POLITISCHE PONEROLOGIE
Kapitel 9
Therapie für die Welt
Seit Jahrhunderten hat man versucht, verschiedene Krankheiten mit einem naiven Verständnis und auf Basis von Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, zu behandeln. Dies erwies sich als durchaus effektiv. In vielen Fällen konnten dadurch positive Ergebnisse erreicht werden. Indem die traditionelle Medizin durch die neue, moderne Medizin ersetzt wurde, verschlechterte sich zunächst die soziale Gesundheit in Europa. Viele Krankheiten, gegenüber welchen die traditionellen Heilmethoden hilflos waren, konnten jedoch erst mit Hilfe der modernen Medizin besiegt werden. Dies deshalb, da das naturalistische Verständnis einer Krankheit und ihrer Ursachen die Grundlage für die Entwicklung von Gegenmitteln schufen.
In Bezug auf das hier besprochene Phänomen liegt unsere Situation ähnlich. Der Gesundheitszustand der europäischen Nationen verschlechtert sich. Wir haben die traditionellen sozio-moralischen Organisationen hinter uns gelassen, jedoch noch keine wertvollere Wissenschaft entwickelt, die die entstandene Lücke füllen könnte. Aus diesem Grund benötigen wir neue, fundierte Kriterien, die als Basis für eine analoge Disziplin mit einer beständigen Struktur dienen kann; gleichzeitig würde dies ein dringend benötigtes Bedürfnis in unserer heutigen Welt befriedigen.
Nach heutigem Verständnis wird eine effektive Behandlung einer Krankheit erst dann möglich, wenn ihre Essenz, ihre Ursachen, ihre Auswirkungen und ihr pathodynamischer Krankheitsverlauf in Organismen mit unterschiedlichen biologischen Eigenschaften verstanden wurde. Wenn dieses Wissen einmal erlangt wurde, ist das Finden der richtigen Behandlungsmethoden im Allgemeinen eine weniger komplizierte und weniger gefährliche Aufgabe. Für Ärzte stellen Krankheiten ein interessantes, ja sogar faszinierendes biologisches Phänomen dar. Sie nehmen häufig das Risiko des unmittelbaren Kontakts mit ansteckenden pathogenischen Faktoren und den eigenen Tod in Kauf, um das Leiden so zu verstehen, dass sie Menschen davon heilen können. Dank dieser Herangehensweise erhalten sie die Möglichkeit, eine Behandlung an den Wurzeln einer Krankheit zu entwickeln und menschliche Organismen künstlich dagegen zu immunisieren. Aus diesem Grund ist die Gesundheit eines Arztes heutzutage besser geschützt als früher, er sollte jedoch niemals für den Patienten oder seine Krankheit Mitleid empfinden.
Wenn wir einem makrosozialen pathologischen Phänomen gegenüberstehen, müssen wir auf ähnliche Weise vorgehen wie die moderne Medizin. Dies gilt ganz besonders für die Heilung von Krankheiten, die sich schnell unter der Bevölkerung verbreiten. In diesem Fall verlangt es das Gesetz, dass auch gesunde Menschen die nötigen rigorosen Massnahmen befolgen. Es ist ebenfalls wichtig aufzuzeigen, dass Personen und politische Organisationen mit einer linken Weltanschauung im Allgemeinen eine beständigere Haltung in dieser Angelegenheit zeigen und entsprechende Opfer im Namen des Allgemeinwohl fordern.
Wir müssen uns auch darüber bewusst sein, dass das Phänomen, dem wir gegenüberstehen, analog jener Krankheiten verläuft, die von der alten traditionellen Medizin nicht geheilt werden konnten. Um diesen Umstand zu überwinden, müssen wir deshalb neue Wege beschreiten, die auf einem Verständnis des Wesens und der Ursachen des pathokratischen Phänomens beruhen, die also nach Prinzipien funktionieren, die analog der heutigen modernen Medizin entwickelt werden. Der Weg zum Verständnis des Phänomens war auch viel schwieriger und gefährlicher als jener, der von diesem Verständnis aus zu naturalistischen, moralisch gerechtfertigten und korrekt angewandten therapeutischen Massnahmen führte. Diese Methoden sind grundsätzlich möglich und durchführbar, da sie sich aus einem Verständnis des Phänomens per se ableiten und zu einem Teil desselben werden. Bei dieser „Krankheit“, wie sich in vielen Fällen der Behandlung durch Psychotherapeuten zeigte, beginnt die Heilung der menschlichen Persönlichkeiten bereits mit dem Verständnis alleine. Der Autor kann das durch seine Praxis in vielen Fällen bestätigen. Es zeigt sich auch, dass viele bekannte Ergebnisse von Experimenten gleichermaßen geeignet sind.
Die Unzulänglichkeit der Bemühungen, die auf besten moralischen Werten beruhen, wurde nach Jahren der Ablehnung, in denen das neue Wissen wie ein Gummiball von einer Wand abprallte, zu Allgemeinwissen. Die mächtigen Waffen der Militärs, die die gesamte Menschheit in Gefahr bringen, können andererseits als so unnötig wie eine Zwangsjacke angesehen werden, als etwas, dessen Nutzung im Verhältnis zu den verbesserten Fähigkeiten im Verhalten von Personen, die in der Kunst des Heilens bewandert sind, abnimmt. Wir benötigen Massnahmen, die alle Menschen und alle Nationen erreichen können und die mit den erkannten Ursachen großer Krankheiten arbeiten.
Solche therapeutischen Massnahmen können nicht auf das Phänomen der Pathokratie beschränkt sein. Eine Pathokratie wird immer auf positive Reaktionen stoßen, wenn ein unabhängiges Land mit einem fortgeschrittenem Stadium der Hysterisation infiziert ist, oder wenn eine kleine privilegierte Klasse andere Bürger unterdrückt und ausbeutet, sie in den Hintergrund drängt und im Dunklen belässt. Dann kann jeder, der bereit ist die Welt zu behandeln, verfolgt und sein moralisches Recht zu Handeln hinterfragt werden. Das Böse in der Welt besteht aus einem Kontinuum: Eine Form des Bösen bereitet den Weg für eine andere Form des Bösen, unabhängig seiner qualitativen Essenz oder seiner ideologischen Parole, die es tarnt.
Es wird auch unmöglich, wirksame und effektive therapeutische Maßnahmen zu finden, wenn der Verstand der Personen, die sich eine solche Aufgabe vorgenommen haben, von der Tendenz zu konversivem Denken beeinträchtigt ist. Dies beispielsweise bei unterbewusstem Auswählen und Ersetzen von Fakten oder wenn eine Doktrin verpflichtend wird, die eine objektive Wahrnehmung der Realität verhindert. Ganz besonders blockiert eine politische Doktrin, für die ein makrosoziales pathologisches Phänomen in Übereinstimmung mit ihrer bedeutenden Ideologie zu einem Dogma wurde, ein Verständnis über ihr wahres Wesen so gut, dass zweckgerichtete Handlungen unmöglich werden. Jeder der sich einer solchen Aufgabe verschreibt, sollte sich zuvor entsprechenden Kontrollen oder sogar einer Art Psychotherapie unterziehen, um damit jegliche Tendenzen zu auch nur dem Anflug von ungenauem Denken zu eliminieren.
Wie jede gute Behandlung muss auch die Therapie für die Welt zwei grundlegende Ansprüche aufweisen: Die allgemeinen Abwehrkräfte der menschlichen Gemeinschaft müssen gestärkt werden und diese höchst gefährliche Krankheit muss angegriffen werden, wenn möglich etiotropisch. Wenn man alle Aspekte in Betracht zieht, auf die im Kapitel „Ponerologie“ theoretisch eingegangen wird, sollte das therapeutische Augenmerk auf die bekannten Faktoren bei der Entstehung des Bösen gelegt werden. Ebenso sollten die Prozesse der Ponerogenese selbst der Kontrolle wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bewusstseins unterzogen werden.
Gegenwärtige Bemühungen, moralischen Daten alleine zu vertrauen - egal wie ernsthaft sie wahrgenommen wurden - erweisen sich als gleichermaßen unpassend, wie wenn dieses Vorhaben nur mit den in diesem Buch enthaltenen Informationen, ohne der nötigen moralischen Unterstützung, unternommen wird. Die Vorgehensweise eines Ponerologen ist hauptsächlich von den naturalistischen Aspekten des Phänomens geprägt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die traditionellen Aspekte an Wert verlieren. Deshalb sollten Bemühungen um ein Leben der Nationen mit den nötigen moralischen Werten die zweite Flanke bilden, die parallel und von den naturalistischen Prinzipien rational unterstützt wirken.
