analyse über Hitlers psychopathische Persönlichkeit verfasst hatte. Offenbar versuchte er die Deutschen zu warnen, dass Hitler Deutschland in eine schreckliche Katastrophe führen würde. Er wurde in ein Konzentrationslager gebracht, wo er unter Prügelfolter starb. Man erzählte sich, dass seine letzten Worte waren: „Ich habe das eindeutig nachgewiesen!“ Ich konnte zu dieser Geschichte leider keinen Namen finden, deshalb müssen wir sie im Bereich der Anekdoten belassen, trotzdem ist sie nichtsdestotrotz interessant, da sie nur eine von vielen ähnlichen Geschichten war, die damals unter Akademikern die Runde machten.
Es scheint, dass gleichzeitig auch die Sowjets die Gefahren dieser Wissenschaft erkannten. Sie stoppten nicht nur das Studium der Genetik1, sie versuchten auch mit Methode unabhängige Forschungen im Bereich der Psychologie auszumerzen und politische Kontrolle über diese Wissenschaft zu erlangen, damit sie diese für ihre eigenen schändlichen Ziele nutzen konnten. Einige Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurden alle öffentlichen Bibliotheken in Polen durchsucht. Die ‚gefährlichen‘ Bücher wurden entfernt und zerstört. Die Universitätsprofessoren wurden darüber informiert, welche Themenbereiche in ihren Vorlesungen erlaubt waren und wie sie diese zu lehren hatten. Die ‚Behörden‘ gaben vor, was einem Psychiater oder klinischen Psychologen erlaubt war zu verstehen. Durch ein solches Vorgehen wurden viele wertvolle Forschungsarbeiten der damaligen Zeit unterbunden und danach zumeist vergessen.
In der Folge nahmen in Amerika Hervey Cleckley und auch andere Forscher die Arbeit auf sich, erneut jene Dinge zu entdecken, die bereits im Hexenkessel genau dieses Themas erforscht wurden, das sie zu verstehen versuchten: sozial gefährliche psychologische Anomalien. Sie hatten jedoch keinen Zugriff auf die alten europäischen Ergebnisse; niemand im Westen hatte darauf Zugriff, da sie gründlich aus der öffentlichen Perspektive ausgelöscht worden waren.
Sowohl für mich als auch für andere Forscher der Entstehung des Bösen und des Wesens makrosozialer pathologischer Phänomene, die unsere Länder verschlangen, bildet diese alte europäische Wissenschaft, die in unseren Köpfen durch die Vorlesungen vor der Unterdrückung erhalten blieb, die Basis für unser Verständnis. Ich bin der Meinung, dass eine Wiederherstellung dieser von Faschismus und Kommunismus ausradierten Wissenschaft der Forscher und Psychiater jener Zeit eine entscheidende Voraussetzung für weitere Fortschritte beim Studium des makrosozialen Bösen ausmacht. Dabei ist es wichtig anzumerken, dass die damals entstandene europäische Terminologie in diesem Feld besser ausgearbeitet und eindeutiger war. Es scheint, dass heutzutage im Westen große Verwirrung in der Terminologie besteht.
Wie ich aus den Unterlagen von Salekin, Trobst und Krioukova2 erfuhr, wird in den USA eine ausgereifte Persönlichkeitsbestandsaufnahme als Hauptsystem zur Erkennung und Einschätzung von Psychopathien angewandt. Dieses System mag eine gewisse, durchaus wertvolle Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit einer Diagnose ergeben, doch es wird aufgrund der Unterschiedlichkeit der verschiedenen Typen keine ausreichende Sicherheit bieten können. Wir benötigen dringend praktische Vorgehensweisen und zusätzlichen wissenschaftlichen Fortschritt. Die nötige Sicherheit in der Diagnose kann mitunter auch durch das Wissen um die verschiedenen Arten mentaler Anomalien erreicht werden, das in den heute verlorenen europäischen wissenschaftlichen Arbeiten erarbeitet wurde.
Übereinstimmend mit meiner Erfahrung – als klinischer Psychologe und als Forscher über die Natur des Bösen in der Psychopathologie – habe ich den Eindruck, dass nahezu die Hälfte der pathologischen Faktoren, die an den Prozessen der Entstehung des Bösen, oder der Ponerogenese, beteiligt sind, Resultate von verschiedenen Arten von Hirngewebsläsionen sind. Psychopathien machen hier einen geringeren Prozentsatz aus. Es gibt auch noch andere Faktoren, wie beispielsweise die oft genannten multiplen Persönlichkeiten. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nur auf Psychopathien konzentrieren, kann dies nur zu einem einseitigen Verständnis des Problems als Ganzes und zu Fehlern in der Praxis, besonders in der Psychotherapie führen. Die Situation ist bei Fällen der Psychopathie noch viel verworrener. Ein umfangreiches Wissen um die biologische Natur und die genetischen Eigenschaften spezieller Psychopathien kann, so hoffe ich, einen Weg ermöglichen, der sich auf Basis von Verständnis auftut. Aus diesem Grund schreibe ich hier meine Anmerkungen auf. Sie beruhen auf Übung und Erfahrung inmitten jener Art von Ereignissen, die wir hoffentlich verstehen – nein – die wir verstehen müssen.
