POLITISCHE PONEROLOGIE

Kapitel 7

Psychologie und Psychiatrie unter pathokratischer Herrschaft

Falls es jemals ein Land gäbe, in dem eine kommunistische Struktur verwirklicht wäre, wie sie von Karl Marx vorgeschlagen wurde, worin die linke Ideologie der Arbeiterklasse, nicht ohne gesundes humanistisches Gedankengut, auch die Grundlage für die Regierung wäre -was meiner Ansicht nach folgerichtig wäre - so würde die vorherrschenden sozialen, bio-humanistischen und medizinischen Wissenschaften als wertvoll und angemessen entwickelt angesehen werden. Sie würden dem Wohl der Arbeiterklasse dienen. Es wäre naturgemäß ein Anliegen der Behörden und der Gesellschaft als Ganzes, jungen Menschen und Personen mit verschiedenen persönlichen Problemen psychologische Hilfe angedeihen zu lassen. Ernsthaft kranke Patienten würden in den Genuss fachkundiger Hilfe kommen.

In einer pathokratischen Struktur ist jedoch genau das Gegenteil der Fall.

Als ich in den Westen kam, traf ich Leute mit linker Gesinnung, die bedingungslos daran glaubten, dass kommunistische Länder mehr oder weniger die Form hatten, wie sie die amerikanischen Versionen von kommunistischen politischen Doktrinen darlegten. Diese Menschen waren sich fast sicher, dass in diesen Länder Psychologie und Psychiatrie angemessene Freiheiten hätten, da dies den kommunistischen Grundsätzen entspräche. Auch diesen Bereich betrachteten sie aus der amerikanischen Brille. Als ich ihnen widersprechen musste, glaubten sie mir nicht und stellten immer wieder dieselbe Frage: „Warum, warum ist das nicht so?“ Was hat Politik mit Psychologie zu tun?1

Meine Versuche ihnen zu erklären, wie diese andere Realität aussieht, ernteten dieselben Schwierigkeiten, mit denen wir bereits vertraut sind, obwohl manche Leute schon vom Missbrauch gehört hatte, der im Rahmen der Psychiatrie Gang und Gebe war. Doch viele aufkommende Fragen blieben in den Gesprächen unbeantwortet.

Die Situation der Wissenschaften, ihrer sozialen und heilenden Aktivitäten und die der damit beschäftigten Menschen kann nur verstanden werden, wenn wir die wahre Natur der Pathokratie im Rahmen des ponerologischen Ansatzes erkannt haben.

Wir wollen uns nun etwas vorstellen, das nur theoretisch möglich ist: Ein Land unter pathokratischer Herrschaft, in dem versehentlich erlaubt ist, diese Wissenschaften frei zu entwickeln, wo die Einfuhr wissenschaftlicher Bücher normal ist und Kontakt mit Wissenschaftern anderer Länder besteht. Psychologie, → Psychopathologie und Psychiatrie würden gedeihen und herausragende Forscher hervorbringen.

Was wäre das Resultat?

Eine solche Ansammlung korrekten Wissens würde innerhalb kürzester Zeit zu Nachforschungen über Themen führen, deren Bedeutungen wir bereits verstehen. Fehlende Elemente und unzureichend untersuchte Fragestellungen würden mittels angemessener Detailforschungen komplettiert und vertieft werden. Etwa innerhalb der ersten zwölf Jahre nach Bildung der Pathokratie - besonders bei einer aufgezwungenen Pathokratie -  würde die erste Diagnose vorliegen: Es herrschen pathokratische Zustände. Die Basis der logischen Schlussfolgerungen wäre bedeutend größer als sämtliche Inhalte, die Ihnen der Autor hier präsentieren kann. Die Begründungen wären auch von einer Vielzahl von analytischem und statistischem Material unterstützt.

Wenn solche Ergebnisse einmal der Weltöffentlichkeit mitgeteilt werden würden, geschähe schnell eine Meinungsbildung, die naive politische und Propagandadoktrine aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein entfernte. Dies würde bis hin zu jenen Ländern gelangen, die zum Ziel der pathokratischen Expansionstendenzen geworden sind. Somit wäre die Bloßstellung einer jeden propagandisierten Ideologie zumindest als Trojanisches Pferd jedermann verständlich.

Trotz der Unterschiede der Länder mit normalen Systemen wären diese durch die charakteristische Solidarität bei der Verteidigung gegen eine erkannte Gefahr vereint, ähnlich der Solidarität normaler Menschen, die unter pathokratischer Herrschaft leben.