Die heutigen Gesellschaften wurden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in einen Zustand moralischer Rezession gedrängt. Sie aus diesem Zustand wieder herauszuführen ist eine allgemeine Pflicht dieser Generation und dies sollte auch grundsätzlich der Hintergrund für alle Aktivitäten sein. Als grundlegende Positionierung sollte die Absicht der Erfüllung des Gebotes „Liebe Deinen Nächsten“ dienen, einschließlich jener, die bereits etwas wirklich Böses getan haben. Selbst wenn dies bedeutet, dass zum Schutz Anderer prophylaktische Maßnahmen ergriffen werden müssen. Ein so großes therapeutisches Vorhaben kann nur dann durchgeführt werden, wenn wir dies mit ehrlichster Kontrolle unseres moralischen Bewusstseins durchführen, mit Mäßigung in unserer Wortwahl und Bedachtsamkeit bei unseren Handlungen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Ponerologie ihren praktischen Nutzen bei der Erfüllung dieser Aufgabe zeigen. Menschen und Werte werden dabei reifen. Deshalb ist eine Synthese traditioneller moralischer Lehren mit diesem neuen naturalistischen Ansatz nur mit durchdachtem Verhalten möglich.
Wahrheit ist ein Heiler
Es wäre schwierig, die Aussagen der vielen berühmten Autoren zur Rolle der Psychotherapie bei der Bewusstwerdung eines Menschen und über die Inhalte seines Unterbewusstseins zusammenzufassen. Der eine Patient steckt in permanenten, schmerzvollen Mühen, weil er sich fürchtet, der unangenehmen Wahrheit ins Auge zu blicken, ein anderer hat nicht ausreichend objektive Information zur Verfügung, um korrekte Schlussfolgerungen zu ziehen und wieder ein anderer ist zu stolz um einzusehen, dass er sich absurd verhalten hat. Diese Bereiche werden von Spezialisten sehr gut verstanden, und darüber hinaus sind sie auch bereits hinreichend zu Allgemeinwissen geworden.
Bei jeder Methode oder Technik der analytischen Psychotherapie, oder autonomen Psychotherapie, wie sie Thomas Szasz1 nannte, ist die leitende operative Motivation, alles ins Bewusstsein zu bringen, was durch ein unterbewusstes Ersetzen von Daten unterdrückt oder angesichts intellektueller Probleme aufgegeben wurde. Dies ist von einer Desillusionierung der ersetzten Rationalisierungen begleitet, deren Bildung üblicherweise in Relation zur Menge der verdrängten Informationen steht.
In vielen Fällen stellt sich heraus, dass die ängstlich aus dem Bewusstsein eliminierten und oft durch offenbar weitaus angenehmere Assoziationen ersetzten Informationen niemals solch gefährliche Resultate gehabt hätten, wenn von Anfang an der Mut vorhanden gewesen wäre, sie bewusst zu betrachten. Wir würden dann in der Lage gewesen sein, eine unabhängige Lösung und häufig auch einen kreativen Ausweg aus der Situation zu finden.
In manchen Fällen jedoch, besonders wenn wir es mit Phänomenen zu tun haben, die innerhalb der Kategorien unserer natürlichen Weltsicht sehr schwierig zu verstehen sind, verlangt ein Hinausführen des Patienten aus seinen Problemen, dass er mit ausschlaggebenden objektiven Informationen, üblicherweise aus den Bereichen der Biologie, der Psychologie und der → Psychopathologie ausgestattet wird und ihm gewisse besondere Abhängigkeiten aufgezeigt werden, die er zuvor nicht verstehen konnte. Ab diesem Punkt beginnen bei der psychotherapeutischen Arbeit Instruktionen zu dominieren. Schließlich benötigt der Patient diese zusätzlichen Informationen, um seine zerschlagene Persönlichkeit wiederherzustellen und eine neue, der Realität angemessenere Weltsicht zu bilden. Erst danach können wir uns den traditionelleren Methoden zuwenden. Wenn unsere Handlungen zum Wohle jener Menschen gesetzt werden sollen, die weiterhin im Einfluss eines pathokratischen Systems verbleiben, dann ist eine solche Vorgehensweise die Geeignetste; die objektiven Informationen, die dem Patienten zugeführt werden, müssen aus einem Verständnis des Wesens des Phänomens entstammen.
Wie bereits gesagt war der Autor in der Lage, die Funktionsweisen eines solchen Prozesses zu beobachten. Er konnte sehen, wie einzelne Patienten, die durch den Einfluss pathokratischer sozialer Umstände neurotisch waren, über die Essenz und die Wirkungsweisen des makrosozialen Phänomens in Kenntnis gesetzt und bewusst gemacht wurden. In von solchen Regierungen beherrschten Ländern ist nahezu jeder normale Mensch auf die eine oder andere Art und in unterschiedlichem Ausmaß neurotisch. Denn letzten Endes ist eine Neurose die normale menschliche Reaktion auf ein aufgezwungenes pathologisches System.
Trotz der Besorgnis, die bei solch mutigen psychotherapeutischen Massnahmen notwendigerweise auf beiden Seiten besteht, nahmen meine Patienten die vorgehaltenen objektiven Informationen sehr schnell auf, ergänzten sie durch eigenen Erfahrungen und verlangten nach weiteren Informationen und Bestätigungen der Einsatzmöglichkeiten dieser Daten. Bald danach wurden ihre Persönlichkeiten spontan und kreativ wiederhergestellt. Dieser Prozess war von einem ähnlich verlaufenden Wiederaufbau ihrer Weltsicht begleitet. Die anschließende Psychotherapie leistete nur mehr regelmäßige Hilfestellungen in diesem immer autonomer verlaufenden Prozess und bei der Lösung individueller Probleme, also bei den eher traditionellen Aufgaben. Diese Menschen verloren ihre chronischen Spannungen. Ihre wahrgenommene Sicht auf die abweichende Realität wurde immer realistischer und mit Humor gewürzt. Ihre Fähigkeiten ihre eigene psychologische Hygiene zu erhalten und sich selbst zu therapieren und erziehen waren besser und stärker als erwartet. Im alltäglichen Leben wurden sie weitaus einfallsreicher und sie konnten anderen Leuten mit gutem Rat beiseite stehen. Leider war die Anzahl solcher Menschen, denen ein Psychotherapeut vertrauen konnte, sehr gering.
Auf makrosozialer Ebene sollten ähnliche Effekte erzielt werden können. Unter den gegenwärtigen Umständen sollte dies auch technisch machbar sein. Wenn dies auf breiter Basis umgesetzt wird, wird es zwischen solcherart erhellten Leuten einen spontanen Dialog und eine soziale Multiplikation des therapeutischen Phänomens freisetzen. Dadurch wird eine qualitativ neue und höchstwahrscheinlich ziemlich stürmische soziale Reaktion entstehen. Wir sollten darauf vorbereitet sein, um die Menschen beruhigen zu können. Schließlich wird ein allgemeines Gefühl der Entspannung die Folge sein und der Sieg der korrekten Wissenschaft über das Böse. Dieses Ergebnis kann nicht verbal negiert werden, auch physische Gewalt wird bedeutungslos. Durch die Anwendung von Massnahmen, die sich so grundlegend von allem bislang Getroffenem unterscheiden, wird ein „Endzeit“ - Gefühl entstehen. Das Ende der Zeit, indem das makrosoziale Phänomen entstehen und sich entwickeln konnte. Doch nun stirbt es. Normale Menschen werden dabei ein wohliges Gefühl verspüren.
Bei dieser vorgeschlagenen globalen Psychotherapie machen zusätzliche objektivierte Informationen im Form eines naturalistischen Verständnisses des Phänomens den Kernpunkt aus. Aus diesem Grund sind in diesem Buch die wichtigsten Fakten zusammengefasst, die der Autor in der Lage war zu sammeln und hier in zum Teil vereinfachter Form darzustellen. Es stellt zweifellos nicht die Gesamtheit des benötigten Wissens dar; weitere Ergänzungen sind vonnöten. Andererseits habe ich Methoden nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt, die vielen Spezialisten bekannt sind und die bereits in der Praxis ihre Anwendung finden, da dies ansonsten zu einer Mehrfachdarstellung dieser Therapieformen geführt hätte.
Der Zweck dieser Vorgangsweise ist das Wiedererlangen der Fähigkeiten der Welt, ihren gesunden Menschenverstand zu nutzen und Weltsichten wiedereinzugliedern, die auf wissenschaftlich objektiven und entsprechend bekannt gemachten Fakten beruhen. Das so geschaffene Bewusstsein entspräche weit mehr der bislang unverstandenen Realität. Als Resultat wird der Mensch bei seinen alltägliche Aktivitäten sensibler und bei der Lösung seiner Lebensprobleme unabhängiger und kreativer. Er wird sich auch sicherer fühlen. Diese Aufgabe ist aber nichts Neues; sie bestimmt das tägliche Leben eines guten Psychotherapeuten. Das Problem ist eher technischer als theoretischer Natur: Wie können diese so dringend benötigten Information überall in der Welt verbreitet werden?