Das Ziel sollte eine reduzierte Aktivität der Pathologie bei der Entstehung des Bösen und deren tragischen Resultaten in allen Bereichen sein; von einzelnen Menschen (wie z.B, Frauen, die Psychopathen zum Opfer fallen) über Familien, sozialen Gruppierungen, sozialen Bewegungen bis hin zur größten Bühne politischer Ereignisse. Solch ein Ziel verlangt nach profunder Kenntnis des Wesens aller Abnormitäten. Sämtliche Ergebnisse der alten europäischen Psychiater und auch alle zeitgenössischen Errungenschaften müssen sorgfältig überprüft und bei künftigen Forschungen mit einbezogen werden. Der derzeitige Stand des Wissens mag für ein Verständnis des makrosozialen Phänomens ausreichend sein, für eine völlige Vergegenwärtigung der vor uns liegenden Aufgabe reicht er jedoch nicht aus, da auch individuelle Fälle eine gewichtige Rolle spielen.
Die Hauptaufgabe scheint für mich die Unterscheidung von Anomalien zu sein: sind sie durch Hirngewebsverletzungen entstanden oder wurden sie durch Vererbung übertragen? Auch diese Frage bestimmt das tägliche Brot eines Psychologen. Herauszufinden, wo im Gehirn und welche Art der Verletzung vorliegt, ist nicht schwer, wenn übliche Test und Technologien benutzt werden. Bei Menschen mit Pathologien, die aus solchen mechanischen Fehlsteuerungen herrühren, kann beobachtet werden, dass sie am häufigsten die Initiatoren der makrosozialen Prozesse sind, die zu Leid auf breiter Basis führen. Sie bereiten den Weg für die weiteren Aktivitäten genetisch übertragender pathologischer Faktoren. Dieser Umstand dürfte mittels Psychotherapien leichter unter Kontrolle zu bringen sein. Da Gehirnverletzungen nicht vererbbar sind, hat der Therapeut die Pflicht, den Patienten und die unmittelbar betroffenen Personen darüber zu informieren, dass die Gefahr der Vererbung nicht besteht und deshalb andere Maßnahmen getroffen werden müssen als jene, die ansonsten bei erblichen Faktoren angezeigt wären.
In Bezug auf die ponerogenischen Aktivitäten waren die produktivsten Fälle (und
ich meine hier nicht offensichtlich kriminelle Aktivitäten, obgleich diese – auch
wenn sie unerkannt sind – eine gewisse Rolle spielen können) in meiner Praxis jene
mit frontalen Charakteropathien. (Ich denke, dass im Westen Charakteropathien oft
als Persönlichkeitsstörungen bezeichnet werden.)
Eine Verletzung in den Gehirnzentren 10A und 10B wird überwiegend bei Neugeborenen als Resultat einer neonatalen Hypoxie oder verschiedener Krankheiten verursacht, die in diesem kritischen Alter alltäglich sind. Bei Kindern im Vorschulalter sind diese pathologischen Eigenschaften nicht feststellbar. Die Probleme vergrößern sich jedoch mit zunehmendem Alter, normalerweise bis um das 50. Lebensjahr. Von diesem Zeitpunkt an hat hat der Mensch eine starke ponerogenische Persönlichkeit. Ein gutes und typisches Beispiel dafür war Stalin. Dabei sollten vergleichende Betrachtungen dieser besonders ponerogenischen Charakteropathie angestellt werden, die sich gleichzeitig mit der perinatalen Verletzung seines präfrontalen Gehirns entwickelt hatte. Literatur und Nachrichten aus seiner Zeit strotzen nur so von Hinweisen: brutal, charismatisch, charmant; das Treffen unwiderruflicher Entscheidungen, unmenschliche Unbarmherzigkeit, pathologische Rachegefühle gegenüber jedem, der sich ihm in den Weg stellte; und der egotistische Glaube an seine eigene Genialität – und das von einer Person, dessen Intelligenz in Wahrheit nur durchschnittlich war. Ein solcher Zustand erklärt auch seine psychologische Abhängigkeit von einem Psychopathen wie Beria. Auf ein paar Fotografien kann man die typische Deformation seiner Stirn erkennen, wie sie Menschen aufweisen, die eine sehr frühe Verletzung der oben beschriebenen Bereiche des Gehirns erlitten haben.
Die moderne Geburtshilfe und Versorgung von Neugeborenen haben die Häufigkeit solcher Fälle von Charakteropathien deutlich reduziert, doch es muss noch mehr getan werden. Heutzutage haben wir es mit leichteren Fällen zu tun. Aus diesem Grund muss eine verbesserte ärztliche Betreuung – besonders für Frauen und Kinder – in jeden Plan mit eingeschlossen werden, der sich mit dem Bösen auf makrosozialer Ebene befasst. Wollen wir hoffen, dass kein Stalin mehr auf der Bildfläche erscheint.
Lassen sie mich noch einmal kurz die Hauptkategorien mit ein paar zusätzlichen Anmerkungen darstellen, die im originalen Text nicht enthalten waren.
Paranoide Charakterstörungen sind eine weitere Charakteropathie,
die zur Entstehung des Bösen beiträgt. Wir wissen heute, dass der psychologische
Mechanismus paranoider Phänomene ein zweifacher ist: einer wird durch eine
Verletzung des Hirngewebes verursacht, der andere ist funktionell oder
verhaltensbezogen. Gewisse Verletzungen des Hirngewebes verursachen ein Nachlassen
von akkuratem Denken und, als Konsequent daraus, den Verlust der Kontrolle über die
Persönlichkeitsstruktur. Am typischsten sind jene Fälle, die Aggressionen im
Diencephalon3, durch
verschiedene pathologische Faktoren verursacht, hervorrufen und eine permanente
Verschlechterung der tonalen Fähigkeiten, wie auch gleichzeitig die Aufhebung von
Hemmungen in der Hirnrinde zur Folge haben. Besonders in schlaflosen Nächten lassen
dann unkontrollierte Gedanken eine paranoide Sichtweise der menschlichen Realität
entstehen und auch Vorstellungen und Ideen, die entweder etwas naiv oder stark
revolutionär sind.