Jeder Psychotherapeut muss auf Schwierigkeiten vorbereitet sein, die durch den psychologischen Widerstand entstehen, der sich aus hartnäckigen Verhaltensweisen und Überzeugungen ableitet, deren fehlende Grundlagen im Zuge der Therapie offengelegt werden. Besonders wenn es sich um eine größere Gruppe handelt wird dieser Widerstand auffällig manifest. Wir finden jedoch unter den Mitgliedern einer solchen Gruppierung auch Verbündete, die uns helfen diesen Wiederstand zu durchbrechen. Um uns dies vor Augen zu führen, wollen wir uns nochmals dem Beispiel der Familie N. zuwenden, wo etwa ein Duzend Personen gemeinsam einen liebenswürdigen und intelligenten Dreizehnjährigen zum Sündenbock machten.
Ich erklärte den Onkeln und Tanten, dass sie sich jahrelang unter dem Einfluss einer psychologisch abnormen Person befunden haben, deren Wahnideen für sie die Realität ausmachte. Ich teilte ihnen mit, dass sie an deren Rachsucht an dem Knaben teilgenommen haben, dem die Schuld für die Misserfolge der abnormen Person in die Schuhe geschoben wurde, inklusive jener, die schon Jahre vor der Geburt des Dreizehnjährigen geschehen sind. Als ich ihnen das erklärte, erstickte der Schock kurzfristig ihre Empörung. Es gab in der Folge keine Angriffe, wahrscheinlich deshalb, weil es in meiner Praxis in einer öffentlichen Klinik geschah und ich durch meinen weißen Kittel geschützt war, den ich in unsicheren Situation immer anzog. Es wurden mir deshalb nur verbale Drohungen angetragen. Eine Woche später jedoch kamen sie - einer nach dem anderen - blass und reumütig zurück und boten ihre Kooperation bei der Wiederherstellung der Familiensituation und Hilfe für die Zukunft des unglücklichen Jungen an.
Viele Menschen erleiden einen unvermeidbaren Schock, wenn sie über einen solchen Umstand informiert werden. Sie reagieren mit Opposition, Protest und der Auflösung ihrer menschlichen Persönlichkeit, wenn ihnen klar wird, dass sie unter dem fesselnden und traumatisierenden Einfluss eines makrosozialen Phänomens gestanden sind, unabhängig ob sie dessen Anhänger oder Gegner waren. Es entsteht durch die Tatsache, dass die Ideologie in ihrer Wertigkeit nun zweitrangig ist, in vielen Menschen ängstlicher Protest. Denn diese Menschen haben die Ideologie entweder verdammt oder auf eine Weise akzeptiert - in jedem Fall wurde sie als Leitmotiv betrachtet.
Der lauteste Protest kommt von jenen, die sich selbst als anständige Menschen fühlen, da sie dieses makrosoziale Phänomen mit literarischem Talent verdammt und ihre Stimmen erhoben haben. Sie benutzten dazu den Namen der Ideologie und auch exzessive moralisierende Interpretation in Bezug auf das pathologische Phänomen. Sie zur Apperzeption eines korrekten Verständnisses der Pathokratie zu drängen kommt einer Sisyphusarbeit gleich, da sie sich der Tatsache bewusst werden müssen, dass ihre Bemühungen weitestgehend Zielen gedient haben, die das genaue Gegenteil ihrer Absichten sind. Besonders wenn sie sich professionell mit entsprechenden Aktivitäten befasst haben ist es praktischer, die entstehenden Aggressionen zu vermeiden. Man kann solche im Allgemeinen älteren Personen sogar als zu alt für eine Therapie ansehen.
Die Weltsicht von Menschen zu verändern, die in Ländern mit normalen menschlichen Systemen leben, erweist sich als noch beschwerlichere Aufgabe, da diese weit egotistischer den ihnen seit der Kindheit suggerierten Vorstellungen nachhängen. Dadurch ist es für sie weit schwieriger, sich mit der Tatsache anzufreunden, dass es Dinge gibt, die ihr natürliches Konzeptsystem nicht aufnehmen kann. Sie besitzen auch nicht die speziellen Erfahrungen, die von Menschen, die jahrelang in pathokratischen Systemen lebten, gemacht werden konnten. Wir müssen deshalb mit Widerständen und Angriffen jener Menschen rechnen, die ihre Existenzgrundlagen, Stellungen in der Gesellschaft und ihre Persönlichkeiten vor unangenehmen Auflösungserscheinungen beschützen und verteidigen. Indem wir eine solche Entfremdung unterlassen, müssen wir mit entsprechenden Reaktionen der Mehrheit der Menschen rechnen.
Eine solche Psychotherapie wird in Ländern unterschiedlich akzeptiert werden, in welchen die Gesellschaft normaler Menschen bereits soliden Widerstand gegenüber pathokratischer Herrschaft geschaffen hat und diesen vorhält. Jahrelange Erfahrung, praktische Vertrautheit mit dem Phänomen und psychologische Immunisierung haben einen fruchtbaren Boden geschaffen, auf dem die Saat objektiver Wahrheit und naturalistischen Verständnisses wachsen kann. Eine Erklärung des Wesens des makrosozialen Phänomens wird wie eine verspätete Psychotherapie betrachtet werden, die bedauerlicherweise viel früher stattfinden hätte sollen (und dem Patienten viele Irrtümer erspart hätte), jedoch trotzdem sehr nützlich ist, da sie → Ordnung und Entspannung hervorruft und in der Folge überlegte Handlungen erlaubt. Solche Informationen, die dort bereits über schmerzhafte Prozesse akzeptiert wurden, werden mit den bereits gemachten Erfahrungen assoziiert werden. In einer solchen Welt wird es keine egoistisch oder egotistische inspirierten Proteste geben. Der Wert einer objektiven Weltsicht wird viel schneller geschätzt werden, da er eine Grundlage für vernünftige Maßnahmen bildet. Kurz darauf wird das Gefühl von Realität, durch die Wahrnehmung der umgebenden Welt, von einem Sinn für Humor begleitet und beginnen, die Menschen für die gemachten und überlebten Erfahrungen zu entschädigen - für die Auflösung ihrer menschlichen Persönlichkeiten, die durch eine solche Therapie entsteht.
Diese Auflösung der früheren Weltsicht wird das kurzzeitige Gefühl einer unangenehmen Leere entstehen lassen. Therapeuten ist die darauf folgende Verantwortung wohl bekannt, diese Leere so schnell wie möglich mit Informationen zu füllen, die glaubhafter und vertrauenswürdiger als die bisherigen Inhalte sind und auf diese Weise dazu beitragen, primitive Methoden der Neuintegrierung der Persönlichkeit zu vermeiden. In der Praxis zeigt sich, dass am Besten die Angst des Patienten minimiert wird, indem Versprechungen über den Fortschritt eines Patienten gemacht werden, dass objektivierte Informationen in Form von wahren Fakten diese Leere schnell ersetzten werden. Dieses Versprechen muss daraufhin unter teilweiser Vorwegnahme der auflösenden Zustände eingehalten werden. Ich habe diese Technik erfolgreich bei einzelnen Patienten getestet und rate zu ihrer Anwendung auf breiter Basis. Sie ist sicher und effektiv.
Bei Menschen, die bereits eine natürliche psychologische Immunität entwickelt haben, ist die Anwendung aufgrund ihres erhöhten, durch ein Bewusstsein über die Essenz der Pathokratie erlangten, Widerstandes gegen die destruktiven Einflüsse der Pathokratie von geringerer Bedeutung, jedoch nicht wertlos, da sie zu einer noch besseren Immunität führt und zu geringeren Belastungen in Bezug auf nervöse Spannungen. Jene zögerlichen Menschen jedoch, die die gut situierte neue Mittelklasse ausmachten, werden die immunisierenden Aktivitäten mit einem Bewusstsein über die pathologische Natur des Phänomens ausstatten und ihre Verhaltensweisen in Richtung Anstand lenken.
Der zweite Kernpunkt einer solchen Vorgangsweise ist der Einfluss solch erhellten Verhaltens auf die Persönlichkeiten der Pathokraten selbst.