Wenn solche Phänomene bei Personen ohne Hirngewebsverletzungen auftreten, dann oft als Resultat einer Erziehung durch Menschen mit paranoiden Charakteropathien und des damit einhergehenden Schreckens in der Kindheit. Ein solches psychologisches Material wird somit assimiliert und erzeugt die rigiden Stereotypen abnormer Erfahrungen. Deshalb ist es für Denkprozesse und Weltsicht schwierig, sich auf normale Weise zu entwickeln. Die vom Schrecken blockierten Inhalte werden in permanente, funktionsfähige und kongestive Zentren transformiert.
Es ist für das paranoide Verhalten von Menschen charakteristisch, zu relativ korrekten Schlussfolgerungen und Diskussionen fähig zu sein, solange die Gespräche nur kleine Meinungsverschiedenheiten aufweisen. Dies hört jedoch abrupt auf, wenn die Argumente des Gesprächspartners beginnen, ihre überschätzten Ideen zu untergraben, die lange gepflegten Stereotypen ihres logischen Denkens zu zerschlagen oder sie dazu gedrängt werden, eine Argumentation zu akzeptieren, die sie zuvor schon unterbewusst abgelehnt hatten. Ein solcher Stimulus lässt auf den Gesprächspartner einen Schwall an pseudo-logischen und weitestgehend paramoralistischen, suggestiven Beschimpfungen niederprasseln.
Solche Reaktionen dienen in Allgemeinen nur dazu, kultivierte und logische Menschen zu vergrämen, die daraufhin den Kontakt mit paranoiden Personen meiden. Die Macht der Paranoiden liegt jedoch darin, dass sie mit Leichtigkeit weniger kritische Geister versklaven können, also Menschen mit anderen Arten von psychologischen Mängeln, die Opfer von Leuten mit Charakterstörungen waren und ganz besonders junge Leute.
Jemand aus der Arbeiterklasse könnte diese Macht zur Versklavung als Sieg des Volkes über die Gelehrten ansehen und sich auf die Seite des Paranoiden stellen. Dies ist jedoch nicht die normale Reaktion der Allgemeinheit, in der Intelligenz und die Wahrnehmung der psychologischen Realität nicht weniger häufig anzutreffen ist als unter Intellektuellen.
In Summe steht eine qualitativ häufigere Akzeptanz paranoider Argumentationen in umgekehrter Proportion zur Stufe der Zivilisation der betreffenden Gesellschaft. Trotzdem sind sich paranoide Personen ihres versklavenden Einflusses bewusst – durch Erfahrung und durch ihr Verhalten, sich aus jeder Situation auf pathologisch egotistische Weise Vorteile zu verschaffen.
Psychopathien sind die erblich übertragenen Anomalien; hauptsächlich des instinktiven menschlichen Substrats. Sie stellen die Mängel dieses natürlichen phylogenetischen Kapitals dar, sind jedoch von anderer Natur. Wir kennen eine Vielzahl unterschiedlicher Arten dieser Anomalien, die sich sowohl in ihrer Natur als auch in der erblichen Übertragung unterscheiden. Wir sollten deshalb von Beginn an verstehen, dass es sich hier um biologisch unterschiedliche Entitäten handelt.
Die aktivsten Entitäten in Bezug auf die Ponerogenese sind jene, welche die
unterdrückten Wissenschafter als essentielle Psychopathen bezeichnet
haben. Heute wird dieser Typus von vielen Forschern beschrieben, obwohl sich sich
in ihrer Terminologie unterscheiden.
Diese Anomalie ist aufgrund ihrer oft dramatischen Beteiligungen an
Lebenstragödien von Frauen sehr gut bekannt. Colin Wilson beschreibt
diesen Typus, den er als rechten Mann bezeichnet und der in anderen
Fällen dominanter Mann oder Alpha-Mann genannt wird,
obwohl wir es in unserem Fall mit einem extremen Verhalten dieses Typus zu tun
haben, nicht nur mit einer gewöhnlichen dominanten oder anführenden Charakteristik.
Diese Beschreibung gibt uns ein gutes Bild des Typus des essentiellen Psychopathen,
obgleich eine andere Terminologie benutzt wird. Am häufigsten ist der essentielle
Psychopath als Tyrann im eigenen Heim anzutreffen, der seine Familie terrorisiert,
doch man findet ihn auch in allen anderen Bereichen menschlicher Unternehmungen.
Sie können schon sehr früh erkannt werden – als Tyrann anderer Kinder und als
Quäler hilfloser Geschöpfe.
Wilsons Arbeit basiert auf den Erkenntnissen von A. E. van Vogt, der
Autor von vielen psychologischen Studien ist. Van Vogts Konzept des rechten
oder gewalttätigen Mannes ist in unserem Zusammenhang aufgrund seiner
Beschreibungen der Macht der angesprochenen Pathologie relevant; nicht so sehr
aufgrund seiner Interpretationen. Ein Auszug aus Wilsons Arbeit:
„Im Jahre 1954 begann van Vogt an seinem Kriegsroman The Violent Man zu schreiben, der in einem chinesischen Gefangenenlager spielt. Der Lagerkommandant ist einer jener grausamen und autoritären Menschen, die augenblicklich und ohne zu zögern jeden exekutieren lassen, der ihre Autorität herausfordert. Van Vogt schuf diesen Charakter, indem der Persönlichkeiten wie Hitler und Stalin beobachtet hatte. Als er über die mörderische Verhaltensweise des Kommandanten nachdachte, stellte er sich selbst die Frage: ‚Was könnte einen solchen Menschen motivieren?‘ Warum glauben manche Leute, dass jeder, der ihnen widerspricht entweder unehrlich oder völlig böse ist? Glauben sie wirklich, im tiefsten Inneren ihres Herzens, dass sie unfehlbare Götter sind? Wenn dem so ist, sind sie dann nicht auf eine Weise krank, so wie jemand der glaubt, Julius Cäsar zu sein?
Auf der Suche nach Beispielen hatte van Vogt den Eindruck, dass männliches autoritäres Verhalten zu weit verbreitet ist, um als Verrücktheit bezeichnet werden zu können. …
So scheint nach van Vogts Beobachtungen (zum Beispiel) eine Heirat bei vielen Männern die ‚autoritäre Persönlichkeit‘ hervorzubringen…
…Der gewalttätige oder
rechte Mann… ist jemand, der von einem manischen Bedürfnis nach Selbstachtung angetrieben wird, vom Antrieb ‚jemand zu sein‘. Er ist darauf versessen, nicht ‚sein Gesicht zu verlieren‘ und wird deshalb unter keinen Umständen zugeben, dass er im Unrecht gewesen sein könnte…
Ungezügelte, ungesunde Eifersucht ist hier gleichermaßen interessant. Die meisten von uns sind zumindest etwas eifersüchtig, da die Ahnung, dass ein geliebter Mensch einen anderen vorziehen könnte, einem Angriff auf unsere Eitelkeit gleichkommt. Doch der rechte Mann, dessen Selbstachtung konstant wie ein wunder Punkt fault, wird schon beim Gedanken daran verrückt, was bisweilen bis hin zu Mord führt…
Er hat das Gefühl, dass es gerechtfertigt ist, wenn er wie ein zorniger Gott explodiert. …Er ist der Meinung nur zu strafen…
…In allen Fällen des ‚rechten Mannes‘ kommt jedoch klar zum Ausdruck, dass all seine Attacken nicht unvermeidbar sind; die meisten der schlimmsten Vergehen sind sorgfältig geplant und voller Entschlossenheit ausgeführt. Der rechte Mann verübt diese Vergehen weil er glaubt, dass sie ihm dabei helfen, seinen eigenen Weg zu gehen, was ihn vor allen anderen Dingen am meisten interessiert.
Dieser Umstand macht uns deutlich, dass das Problem des rechten Mannes ein Problem von stark dominanten Menschen ist. Dominanz ist für Biologen und Zoologen von enormem Interesse, da der Prozentsatz dominanter Tiere – oder Menschen – erstaunlicherweise konstant zu sein scheint. … Biologische Studien haben bestätigt, …dass aus irgendeinem eigenartigen Grund genau fünf Prozent – jedes zwanzigste – Tier einer beliebigen Tierart dominant ist, dass es Anführerqualitäten besitzt…
Ein ‚durchschnittliches‘ Mitglied der dominanten fünf Prozent sieht keinen Grund, warum es nicht auch reich und berühmt sein sollte. Es ist zornig und frustriert, wenn sein ‚Vorrecht‘ nicht geachtet wird und bereit, mit unorthodoxen Mitteln unter Einsatz seiner Ellbogen seinen Weg zur Macht zu beschreiten. Das erklärt eindeutig einiges der Frage, warum in unserer Gesellschaft Verbrechen und Gewalt auf dem Vormarsch ist…
Wir können auch beobachten, wie hoch die Anzahl jener dominanten Männer ist, die sich zu einem ‚rechten Mann‘ entwickeln. In jeder Schule mit fünfhundert Schülern gibt es ca. 25 Dominante, die um die Vorherrschaft kämpfen. Einige dieser Schüler besitzen natürliche Vorteile: sie sind gute Sportler, gute Schüler, gute Redner. (Es gibt natürlich auch viele nicht-dominante Schüler, die begabt genug sind, den einen oder anderen Pokal mit nach Hause zu nehmen.) Zwangsläufig gibt es ebenso unter den dominanten Schülern welche, die keine besonderen Talente oder Gaben besitzen. Wie wird der Drang nach Vorherrschaft in einem solchen Menschen gestillt? Er wird seine Dominanz unweigerlich auf jede vorstellbare Weise ausdrücken.“
[Colin Wilson, A Criminal History of Mankind, 1984]
Van Vogts und Wilsons Analysen verfehlen jedoch den Kern des Problems – die essentielle Psychopathie. Ihre Beschreibungen treffen zwar auf den Typus in seiner äußeren Ausformung zu, sie berühren jedoch die genetischen Fragen nur tangential.
Während meiner eigenen Nachforschungen wurde mir klar, dass eine umfassende
Untersuchung dieses Typus notwendig war, wenn der Verdacht bestand, dass hier eine
wesentliche inspirierende Teilnahme an der makrosozialen Pathologie bestand, die
wir auch heute noch als Kommunismus bezeichnen. Die Häufigkeit einer
solchen Teilnahme variiert von Land zu Land. Ich schätze, dass sie in meinem
Heimatland Polen bei etwa 6% liegt.