Im Zuge einer individuellen Psychotherapie tendieren Therapeuten dazu, den Patienten ihre permanenten Verirrungen nicht bewusst zu machen, besonders wenn Anlass besteht anzunehmen, dass diese erblich bedingt sind. Bei ihren Entscheidungen sind Psychotherapeuten jedoch vom Bewusstsein über einen solchen Umstand geleitet. Nur im Falle einer leichten Gehirnstörung werden wir den Patienten darüber aufklären, damit wir ihm helfen können, seinen Schwierigkeiten mit größerer Toleranz zu begegnen und unnötige Ängste abzubauen. → Psychopathen behandeln wir mit taktvoll anspielender Sprache. Dabei vergessen wir nicht, dass sie bereits eine Art von Selbsterkenntnis besitzen. In der Folge wenden wir Techniken zur Verhaltensänderung an, um ihre Persönlichkeiten zu korrigieren, wobei wir auch immer die Interessen der Gesellschaft im Hinterkopf haben.
So weit es Maßnahmen auf makrosozialer Ebene betrifft, wird es natürlich nicht möglich sein, diese letztere vorsichtige Taktik anzuwenden. Es wird unvermeidbar sein, die Pathokraten bis zu einem gewissen Ausmaß zu traumatisieren, was im Interesse des Friedens auf der Erde bewusst geschieht und moralisch gerechtfertigt ist. Gleichzeitig müssen unsere Verhaltensweisen durch die Akzeptanz biologischer und psychologischer Fakten geprägt sein: durch den Verzicht jeglicher moralischer oder emotionaler Interpretationen ihrer psychologischen Abweichungen. Bei dieser Arbeit müssen wir das Wohl der Gesellschaft an die erste Stelle reihen. Trotzdem dürfen wir unsere psychotherapeutische Verhaltensweise nicht verlassen. Wir müssen es unterlassen jene zu bestrafen, deren Schuld wir nicht genau feststellen können. Sollten wir dies vergessen, hätten wir das Risiko ihrer unkontrollierten Reaktionen zu verantworten, was zu einer weltweiten Katastrophe führen könnte.
Wir sollten zur selben Zeit auch nicht übertriebe Ängste schüren, wie zum Beispiel, dass eine solche allgemeine Erhellung allzu starke Reaktionen seitens der Pathokraten hervorrufen werde; wie eine Welle der Gewalt oder von Selbstmorden. Nein! Essentielle Psychopathen und auch viele andere Träger von vererbten Anomalien entwickeln seit ihrer Kindheit ein Gefühl der psychologischen Andersartigkeit. Ihnen dies klarzumachen ist weniger traumatisierend als beispielsweise einem normalen Menschen eine psychologische Abnormität anzudichten. Die Leichtigkeit, mit der → Psychopathen unangenehme Informationen aus ihrer Wahrnehmung verdrängen, wird sie vor gewalttätigen Reaktionen schützen.
Was können sie tun, wenn sie keine Ideologie mehr als Maske benutzen können? Wenn einmal die Essenz des Phänomens wissenschaftlich demaskiert wurde, ist das psychologische Resultat, dass sie fühlen, dass ihre historische Rolle den Punkt erreicht hat, wo es nicht mehr weitergeht. Wenn ihnen die Welt normaler Menschen aufgrund beispiellos vorteilhafter Umstande Versöhnung anbietet, bekommen ihre Werke für sie eine kreative historische Bedeutung. Dies wird eine allgemeine Demobilisierung der Pathokratie zur Folge haben. Es wird ganz besonders in Ländern auftreten, wo die Unterstützung durch eine Ideologie tatsächlich bereits verloren gegangen ist. Diese innere Demobilisierung, die von Pathokraten so sehr gefürchtet wird, ist das zweite wichtige Ziel.
Zusätzlich zur therapeutischen Arbeit ist Vergebung ein entscheidender Punkt. Vergebung für Pathokraten, erlangt durch ein Verständnis über sowohl die Pathokraten selbst als auch die Zeichen der Zeit. Dies muss über entsprechend berichtigte Gesetze, beruhend auf einem Verständnis des Menschen und der Prozesse der Entstehung des Bösen, die innerhalb von Gesellschaften wirken, bewerkstelligt werden. Diese Gesetze werden solchen Prozessen ursächlich entgegenwirken und die früheren „Strafgesetze“ ablösen. Die Schaffung solcher Gesetze zu prognostizieren ist nicht nur ausschließlich ein psychotherapeutisches Versprechen. Sie müssen auch wissenschaftlich vorbereitet und dann entsprechend umgesetzt werden.
Vergebung
Die zeitgenössische Entwicklung der Definitionen von Recht
und demokratisch sozialer Moral verläuft in Richtung einer
Aufhebung der alten Traditionen der Aufrechterhaltung von
Recht und → Ordnung
durch Strafmaßnahmen. Viele Länder haben, durch den genoziden
Missbrauch im zweiten Weltkrieg verstört, die Todesstrafe
abgeschafft. Auch andere Strafmethoden und deren Anwendungen
wurden gemildert, indem auch die psychologische Motivation
und die Umstände eines Verbrechens bei einem Urteil beachtet
werden. Das Gewissen zivilisierter Nationen protestiert gegen
das römische Prinzip dura lex sed lex2, und
gleichzeitig erkennen Psychologen die Möglichkeiten, wie
viele unausgeglichene Menschen mittels angemessener
pädagogischer Massnahmen wieder zu einem normalen sozialen
Leben zurückkehren können. In der Praxis wird dies jedoch nur
zum Teil bestätigt.
Der Grund dafür, dass die Milderung der Strafgesetze nicht mit den entsprechenden Methoden zur Eindämmung der Prozesse der Entstehung des Bösen abgeglichen wurde, liegt in der Unkenntnis darüber. Daraus entsteht in den Bereichen der Verbrechensprophylaxe einer Gesellschaft eine Krise, die es pathokratischen Kreisen leicht macht, Terrorismus für das Erreichen ihrer expansionistischen Ziele zu benutzen. Unter solchen Zuständen entwickeln viele Menschen die Ansicht, dass eine Rückkehr zu den alten Traditionen juristischer Härte die einzige Möglichkeit ist, eine Gesellschaft vor dem Ausufern des Bösen zu schützen. Andere wieder glauben, dass uns solche Traditionen nur moralisch verkrüppeln und unwiderruflichem Missbrauch Tür und Tor öffnen. Sie ordnen deshalb das Leben und die Gesundheit Anderer humanistischen Werten unter.
Um aus dieser Krise wieder herauszukommen, müssen wir all unsere Kräfte auf der Suche nach einen neuen Weg zusammenballen. Es muss ein Weg sein, der sowohl humanitär ist und der auch effektiv wehrlose Personen und Gesellschaften schützt. Es gibt diesen Weg und er kann auch, basierend auf einem objektiven Verständnis der Entstehung des Bösen, gegangen werden.
Das Wesentliche dabei ist, dass die unrealistische Tradition der Beziehung zwischen dem „Verbrechen“ eines Menschen - kein Mensch ist in der Position, diese objektiv evaluieren zu können - und seiner „Bestrafung“, die seine Persönlichkeit nur selten verbessert, der Vergangenheit angehören sollte. Die Wissenschaft über die Ursachen des Bösen sollte die moralische Disziplin einer Gesellschaft stärken und prophylaktische Auswirkungen zeigen. Oft reicht es, jemanden nur darüber aufzuklären, dass er unter dem Einfluss eines pathokratischen Menschen gestanden hat, damit der destruktive Kreislauf gebrochen wird. Deshalb sollte jede Massnahme gegen das Böse immer eine angemessene Psychotherapie beinhalten. Unglücklicherweise müssen wir, wenn auf uns geschossen wird, besser und zielgerichteter zurück schiessen. Und gleichzeitig dürfen wir das Gesetz der Vergebung nicht vergessen, dieses alte Gesetz weiser Herrscher. Denn dieses Gesetz hat profunde moralische und psychologische Wurzeln und ist in vielen Situationen weit effektiver als Bestrafung.
Die Kodizes der Strafgesetzgebung sehen vor, dass, wenn ein Straftäter zum Zeitpunkt der Straftat in seinen Fähigkeiten eingeschränkt war, die Bedeutung seiner Handlung zu erkennen, oder sein Verhalten bestimmten geistigen Krankheiten oder anderen psychologischen Abweichungen zuzuschreiben ist, er ein entsprechend milderes Strafmaß verhängt bekommt. Wenn wir angesichts solcher Regelungen und im Lichte der bereits getroffenen Aussagen über die Motivationen für ihr Verhalten die Verantwortung von Pathokraten betrachten, dann müssen wir dem im Rahmen bestehender Gesetze angewandten Wirkungsgrad der Justiz eine beträchtlich geringere Bedeutung zumessen.