Das instinktive Substrat solcher Menschen weist keine natürlich abgestimmten Reaktionen auf. Es ist, als ob es Lücken in ihrem natürlichen Wesen gibt, wie fehlende Seiten auf einem Instrument. Als Ergebnis davon sind solche Menschen nicht in der Lage, subtile menschliche Emotionen und selbst einen gesunden moralischen Menschenverstand zu verstehen. Sie sind Egoisten und pathologische Egotisten, die versuchen andere Menschen dazu zu bringen, nach ihrem Verlangen zu denken und zu fühlen.
Als Resultat meiner langjährigen Erfahrungen bei der Beobachtung dieses Phänomens und meiner Versuche, es bis zurück zu seinen Anfängen zu verfolgen, teile ich mit anderen Forschen die Überzeugung, dass diese Anomalie über das X-Chromosom vererbt wird und dass sie nicht vom Vater auf den Sohn übertragen werden kann. Wenn die Mutter ein normales Chromosomenpaar aufweist, so ist der Sohn genotypisch frei. In manchen Fällen bedeutet dies eine wesentliche Information, so dass die Bestrafungen für die ‚Sünden der Väter‘ nicht auf die Söhne zutreffen. Die Töchter werden dann zu den Trägern und sie zeigen – häufig, doch nicht immer – so manchen pathologischen Charakterzug. Warum diese Pathologie nicht in allen dieser Menschen ausbricht, sollte Gegenstand weiterer Untersuchungen sein.
Der schizoide Psychopath kommt bei beiden Geschlechtern gleichermaßen verteilt vor. Dies deutet an, dass diese Anomalie autosomal übertragen wird. Sie kommt im Durchschnitt etwas häufiger vor als die essentielle Psychopathie, doch sie unterscheidet sich zwischen Rassen und Ethnien beträchtlich.
Das instinktive Substrat eines schizoiden Psychopathen agiert zur Gänze so, als ob es auf Treibsand stehen würde. Schizoide Psychopathen besitzen keinen natürlichen Sinn für psychologische Realitäten. Sie haben zwar einen effizienten Intellekt, doch dieser baumelt über einer verschwommenen Wahrnehmung der menschlichen Natur. Nichtsdestotrotz strebt und bemüht sich ihr Intellekt andauernd, großartige Doktrine und amoralische Strategien zu erschaffen, die so geschickt durchdacht sind, dass sie auf naive Personen, deren Intellekt nicht so gut ausgeprägt ist, suggestiv wirken. Schizoide Menschen und ihre Doktrine haben bei der Entstehung der großen makrosozialen Tragödien unserer Zeit den Anfang gemacht.
In familiären Beziehungen erzeugt der schizoide Psychopath bei seinen Partnern Mutlosigkeit und Depressionen. Die weniger intellektuellen Typen scheinen für weitere ausgeklügelte Intrigen leichte Werkzeuge zu sein. Wenn ihre Fehler in Urteil oder Assoziation in ernsthaften Schwierigkeiten münden, fallen sie sehr leicht in einen reaktiven Zustand, der sehr einer Schizophrenie gleicht.
Die asthenische Psychopathie ist die häufigste Form der Psychopathie. Es bestehen darüber Zweifel, ob alle symptomatisch ähnlichen Fälle für eine natürliche Gesetzmäßigkeit4 ausreichend ähnlich sind. Es hat den Anschein, dass einige asthenische Typen gewiss eine Rolle bei der Entstehung des Bösen gespielt haben, andere sich jedoch offenbar leichter an die Anforderungen des normalen sozialen Lebens anpassen können.
Skirtoidismus kommt ebenfalls bei beiden Geschlechtern vor. Diese Menschen sind emotional dynamisch, grobschlächtig und lassen ein Verständnis über subtile moralische Dinge vermissen. Die Männer sind sehr gute Soldaten, doch wenn ihre Energie nicht kanalisiert wird, werden sie äußerst egotistisch, sie werden zu kleineren Versionen des oben erwähnten ‚rechten Mannes‘. Sie missbrauchen ihre Frauen und Kinder und sind trotzdem ausreichend mit ihrem eigenen Wohlergehen beschäftigt, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.
Die alten Osteuropäischen Psychiater klassifizierten in ihrer Taxonomie auch
Debilität oder Salondebile5. Das ist eine qualitative Anomalie, die als
erblich und ähnlich der Schizoidität angesehen wird. Betroffene Menschen sind im
Allgemeinen gesittet, jedoch von einer oberflächlichen, schmeichelnden
Gesprächigkeit und einer Unfähigkeit, ernsthafte Angelegenheiten zu verstehen,
geprägt.
Ich habe nun die bekanntesten Arten der Psychopathien, mit denen auch ich vertraut bin, dargestellt. Verschiedene Hybridformen und seltenere Anomalien, ob bekannt, unbekannt oder unzureichend beschrieben, vervollständigen die Ansammlung, die in den Gesellschaften lauert. Es gibt in jeden Land der Welt eine solche Ansammlung (ihre Zusammensetzung variiert jedoch); sie macht 4% bis 9% der Gesamtbevölkerung aus.
Für eine Aussicht auf Umsetzung praktischer Handlungen in allen Bereichen, die dazu beitragen könnten, die Menschheit vor den Wirkungsweisen solch sozialer Erreger abzuschirmen, ist ein detailliertes Wissen über das Wesen all dieser Anomalien, besonders ihrer biologischen Eigenschaften, erforderlich. In meinem Fall waren die Möglichkeiten eines einzelnen Menschen, der unter schweren, ja unmöglichen Umständen diese Arbeit verrichtete, äußerst klein. Ich kann deshalb nur an andere Forscher appellieren, die Arbeit in diesem wichtigen Bereich zu fördern – für das Überleben der Menschheit.
Das Verständnis darüber, welche Arten von geistiger Abnormität bei jedem Prozess der Ponerogenese aktiv sind und auf welche Weise sie daran beteiligt sind, ist die Grundlage für effektive Gegenmaßnahmen. So ist beispielsweise solch ein Verständnis bei der Psychotherapie eines jeden Menschen entscheidend, dessen Weltsicht durch die Einflüsse einer pathologischen Persönlichkeit verformt wurde. Es erhöht die Erfolgsrate bei der Behandlung.
Ein weiteres Beispiel: wenn man versucht, jemanden, der unter dem Einfluss eines essentiellen Psychopathen steht (normalerweise, jedoch nicht immer Frauen), zu etwas zu überreden, dann schlägt dies im allgemeinen fehl. Wenn wir jedoch die Frage stellen. „Warum hat das Opfer die abnormale ‚Gefühls- und Gedankenwelt‘ des Psychopathen nicht sofort erkannt?“, dann erkennen wir sehr oft, dass es im Opfer Gedankengänge und Verhaltensweisen gibt, die durch einen frühen Einfluss eines anderen abnormen Menschen geprägt wurden, der normalerweise eine geistige Störung aufwies, die von Hirngewebsverletzungen herrührte. Dieser Punkt ist mir derart häufig aufgefallen, dass er besonderes Augenmerk und genaue Betrachtungen verlangt. Das wichtige dabei ist, dass erst nachdem diese Tatsache ans Tageslicht kommt, der Weg für eine effektive Psychotherapie bereitet ist.
Daraufhin kann der Psychotherapeut dem Patienten beistehen, ein volles Bewusstsein über diese schädlichen Einflüsse zu entwickeln und auch Mittel und Wege zu finden, diese Tendenzen zu überwinden oder sie aus ihrer oder seiner Persönlichkeit zu entfernen. Als Resultat kann der Patient wirksame Varianten des Fühlens und des Verstehens nicht nur seiner selbst, sondern auch anderer Menschen wieder erlernen.
Und so zeigt sich, wenn ein Patient vor gewissen Problemen steht, für die es keinen augenscheinlichen Grund zu geben scheint und der Psychotherapeut den fesselnden Einfluss eines Psychopathen in des Patienten Leben erkennt, dass es weitaus sinnvoller ist, wenn man sich dem Problem solcherart nähert und dabei gleichzeitig das verborgene Problem – den Einfluss des Psychopathen – löst. Denn dadurch lernt der Patient die Abnormität im Prozess der Selbstidentifikation zu erkennen.
Psychotherapeuten müssen raffiniert sein. Tatsächlich ist die Psychotherapie der erste Bereich, in dem die Ponerologie unmittelbar zur Anwendung kommt. Meiner Erfahrung nach führt das Verständnis der makrosozialen Elemente zu einem Verständnis von Gruppen- und Familienelementen, was zur Identifizierung und Implementation präziserer und effektiverer Korrekturmaßnahmen beiträgt. Solche Analysen können daraufhin eine länger anhaltende Neuorganisation der Persönlichkeit des Patienten bewirken und ihm helfen, seinen Verstand durch Selbstmanagement sein Leben lang zu bereichern. Weniger intelligente Patienten haben hier einige Schwierigkeiten. Trotzdem überzeugt mich meine eigene Erfahrung, dass das umfassende Studium der Ponerologie dem Studium der Psychologie beigefügt werden und zu den Arbeitsbereichen aller Psychotherapeuten gehören sollte.
An den Prozessen der Ponerogenese auf allen sozialen Ebenen – von individuellen
bis zu makrosozialen Phänomenen – sind die unterschiedlichsten mentalen Anomalien
beteiligt. Sie wirken innerhalb einzelner Menschen und schränken deren
Selbstkontrolle ein, oder sie agieren als traumatisierende oder faszinierende
Einflüsse auf andere Menschen, besonders auf die Jugend, und zerstören deren
Persönlichkeiten und Weltsichten. Die Suche nach und innerhalb dieser
vielschichtigen Prozesse der Ponerogenese ist Aufgabe und Kernthema unserer
Wissenschaft. Die Wissenschaft der Ponerologie erfüllt die Anforderungen des
medizinischen Prinzips: Ignoti nulla curatio morbi. Versuche nicht
zu heilen, was du nicht verstehst.
Allgemein ausgedrückt untermauern die Resultate der Wissenschaft der Ponerologie so manche Überzeugung antiker Moralphilosophen. Sie bestärkt deren Werte durch naturalistische Schlussfolgerungen. Wenn Fakten genutzt werden, die bis dato noch nicht betrachtet oder erst in den letzten paar Dekaden entdeckt wurden, erlaubt uns die Wissenschaft der Ponerologie viele rätselhafte und mysteriöse Probleme des Lebens zu verstehen und zu lösen. Dazu gehören auch solche Probleme, die einzelne Menschen, Familien, Gemeinschaften und Nationen plagen. Diese Wissenschaft könnte in naher Zukunft solch historische Tragödien zu vermeiden helfen, wie sie im letzten Jahrhundert geschehen sind.