Diese genannten gesetzlichen Regelungen, die eher in Europa als in den USA angewandt werden, sind allerorts eher veraltet und stimmen mit der bio-psychologischen Realität kaum überein. Sie sind ein Kompromiss zwischen der traditionellen rechtlichen Denkweise und einem medizinischen Humanismus. Darüber hinaus waren die Gesetzgeber nicht in der Position, makrosoziale pathologische Phänomene wahrzunehmen, die in Menschen wirken, sie beherrschen und deren Fähigkeit einschränken, die Bedeutung ihres eigenen Verhaltens zu erkennen. Anfällige Personen werden hinterrücks hinein gezogen, da sie sich über die pathologische Qualität des Phänomens nicht im Klaren sind. Die besonderen Eigenschaften dieser Phänomene verursachen die Wahl von Verhaltensweisen, die entscheidend durch unbewusste Faktoren bestimmt sind. Danach folgt der Druck durch pathokratische Herrscher, die mit ihren Methoden nicht besonders wählerisch sind, nicht einmal bei ihren eigenen Anhängern. Wie kann hier ein mildes Urteil gerecht sein?
Wenn zum Beispiel die essentielle → Psychopathie bei der Anziehungskraft und der Teilnahme an pathokratischen Aktivitäten nahezu 100% ausmacht, sollte dann ein Urteil eine entsprechende Milderung des Strafmaßes anerkennen? Dies gilt im geringerem Ausmaß auch für andere vererbbare Anomalien, da sich auch diese bei der Wahl von Verhaltensweisen als Hauptfaktoren herausgestellt haben.
Wir sollten niemanden wegen einer von seinen Eltern ererbten psychologischen Anomalie anschwärzen, wie wir auch niemanden aufgrund eines körperlichen oder physiologischen Mangels, wie z.B. Farbenblindheit, beschuldigen werden. Wir sollten auch aufhören, etwas an Personen auszusetzen, die unter einem Trauma oder einer Krankheit leiden, die Hirnschäden zur Folge haben, oder an Menschen, die inhuman erzogen wurden.
Zu deren und zum Wohle der Gesellschaft sollten wir in diesen Fällen Stärke zeigen. Dies kann in manchen Fällen Zwangstherapie, Supervision, Vorbeugung und Obsorge sein. Jedes Konzept von Tadel und Schuld macht es nur noch schwieriger, sich sowohl humanitär und zielgerichtet, als auch effizienter als bislang zu verhalten.
Beim Umgang mit einem makrosozialen Phänomen, besonders dann, wenn es länger andauert als das Leben eines einzelnen Menschen, werden aufgrund der andauernden Einflüsse sogar normale Menschen dazu gedrängt, sich bis zu einem gewissen Maß anzupassen. Sind wir, deren Instinkt und deren Intelligenz normal ist - und nach den Kriterien unserer moralischen Weltsicht - in einer Position, um diese anderen Menschen für die Handlungen schuldig zu sprechen, die sie im Rahmen des kollektiven Wahnsinns einer Pathokratie begehen? Sie gemäß traditioneller gesetzlicher Regelungen zu verurteilen, käme einer Rückkehr zum System der Bestrafung von Psychopathen durch normale Menschen gleich, also zur Ausgangslage, die es der Pathokratie erst ermöglich hat, sich durchzusetzen. Ist es wert, durch eine rachsüchtige Gesetzgebung die Dauer einer Pathokratie zu verlängern, sei es auch für nur ein Jahr, geschweige denn für unbestimmte Zeit? Würde die Beseitigung einer bestimmten Anzahl von → Psychopathen die Last bedeutend verringern, die diese Anomalien auf den Genpool der Gesellschaft haben? Und würde dies zu einer Lösung des Problems beitragen?
Die Antwort ist leider Nein!
In jeder Gesellschaft auf Erden haben immer Menschen mit unterschiedlichen psychologischen Abweichungen gelebt. Ihre Art zu leben hat immer eine „räuberische“ Wirkung auf die ökonomische Kreativität einer Gesellschaft, da ihre eigene Kreativität im Allgemeinen unterdurchschnittlich ist. Wer immer sich in dieses System des organisierten Parasitentums einklinkt, verliert schrittweise jegliche Fähigkeit zu legaler Arbeit, egal wie stark diese zuvor ausgeprägt waren.
Dieses Phänomen und seine Brutalität werden in Wirklichkeit durch die Bedrohung der gesetzlichen Vergeltung und, was noch schlimmer ist, durch den Ruf der aufgebrachten Massen nach Strafe aufrecht erhalten. Der Wunsch nach Vergeltung lenkt die Aufmerksamkeit einer Gesellschaft vom Verständnis des bio-psychologischen Wesens des Phänomens ab und stimuliert moralisierende Interpretationen, mit deren Resultaten wir bereits vertraut sind. Dies macht es noch schwieriger, aus der derzeitigen gefährlichen Situation einen Ausweg zu finden und verkompliziert gleichermaßen für zukünftige Generationen jedwede mögliche Lösungsansätze zum Problem der Belastung des Genpools der Gesellschaft durch psychologische Anomalien. Diese Probleme - sowohl aktuelle als auch zukünftige - können jedoch gelöst werden, wenn wir uns ihnen mit einem Verständnis über ihre naturalistische Essenz und unter Einbeziehung des Wesens jener Menschen, die wirklich Böses tun, nähern.
Eine Bestrafung über das Gesetz wäre eine Wiederholung des Irrtums von Nürnberg. Diese Urteile gegen Kriegsverbrecher hätten zu einem Beispiel dafür werden können, wie es niemals wieder geschehen sollte. Man hätte der Welt die gesamte → Psychopathologie von Hitlers System aufzeigen können, mit der Person des „Führers“ an der Spitze. Dies hätte zu einer schnelleren und nachhaltigeren Aufklärung der Nazitradition in Deutschland geführt. Eine bewusste Enthüllung der Funktionsweisen von pathologischen Faktoren auf makrosozialer Ebene hätte den Prozess der psychologischen Rehabilitation der Deutschen gestärkt und über die Anwendbarkeit von naturalistischen Kategorien in einem solchen Fall auch die Welt als Ganzes. Es wäre auch zu einem gesunden Präzedenzfall gekommen, wobei die Handlungsweisen anderer Pathokratien dargestellt und eingedämmt hätten werden können.
Doch was ist geschehen? Die Psychiater und Psychologen sind allzu leicht ihren eigenen Emotionen und dem Druck politischer Faktoren erlegen. Ihre Urteile machten mit den eigentlichen pathologischen Eigenschaften von sowohl der meisten Angeklagten als auch des Nazitums als Ganzes kurzen Prozess. Es wurden ein paar berühmte Kriegsverbrecher mit psychopathischen Zügen oder anderen Abweichungen exekutiert oder zu langen Haftstrafen verurteilt. Gemeinsam mit diesen Menschen wurden auch viele Daten und Fakten, die den in diesem Buch dargestellten Zwecken dienen hätten können, exekutiert oder eingesperrt. Auf diese Weise können wir gut verstehen, warum sich Pathokraten so eifrig darum bemühten, genau solche Urteile zu erreichen. Einen solchen Irrtum dürfen wir nie wieder begehen, da es in der Folge noch weitaus schwieriger wird, die Essenz von makrosozialen pathologischen Phänomenen zu verstehen und dadurch die Möglichkeiten eingeschränkt sind, deren innere Ursachen wirkungsvoll zu bekämpfen.
Für die heutige, reale Lage der Welt gibt es nur eine wissenschaftliche und moralisch gerechtfertigte Lösung, die Abhilfe für die gegenwärtige Misere verspricht, in der sich die Nationen befinden, und die auch einen korrekten Beginn für eine zukünftige Lösung des Problems der genetischen Last der Gesellschaften darstellt: Ein passendes Gesetz, das auf dem bestmöglichen Verständnis von makrosozialen pathologischen Phänomenen und ihrer Ursachen beruht. Ein solches Gesetz würde die Verantwortung der Pathokraten auf jene Fälle einschränken (üblicherweise Fälle mit kriminell sadistischem Hintergrund), in welchen es schwierig ist dem Täter zu glauben, dass er die Bedeutung seiner Handlungen nicht erkennen konnte. Nur auf diese Weise kann die Gesellschaft normaler Menschen die Macht übernehmen und ihre inneren Talente freisetzen, die für die Rückkehr zu einem normalen Leben nötig sind.
Ein solcher Akt der Vergebung ist in der Tat durch die Natur gerechtfertigt, da er sich auf das Erkennen der psychologischen Ursachen beruft, die einen Menschen beherrschen, wenn er eine böse Tat verübt. Dies gilt sowohl für die Bandbreite unserer Wahrnehmung als auch für den Bereich außerhalb unseres Verständnisses. Diese Bandbreite der Wahrnehmung, auf der wissenschaftliche Erkenntnis beruht, steigt entsprechend, wenn Fortschritte im Allgemeinwissen gemacht werden. In einer Pathokratie jedoch wird das entstehende Bild des Phänomens derart von Kausalität dominiert, sodass kaum Platz für Entscheidungsfreiheit bleibt.
In Wirklichkeit werden wir niemals in der Lage sein, die Bandbreite der Entscheidungsfreiheit einschätzen zu können, mit der ein Mensch ausgestattet ist. Wenn wir vergeben, ordnen wir unseren Verstand den Gesetzen der Natur unter, und zwar grundlegend. Wenn wir kein Urteil über diesen uns unbekannten Punkt abgeben, disziplinieren wir unseren Verstand dahingehend, nicht in einen Bereich einzutreten, der für unseren Geist kaum erreichbar ist.
Aus diesem Grund leitet Vergebung unsere Vernunft in einen Zustand intellektueller Disziplin und → Ordnung und erlaubt uns dabei, das reale Leben und seine ursächlichen Verbindungen klarer zu erkennen. Dies erleichtert uns, unsere instinktiven Rachereflexe besser kontrollieren zu können und schützt unseren Verstand vor der Tendenz, auf psychopathologische Phänomene mit moralisierenden Interpretationen zu reagieren. Natürlich dient ein solcher Zugang sowohl dem einzelnen Menschen als auch den Gesellschaften.
Gleichzeitig, und in Übereinstimmung mit den Regeln der großen Religionen, hilft uns Vergebung, uns der überirdischen → Ordnung zu erfreuen und erwirkt uns auch das Recht auf Selbstvergebung. Sie erleichtert unsere Wahrnehmung unserer inneren Stimme, die uns „tu das“ oder „tu das nicht“ rät. Dadurch wird auch unsere Fähigkeit zu richtigen Entscheidungen in heiklen Situationen verbessert, wenn wir aufgrund fehlender Informationen nicht weiter wissen. Wir sollten bei diesem extrem schwierigen Kampf nicht auf diese Hilfe und dieses Privileg verzichten, denn dies könnte beim Erringen des Sieges ausschlaggebend sein.
Nationen, die für lange Zeit pathokratische Herrschaft ertragen mussten, sind nun nahe daran, eine solche Vorgabe als Resultat ihrer praktischen Erfahrungen über diese andere Realität und der charakteristischen Evolution ihrer Weltsicht zu akzeptieren. Ihre Motivationen sind jedoch von praktischen Erfahrungen dominiert, die sich auch aus der Anpassung der Menschen ans Leben in dieser abweichenden Realität ableiten. Religiöse Motivationen spielen auch eine Rolle; Verständnis und Bestätigung religiöser Perspektiven reifen unter solch besonderen Umständen. Bei diesen Menschen bezeugen ihre Gedanken und ihre soziale Ethik auch ein Gefühl gewisser theologischer Bedeutungen dieser Phänomene - im Sinne einer historischen Wende.
Ein solcher Akt der Entsagung von juristischer und emotionaler Rache in Bezug auf Personen, deren Verhalten durch psychologische Gründe konditioniert war, ganz besonders durch gewisse erbliche Faktoren, ist eindeutig durch den Naturalismus gerechtfertigt. Deshalb sollten diese naturalistischen und rationalen Prinzipien die Reifung von klaren Entscheidungen ermöglichen können. Die intellektuellen Bemühungen, die beim Trennen der Verbindungen beteiligt sind, die zu einem natürlichen Verständnis der Probleme des Bösen und zu einer Konfrontation dieses Verständnisses mit den moralischen Grundsätzen führen, sollten bei vielen Ergebnissen menschlicher Überlegungen Früchte tragen.
Personen, die ihre Fähigkeit verloren haben heikle Arbeiten zu verrichten, müssen annehmbare Lebensumstände und Hilfe bei ihrer Wiedereingliederung garantiert werden. Die diesbezüglich für die Gesellschaft anfallenden Kosten sind dabei wahrscheinlich geringer als bei jeder anderen Lösung. All dies erfordert eine entsprechende Organisation, die auf diesem Verständnis der Phänomene beruht und die sich von den traditionellen Herangehensweisen der Gesetzgebung weitgehend unterscheidet. Die Versprechen gegenüber den Pathokraten sollten auch ehrlich eingehalten werden, wie es einer Gesellschaft normaler Menschen geziemt. Solch ein Akt der Vergebung sollte samt seiner Umsetzung unabhängig von zeitlichen, juristischen und organisatorischen Gesichtspunkten im Voraus geplant werden.
So wie die hier vorgestellte Idee unter Leuten, die mit dem beschriebenen makrosozialen Phänomen vertraut sind, rege Anteilnahme findet, insultiert sie die Rachegefühle vieler politischer Emigranten, welche die alten experimentellen Methoden in Bezug auf soziale und moralische Probleme bewahren. Wir müssen deshalb aus diesen Kreisen mit größerem Widerstand rechnen, der durch moralische Entrüstung gerechtfertigt wird. Demzufolge sollte versucht werden, diese Menschen durch Fakten zu überzeugen.
Es wäre auch von Vorteil, wenn die Lösung dieses Problems mit einer Perspektive auf die zeitgenössischen Errungenschaften der bio-humanistischen Wissenschaften erarbeitet werden könnte, die auf eine ähnliche Entwicklung der Gesetze abzielen, sich jedoch weiterhin in der akademischen Welt verstecken und für eine praktische Umsetzung noch nicht genügend ausgereift sind. Der Wert der wissenschaftlichen Arbeiten in diesem Bereich wird im Allgemeinen von konservativ ausgerichteten Gesellschaften unterschätzt. Unsere Arbeit könnte im Hinblick auf die Notwendigkeit einer schnellen Vorbereitung bzw. Anpassung der Gesetze durch solche Informationen erleichtert werden.
Die Gesetzgebung unserer Zivilisation entwickelte sich aus dem römischen Recht und danach aus den Gesetzen der Souveräne, die durch „Gottes Gnade“ regierten. Dieses System schützte berechenbar deren Positionen und obwohl sie unter dem Gesetz der Gnade regierten, erwiesen sie sich als nahezu völlig seelenlos und rachsüchtig, wenn wir sie mit unserer heutigen Auffassung festgeschriebener Regeln betrachten. Solch ein Zustand fördert das Aufkommen eines pathologischen Systems aus Gewalt, es verhindert es nicht.
Das erklärt den derzeitige Bedarf für einen essentiellen Durchbruch und die Formulierung neuer Prinzipien, die aus einem Verständnis des Menschen entstammen, was Feinde und Übeltäter miteinschließt.
Da eine solche Gesetzgebung aus großem Leid und einem Verständnis seiner Ursachen entsteht, wird sie moderner und menschlicher sein, und auch für den Schutz der Gesellschaften vor ponerogenischen Resultaten effektiver. Die große Entscheidung zu vergeben ist gleichermaßen in den glaubhaftesten Grundsätzen zeitloser moralischer Lehren verankert und steht auch in Übereinstimmung mit der aktuellen Entwicklung der gesellschaftlichen Ansichten. Vergebung bringt praktisches Interesse und ein natürliches Verständnis über die Entstehung des Bösen zum Ausdruck. Nur ein solcher Gnadenakt, beispiellos in der Geschichte, kann die uralte Verkettung ponerologischer Kreisläufe brechen und sowohl neuen Lösungen für permanente Probleme als auch neuen gesetzgebenden Methoden, die auf einem Verständnis der Ursachen des Bösen beruhen, Tür und Tor öffnen.
Solch schwierige Entscheidungen müssen deshalb im Einklang mit den Zeichen der Zeit getroffen werden. Der Autor glaubt daran, dass genau diese Art des Durchbruchs in Methodologie, Gedankengut und Handlung im göttlichen Plan für die heutige Generation liegt.
Ideologien
So wie ein Psychiater hauptsächlich an einer Krankheit an sich interessiert ist und den Wahnvorstellungen eines Patienten, die seine wie immer gelagerte Realität verformen, weniger Aufmerksamkeit schenkt, so muss das Interesse bei einer globalen Therapie den Krankheiten der Welt gelten. Die aus historischen Umständen gewachsenen, verformten ideologischen Systeme und die Schwächen einer beliebigen Zivilisation sollten verstanden werden. Dies insofern, da diese als Maskierung, Werkzeug oder trojanisches Pferd für eine pathokratische Infektion dienen.