Die ponerologische Annäherung an Psychologie und Psychotherapie könnte auch detaillierte Korrekturen der Ethik zur Folge haben. Indem die wahren Ursachen und die verworrenen Abläufe der Ponerogenese durchschaut werden, bringt die Ponerologie einen Sortiermechanismus in die psychologischen und psychopathologischen Aspekte makrosozialer Probleme mit ein, die zu jeder Zeit beachtet werden müssen. Deshalb können traditionelle, rein moralische Interpretationen des Bösen als archaische und veraltete Reste einer unwissenschaftlichen Vergangenheit angesehen werden. Dafür gibt es einen guten Grund, da moralisierende Interpretationen keine ausreichend effektiven Gegenmaßnahmen und auch keine Neutralisation des Bösen erlauben, das heute mit der einen Maske in Erscheinung tritt und morgen mit einer anderen. Wir können deshalb auch sagen, dass rein ethische Argumentationen, ohne den wissenschaftlichen Beitrag der Ponerologie, ebenfalls als unmoralisch anzusehen waren und sind. Doch dies ist seit Jahrtausenden so. Um diese lange Tradition zu überwinden, müssen wir mit dem Widerstand der Philosophen rechnen; doch das ist unsere Pflicht.
Die Ponerologie scheint für viele Bereiche der Wissenschaft und der Praxis sehr vielversprechend zu sein. Eine solche Neuinterpretation der dramatischen Ereignisse der Geschichte, sowohl der lange vergangenen als auch der jüngeren, kann die trockenen Erzählungen der Historiker mit einem lebendigen Bild der wahren Dynamik versehen, das uns über die realen Gründe aufklären und uns so neue Möglichkeiten aufzeigen kann, wie wir die Entstehung des Bösen verhindern, oder zumindest mit den daraus entstandenen Ergebnissen besser umgehen können. Die Geschichte der Menschheit verlangt nach einem nochmaligen Lesen und einer Neubetrachtung durch Historiker, die in der Wissenschaft der Ponerologie bewandert sind.
Ponerologie ist im Schmelztiegel von Versuchen entstanden, ein makrosoziales Phänomen wissenschaftlich zu verstehen, das nur als extremes und exzessives Böses bezeichnet werden kann: Faschismus und Sowjetkommunismus. Nach einer Zeit intellektuellen Elends, als sich die angewandte Sprache der Sozialwissenschaften als unzureichend herausstellte, um die erlebten Erfahrungen ausdrücken zu können, wurde klar, dass die erste Notwendigkeit darin bestand, einen neuen Wissenschaftszweig und eine neue Sprache zu entwickeln, um damit passende Kategorien und eine adäquate Nomenklatur zu besitzen, die mit etwas dieses Umfangs umzugehen imstande waren. Diese Entwicklung führte schließlich zu den adäquaten Antworten und zur Ausarbeitung der korrekten wissenschaftlichen Beschreibungen der wahren Natur des Phänomens. Dieses makrosoziale System wies all die Charakteristika eines extrem pathologischen Menschen auf, wie ich es im vorliegenden Buch beschrieben habe. Mir war bewusst, dass ähnliche Phänomene immer wieder in der Geschichte der Menschheit aufgetreten sind, in unterschiedlichem Ausmaß und unter unterschiedlichen historischen Umständen. Sie wurden immer in die Gesellschaft eingeschleust – ähnlich einem trojanischen Pferd – und ummantelten die jeweilige Ideologie einer idealistischen heterogenen sozialen Bewegung. Das ist auch heute noch der Fall.
In vielen Ländern half der Rechtsstaat der Gesellschaft, mit diesen Pathologien bis zu einem gewissen Ausmaß umzugehen. Doch ohne → objektive Prämissen und Ziele, die auf den Prinzipien beruhen, die durch die Wissenschaft der Ponerologie dargestellt werden, kann das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit nur zufällig wirken – durch Versuch und Irrtum. Dies wird solange so sein, bis die Rechtsgrundsätze durch die Wissenschaft der Ponerologie bestärkt werden. Doch diese Veränderung wird nicht leicht zu schaffen sein! Die Nutzung dieser Wissenschaft und ihre Erkenntnisse werden in den Köpfen traditioneller Juristen ein Erdbeben verursachen. Die Ausarbeitung eines verbesserten Rechtssystems wird sehr viel Arbeit bedeuten, die rechtzeitig fertiggestellt sein muss. Es werden neue Wege und neue Methoden benötigt, wie das Böse in der Gesellschaft bekämpft werden kann. Ein reines Bestrafungsmodell ist nicht ausreichend. Es müssen effektive Mittel gefunden werden, wie mit der Entstehung des Bösen umzugehen ist!
Wie gehen wir es an?
Zuerst muss die gesamte Psychologie neu gestaltet werden. Dazu müssen in allen Bereichen, wo Psychologie angewandt wird – also in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen – entsprechende Geldmittel zur Verfügung gestellt werden. Dann muss diese Wissenschaft und ihre Nützlichkeit der gesamten Gesellschaft bekanntgemacht werden. Sie sollte gemeinsam mit den nötigen Informationen über Pathologien und einem Überblick über die makrosozialen Konsequenzen an Universitäten gelehrt werden. Durch diese Popularisierung der wahren Psychologie wären die Fähigkeiten der Menschen und Gemeinschaften zu besseren Entscheidungen in ihren Leben und bei ihren Vorhaben gestärkt. Ein Basiswissen über die wahre Natur des Bösen – dass sie wissenschaftlich erkannt werden kann – würde die Menschen beim Umgang mit anderen Personen und in ihrem ganzen Leben umsichtiger machen.