Zuerst muss das gesellschaftliche Bewusstsein diese beiden heterogenen Aspekte des Phänomens mittels Analyse und wissenschaftlicher Evaluierung unterscheiden. Ein solches korrektes und selektives Verständnis sollte für das Bewusstsein aller Nationen selbstverständlich sein und entsprechend verfügbar gemacht werden. Dies würde im Gegenzug die Fähigkeiten der Länder stärken, sich im Rahmen der heutigen komplizierten Realität unabhängig orientieren zu können, indem diese Phänomene in Übereinstimmung mit deren Wesen beurteilt werden. Das wird eine Korrektur der moralischen Sichtweisen und der Weltsicht mit sich bringen, und in der Folge des Verhaltens. Wenn wir unsere Bemühungen auf das pathologische Phänomen konzentrieren, wird dies ein korrektes Verständnis und ausreichend vollständige Resultate zur Folge haben.
Das Fehlen dieses grundlegenden Urteilsvermögens bei politischen Handlungen ist ein Irrtum, der zu verschwendeten Bemühungen führt. Wir mögen mit Ideologien nicht übereinstimmen, da alle politischen Ideologien des 19. Jahrhunderts die soziale Realität bis zur Verkrüppelung banalisieren, sogar in ihren ursprünglichen Formen, von ihren pathologisch deformierten Versionen ganz zu schweigen. Trotzdem sollte im Vordergrund die Identifikation ihrer Rolle innerhalb makrosozialer Phänomene stehen. Analyse, Kritik und sogar ihre Bekämpfung kann in den Hintergrund rücken. Solange die Gesellschaften mit dieser grundlegenden Unterscheidung der Phänomene beschäftigt sind, sollten jegliche Diskussionen über die Richtungen der notwendigen Veränderungen der sozialen Strukturen hintangehalten werden. Solcherart korrigiert kann das soziale Gewissen leichter eine Lösung für diese Probleme finden und soziale Gruppierungen, die heute noch uneinsichtig sind, werden dadurch kompromissbereiter.
Wenn eine geistig kranke Person erfolgreich von ihrer Krankheit geheilt wurde, bemühen wir uns häufig, den ehemaligen Patienten wieder in die Welt seiner realistischeren Vorstellungen einzugliedern. Der Psychotherapeut untersucht die täuschende, karikaturisierte Welt nach ihren Anfängen und ihren in allen Fällen sensibleren Inhalten, um darüber eine Brücke über die Periode der Verrücktheit zur nunmehr gesunden Realität zu bauen. Natürlich verlangt eine solche Arbeit nach den nötigen Kenntnissen im Bereich der → Psychopathologie, da jede Krankheit bei der Verformung der ursprünglichen Erfahrungs- und Überzeugungswelt des Patienten individuell abläuft. Ähnlich sollte mit einem durch Pathokratie verformten ideologischen System verfahren werden, indem durch eine analoge Analyse die Anfänge und jedenfalls sensibleren Werte herausgefiltert werden. Hier muss das Wissen um den individuellen Stil genutzt werden, mit dem eine Pathokratie die Ideologie einer Bewegung karikaturisiert, von der sie sich daraufhin parasitär nährt.
Diese große Krankheit der Pathokratie passt die unterschiedlichen sozialen Ideologien an ihre eigenen Eigenschaften und Absichten an. Dabei beraubt sie die Ideologien all ihrer Möglichkeiten einer natürlichen Entwicklung und Reifung im Hinblick auf gesunden Menschenverstand und wissenschaftliche Reflexion. Dieser Prozess verändert die Ideologien auch in destruktive Faktoren, hält sie von einer Teilnahme an der konstruktiven Entwicklung sozialer Strukturen ab und lässt ihre Anhänger frustriert zurück. Bei dieser Rückentwicklung wird eine betroffene Ideologie von all jenen sozialen Gruppierungen abgelehnt werden, die ihren gesunden Menschenverstand bewahren konnten. Die Aktivitäten einer solchen Ideologie verleiten die Nationen dazu, ihre alten „getestet und für gut befundenen“ strukturellen Grundlagen beizubehalten, was erzkonservative Hardliner mit der bestmöglichen Waffe ausstattet. Dadurch stagnieren die Evolutionsprozesse, was im Gegensatz zu den allgemeinen Gesetzen des sozialen Lebens steht und zu einer Polarisation der Verhaltensweisen unter sozialen Gruppierungen führt, was wiederum eine revolutionäre Stimmung mit sich bringt. Die Handlungsweisen der pathologisch veränderten Ideologie erleichtern damit die Durchdringung und Expansion der Pathokratie.
Nur durch eine retrospektive psychologische Analyse der Ideologie, wobei jene Zeit betrachtet werden muss, die vor der ponerogenischen Infektion lag, und unter Einbeziehung der pathologischen Qualität und der Ursachen für ihre Deformation, können die ursprünglichen kreativen Werte entdeckt und eine Brücke über die Zeit der morbiden Phänomene geschlagen werden.
Ein solch geschicktes Herausschälen der ursprünglichen Ideologie samt mancher vernünftigen Elemente, die auch nach der ponerogenischen Infektion entstanden sind, kann durch die zwischenzeitlich erarbeiteten Werte zu weiterer kreativer Evolution führen. Dadurch kommt die Ideologie in die Lage, in Abstimmung mit der evolutionären Natur sozialer Strukturen Veränderungen zu bewirken, die wiederum die betroffene Gesellschaft gegenüber einer Durchdringung durch pathokratische Einflüsse widerstandsfähiger macht.
Eine solche Analyse stellt uns vor Probleme, die sachkundig gelöst werden müssen, indem die korrekten semantischen Ersatzbegriffe gefunden werden. Aufgrund ihrer charakteristischen Kreativität in diesem Bereich, erzeugt eine Pathokratie eine Vielzahl von suggestiven Bezeichnungen, welche die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Eigenschaften des Phänomens ablenken sollen. Wer immer in diese semantische Falle getappt ist, verliert nicht nur seine Fähigkeit zur objektiven Analyse dieser Art von Phänomenen, sondern zum Teil auch seinen gesunden Menschenverstand. Solche Auswirkungen im menschlichen Verstand zu erzeugen ist das besondere Ziel dieser Patho-Semantik. Man muss sich zu erst selbst dagegen schützen, bevor man herangeht, das soziale Bewusstsein zu wahren.
Die einzigen Bezeichnungen, die wir akzeptieren können, sind jene mit historischer Tradition, Daten und Fakten, die bereits vor der Infektion ihre Gültigkeit hatten. Wenn wir zum Beispiel den prä-marxistischen Sozialismus als „utopischen Sozialismus“ bezeichnen, wird es für uns schwierig zu verstehen, dass dieser viel realistischer und gesellschaftlich kreativer war als die späteren Bewegungen, die bereits mit pathologischen Material durchzogen waren.
Diese Vorsicht reicht jedoch nicht aus, wenn wir es Phänomenen zu tun haben, die innerhalb natürlicher Konzeptstrukturen nicht gemessen werden können, da diese durch einen makrosozialen pathologischen Prozess erzeugt wurden. Wir müssen deshalb nochmals betonen, dass der natürliche, gesunde Menschenverstand nicht ausreicht, um eine solche nachträgliche Verfeinerung der ideologischen Werte durchzuführen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt durch den ponerogenischen Prozess deformiert wurden. Psychologische Objektivität, entsprechende Kenntnis im Bereich der → Psychopathologie und die Fakten, wie in den bisherigen Kapiteln dieses Buches angeführt, sind zu diesem Zweck unabdingbar.
Solcherart ausgestattet sind wir auch dafür qualifiziert, unerlässliche neue Bezeichnungen zu entwickeln, wodurch die wirklichen Eigenschaften der Phänomene aufgeklärt werden können, vorausgesetzt wir widmen den semantischen Regeln genügend Aufmerksamkeit - mit aller Redlichkeit und Ökonomie - sodass es den Ansprüchen Williams von Ockham genügen würde. Letztendlich werden sich diese Bezeichnungen über die ganze Welt verbreiten und vielen Menschen helfen, ihre Weltsicht und ihre soziale Verhaltensweise zu korrigieren. Obgleich diese Vorgangsweise legalistisch ist, zielt sie darauf ab, den pathokratischen Kreisen das Monopol über die Kontrolle der Bezeichnungen zu entziehen. Ihre vorhersehbaren Proteste werden nur beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Eine solcherart regenerierte Ideologie erlangt das natürliche Leben und die evolutionären Fähigkeiten wieder, die von der Pathokratie erstickt wurden. Gleichzeitig kann sie auch nicht mehr aufgezwungene Funktionen erfüllen, wie das Nähren der Pathokratie und ihr Verbergen vor sowohl dem gesunden Menschenverstand als auch vor etwas noch gefährlicherem, dem Gefühl für die psychopathische Realität und seinen humorvollen Aspekten.
Eine Ideologie aufgrund ihrer Irrtümer zu verachten - ob diese nun seit ihrem Beginn vorhanden waren oder erst später aufgenommen wurden - wird sie niemals von der ihr zugeschriebenen Funktion befreien, besonders nicht in den Köpfen jener Menschen, die sie schon aus anderen Gründen nicht missbilligt haben. Wenn wir versuchen eine so verachtete Ideologie weiter zu analysieren, werden wir niemals die heilenden Einflüsse auf die menschliche Persönlichkeit erreichen. Wir werden ganz einfach die wirklich wichtigen Faktoren übersehen und nicht in der Lage sein, die entstandene Leere mit Inhalten zu füllen. Unsere Gedanken sind dann gezwungen, den sie einschränkenden Blockaden auszuweichen. Dabei entstehen falsche Wahrheiten. Wenn einmal etwas psychopathologischen Faktoren unterlegen ist, kann es solange nicht verstanden werden, bis die richtigen Kategorien verwendet werden.
Immunisierung
Viele Infektionskrankheiten hinterlassen im Organismus eine natürliche Immunität. Diese kann kurz oder sehr lang anhalten. Die Medizin imitiert diesen biologischen Mechanismus indem sie Impfungen entwickelt, die einen Organismus immunisieren, ohne dass er dabei die Krankheit durchleben muss. Psychotherapeuten versuchen immer häufiger die Psyche eines Patienten gegen verschiedene traumatisierende Faktoren zu immunisieren, die nicht aus seinem Leben eliminiert werden können. In der Praxis benutzen wir dies oft bei Menschen, die den destruktiven Einflüssen von Charakteropathen ausgesetzt waren. Jemanden gegen die destruktiven Auswirkungen psychopathischer Persönlichkeiten zu immunisieren ist noch weit schwieriger. Es ist jedoch eine passendere Analogie für die Aufgabe, die sich uns in Bezug auf die Nationen stellt, die dem Einfluss der pathokratischen Abweichung einer Pathokratie erlegen sind.
Gesellschaften, die viele Jahre lang von einem pathokratischen System regiert wurden, entwickeln eine natürliche Immunität, wie sie oben beschrieben wurde, wie auch die charakteristische Distanziertheit von dem Phänomen und bitteren Humor. In Kombination mit dem wachsenden praktischen Wissen sollte dieser Umstand jedes mal in Betracht gezogen werden, wenn wir die politische Situation eines beliebigen Landes evaluieren wollen. Wir sollten auch betonen, dass sich diese Immunität auf das pathologische Phänomen an sich bezieht und nicht auf dessen Ideologie. Das erklärt, warum diese Immunisierung auch bei jeder anderen Pathokratie wirkt, unabhängig von der ideologischen Maske. Die gemachte psychologische Erfahrung erlaubt es, dass ähnliche Phänomene aufgrund ihrer tatsächlichen Eigenschaften erkannt werden. Die Ideologie wird hier entsprechend ihrer eigentlichen Rolle behandelt.
Eine korrekt durchgeführte Psychotherapie bei einem Menschen, der den destruktiven Einflüssen der Lebensumstände unter pathokratischer Herrschaft erlegen ist, bringt immer eine signifikante Verbesserung der psychologischen Immunität mit sich. Indem wir eine Person über die pathologischen Qualitäten solcher Einflüsse bewusst machen, erleichtern wir die Entwicklung ihrer kritischen Distanziertheit und ihrer spirituellen Gelassenheit, was durch eine rein natürliche Immunisierung niemals entstehen würde. Somit imitieren wir nicht ausschließlich die Natur, sondern wir erreichen eine noch bessere Immunisierung, was für den Schutz des Patienten bei neurotischen Spannungen und der Stärkung seines praktischen, alltäglichen Einfallsreichtums weit effektiver ist. Die Kenntnis über den biologischen Kern des Phänomens stattet den Patienten mit Vorteilen aus - sowohl über das Phänomen selbst als auch über jene Menschen, die ein solches Bewusstsein nicht besitzen.
Diese Art der psychologischen Immunität hält auch länger an. Wenn eine natürliche Immunität die Generation lang anhält, in der sie erzeugt wurde, so kann eine wissenschaftlich begründete Immunität auf die nächsten Generationen weitergegeben werden. In gleicher Weise ist es sehr schwierig, eine natürlich Immunität gemeinsam mit dem praktischen Wissen, auf dem sie beruht, an andere Nationen weiterzugeben, wo solch unmittelbare Erfahrungen nicht gemacht wurden. Es kann jedoch ohne übernatürliche Anstrengungen die Methode an andere Nationen übermittelt werden, die auf allgemein zugänglichen wissenschaftlichen Daten beruht.
Hier stehen wir vor zwei ähnlichen Zielen. Bei von dem oben besprochenen Phänomen betroffenen Ländern sollten wir versuchen, die vorhandene natürliche Immunität in eine in ihrer Qualität bessere Immunität zu verwandeln und es so ermöglichen, die operative Erleichterung zu steigern, während gleichzeitig die psychologische Spannung gelindert wird. Bei jenen Menschen und Gesellschaften, die ein offensichtliches Immun-Defizit erkennen lassen und die von pathokratischer Expansion bedroht sind, sollten wir die Entwicklung einer künstlichen Immunität unterstützen.
Diese Immunität entsteht hauptsächlich als natürliches Resultat des Verständnisses der wirklichen Inhalte des makrosozialen Phänomens.
Durch dieses Bewusstsein wird eine stürmische Periode aus Erfahrungen verursacht, die nicht ohne Proteste abläuft. Dieser die Krankheit ablösende Prozess ist aber nur von kurzer Dauer. Die naturalistische Realität freizulegen, die bislang von einer ideologischen Maske geschützt war, stellt für Menschen und Gesellschaft eine notwendige Unterstützung dar. Innerhalb kurzer Zeit schützt dies beide vor den ponerogenischen Aktivitäten pathologischer Faktoren, die an der monolithischen Front der Pathokratie mobilisiert werden. Geeignete Hinweise zur praktischen Anwendung zum Schutz der eigenen mentalen Hygiene werden die Schaffung dieser wertvollen psychologischen Immunität erleichtern und beschleunigen, ähnlich der Wirkungsweisen von Impfungen.
Diese individuelle und kollektive Immunität, die auf einem naturalistisch objektiviertem Verständnis dieser anderen Realität beruht, ist von einem Gefühl korrekten Wissens gefärbt, woraus ein neues → Netzwerk der Menschen entsteht. Das Erreichen dieser Immunität ist für jeglichen Erfolg und sämtliche Handlungen Voraussetzung, die politischer Natur sind und die darauf abzielen, eine Regierung von der Gesellschaft normaler Menschen übernehmen zu lassen. Ohne dieses Bewusstsein und diese Immunisierung wird es immer schwierig sein, zwischen freien Ländern und Nationen, die unter pathokratischer Herrschaft leiden, Kooperation herzustellen. Die Sprache einer gemeinsamen Kommunikation kann von keiner politischen Doktrin aufgebaut werden, die auf dem natürlichen Vorstellungsvermögen von Menschen beruht, denen sowohl die praktische Erfahrung als auch das naturalistische Verständnis des Phänomens fehlt.
Die modernsten und teuersten Waffen, die die Menschheit mit einer globalen Katastrophe bedrohen, sind dann bereits zum Zeitpunkt ihrer Herstellung unnötig.
Warum?
Es sind Waffen für einen Krieg, der niemals stattfinden muss. Auch die Länder der Welt beten darum, dass dieser Krieg niemals geführt wird.
Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte der Kriege. Ein neuer Krieg würde den Triumph des Wahnsinns über den Lebenswillen der Nationen besiegeln.
Aus diesem Grund muss internationale Vernunft die Oberhand gewinnen, gestärkt durch die neu entdeckten moralischen Werte und durch die naturalistische Wissenschaft um die Ursachen und Entstehung des Bösen.
Die hier dargestellten „neuen Waffen“ töten niemanden. Trotzdem können sie den Prozess der Entstehung des Bösen in einem Menschen verhindern und seine eigenen heilenden Kräfte aktivieren. Wenn die Gesellschaften mit einem Verständnis über die pathologische Natur des Bösen ausgestattet sind, werden sie in der Lage sein, gemeinsame, auf Moral und naturalistischen Kriterien beruhende, Handlungen zu setzen.
Diese neue Methode zur Lösung ewiger Probleme wird die humanitärste Waffe sein, die jemals in der Geschichte der Menschheit zur Anwendung gekommen ist. Sie ist auch die einzige, die sicher und effektiv benutzt werden kann. Wollen wir hoffen, dass die Anwendung dieser Waffe dazu beitragen wird, Jahrhunderte der Kriege zwischen Menschen zu beenden.
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