Solch ein popularisierter Hintergrund ist für die Entwicklung der Wissenschaft und ihrer vielfältigen sozialen Anwendungen notwendig. Gemeinschaften, die Werte und Ideen der Ponerologie verstehen, werden die Realisierung der für den Umgang mit der sozialen Pathologie nötigen Veränderungen unterstützen. Wenn Ponerologie populär ist, kann sie die Entwicklung einer ‚eugenischen Moral‘ ermöglichen, die freiwillige Bemühungen inspirieren könnte, an der Reduktion der Last von genetisch übertragenen psychopathologischen Anomalien beizutragen, damit sie von Generation zu Generation abnehmen kann. Die Naivität der Frauen – die aufgrund des Fehlens akkuraten psychologischen Wissens entsteht – ist ein Hauptgrund für die steigende Anzahl genetischer Psychopathen, die heutzutage und in den letzten 50 Jahren geboren wurden und werden.
Dabei ist von ausschlaggebender Wichtigkeit, den Wert der Wissenschaft der Ponerologie zur Gänze zu verstehen. Dies gilt auch für die vielen Anwendungsgebiete, die für eine friedliche Zukunft und eine menschliche Menschheit zu bearbeiten sind. Diese Wissenschaft erlaubt dem menschlichen Verstand Dinge zu verstehen, die seit Jahrtausenden unfassbar waren: die Genesis des Bösen. Dieses Verständnis könnte einen Wendepunkt in der Geschichte der Zivilisation hervorbringen, die – das sollte ich hinzufügen – sich derzeit bereits nahe der Selbstzerstörung befindet.
Deshalb ersuche ich Sie: Seien Sie nicht über den immensen Umfang dieser Aufgabe entmutigt! Nehmen Sie es als schrittweise Arbeit und als Hoffnung, dass viele Menschen helfen werden und dadurch Fortschritt gesichert ist.
Es hat den Anschein, dass in der natürlichen Ordnung der Dinge jene Personen, die am stärksten unter Psychopathen oder Trägern anderer geistiger Anomalien gelitten haben, sich für diese Arbeit berufen fühlen und diese Last akzeptieren. Wenn Sie dies tun, meine Damen und Herren, dann akzeptieren Sie Ihr Schicksal mit offenem Herzen, Demut und einer gehörigen Portion Humor. Begrüßen Sie die Unterstützung des großen universellen Geistes und vergessen Sie nicht, dass durch großes Leid oft große Werte entstehen.
Dr. Andrzej M. Łobaczewski
Rzeszów, Polen, 24. August 2006
Weiter zum Literaturverzeichnis…
Im Jahre 1948 höre in der UdSSR die Genetik auf zu existieren… Die Vererbung erlangter Charakterzüge wurde Gesetz.. Viel später sagte Chruschtschow zu Lysenko: „Sie und Ihre Experimente können auf den Mond fliegen“, und ab 1970 war die UdSSR wieder an der wissenschaftlichen Welt der Genetik beteiligt.
Lysenko war ein Spiegelbild der Ansichten, die um 1930 in Deutschland und auch anderorts hochgehalten wurden: dass Gene für alles verantwortlich sind. Von Hitler ist bekannt, dass er ein Buch über menschliche Genetik gelesen hatte und dass sehr viele Experten an den Auslöschungen beteiligt waren, die danach als 'Rassenhygiene' bezeichnet wurden. Auf jene Menschen aus zu sein, die die besten Gene besitzen und jene mit den schlechtesten auszulöschen, war der einzige Weg, die Gesellschaft zu verbessern. Doch auch diese Idee bestand den Test der Geschichte nicht. [Stephens Jones, In the Blood, Harper Collins, 1995] (Anmerkung des Herausgebers)
FUßNOTEN
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Nirgendwo war der Konflikt zwischen Anlage und Umwelt stärker ausgeprägt, als in der Sowjetunion. Aus ideologischen Gründen wurden 25 Jahre lang keine Fortschritte in der Genetik gemacht. Die Marxisten konnten nicht akzeptieren, dass manche Eigenschaften nicht durch menschliche Eingriffe geändert werden können, weil sie biologisch einkodiert sind… Marx bestand darauf, dass sich der Mensch dadurch ändern könnte, indem die Gesellschaft geändert wird; wenn die Revolution einmal erfolgreich umgesetzt sei, dann entstünde eine neue, eine bessere Menschheit. Im Kern war dies bereits eine Theorie über Vererbung. Der Prozess der Schaffung eines neuen Menschen war in der Sowjetunion weiter als irgendwo sonst entwickelt. Die Massen hatten hatten den ersten Fünfjahresplan schon in vier Jahren erfüllt und dabei Millionen Kulaks und Intellektuelle – alles → Räuber und Saboteure – vernichtet.
Die Ideologie, samt ihren vorgetäuschten Experimenten, hatte katastrophale Auswirkungen. Im Jahre 1942 behauptete Trofim Lysenko, dass Winterweisen (der üblicherweise an Plätzen gedeiht, wo das Klima ausreichend mild ist), wenn er in Sibirien auf den Stoppelfeldern des Sommerweizen gepflanzt werde, selbst der härtesten Winter überstehen würde. Diese ‚Vernalisation‘ des Weizens (die schlichtweg nicht funktionierte) wurde den Bauern aufgezwungen und führte zu einer Hungersnot.zurück
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Salekin, Trobst und Krioukova, Construct Validity of Psychopathy in a Community Sample: A Nomological Net Approach, Journal of Personality Disorders, 15(5), (2001) 425-441.zurück
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Zwischenhirnzurück
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Nach den Naturgesetzen. Eine deduktive-nomologische Erklärung ist eine formale Methode der Erklärung, basierend auf Tests einer Hypothese, die sich aus allgemeinen Gesetzmäßigkeiten ableitet. (Anmerkung des Herausgebers)zurück
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Im Deutschen Volksmund auch ‚Dorftrottel‘ (Anmerkung des Herausgebers)zurück
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