Dieses Bewusstsein, das in von diesem Phänomen befallenen Ländern allgemein verstanden wird, würde gleichzeitig den psychologischen Widerstand der Gesellschaft normaler Menschen verstärken und sie mit neuen Fähigkeiten zur Selbstverteidigung ausstatten.

Kann es ein pathokratisches Reich riskieren, eine solche Möglichkeit offen zu lassen?

In Zeiten, in denen sich die angesprochenen Disziplinen in vielen Ländern rasch entwickeln, wird das Verhindern einer solchen psychiatrischen Bedrohung für Pathokratien eine Frage von „sein oder nicht sein.“ Jeglicher Ansatz einer möglichen Entwicklung einer solchen Situation muss prophylaktisch und geschickt im Keim erstickt werden; sowohl innerhalb als auch außerhalb des Reiches. Gleichzeitig kann das Reich effektive Vorbeugungsmaßnahmen entwickeln. Dies Dank seines Bewusstsein über seine Andersartigkeit und des besonderen psychologischen Wissens der → Psychopathen, mit dem wir bereits vertraut sind, das zum Teil universitäre Unterstützung erhält.

Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen eines von diesem Phänomen befallenen Landes wird so ein zweckdienliches und vorsätzliches System aus Kontrolle, Terror und Ablenkung eingerichtet.

Jede wissenschaftliche Arbeit, die unter einer solchen Regierung veröffentlich oder importiert wird, muss durchgesehen werden, um sicherzustellen, dass sie keine Informationen enthält, die der Pathokratie schaden könnten. Höchst talentierte Spezialisten werden auf diese Weise zum Ziel von Erpressung und heimtückischer Kontrolle. Dies hat natürlich zur Folge, dass die betroffenen Wissenschaftsbereiche minderwertig werden.

Ein solches Vorhaben muss natürlich so angelegt sein, dass dabei vermieden wird, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Ländern mit normalen menschlichen Strukturen zu erregen. Die Auswirkungen könnten allzu weitreichend sein. Das erklärt, warum die Leben von Leuten, die sich mit Nachforschungen in diesem Gebiet befassen, ohne viel Aufsehen zerstört werden und verdächtige Personen im Ausland zum Ziel organisierter Diffamierungskampagnen werden.2

Solcherart werden an geheimen Fronten Kriege gefochten, die Überreste des zweiten Weltkriegs sein können. Die Soldaten und Anführer, die an verschiedensten Kriegsschauplätzen kämpfen, sind sich darüber nicht im Klaren, dass ihr Schicksal von den Ergebnissen dieses anderen Krieges abhängt, der von Wissenschaftern und Soldaten anderer Art begonnen wurde, deren Ziel es war, die Deutschen vom Bau der Atombombe abzuhalten. Die Alliierten haben diesen Kampf gewonnen und die USA waren die Ersten, die im Besitz dieser tödlichen Waffe waren. Derzeit verliert der Westen jedoch seine politischen und wissenschaftlichen Kriege an dieser neuen wissenschaftlichen Front. Einsame Kämpfer werden als skurril angesehen, es wird ihnen Hilfestellung verweigert oder sie werden dazu gezwungen, hart für ihr tägliches Brot zu arbeiten. Unterdessen erobert das ideologische trojanische Pferd ein neues Land nach dem anderen.

Wenn man die Methodik solcher Kriege sowohl an der inneren als auch an der äußeren Front untersucht, weisen die Ergebnisse auf das spezifische Wissen hin, das im Lichte der natürlichen Sprache so schwierig zu verstehen ist. Um in der Lage sein zu können, Menschen und jene relativ unbekannten Wissenschaftsbereich kontrollieren zu können, muss man wissen - oder es zumindest fühlen - was vor sich geht und welche Teilbereiche der → Psychopathologie besonders gefährlich sind. All jene, die diese Methodik untersuchten, wurden sich auch der Grenzen und Fehlbarkeiten dieser Selbsterkenntnis und ihrer Anwendung bewusst, d.h. der Schwächen der anderen Seite, der Irrtümer und Fehltritte. So ist es möglicherweise erreichbar, aus dieser Erkenntnis Vorteile ziehen zu können.

In Nationen mit pathokratischen Systemen wird die Überwachung wissenschaftlicher und kultureller Organisationen speziellen Abteilungen übertragen, in welchen besonders vertrauenswürdige Personen arbeiten - einer „namenlosen Abteilung“, die fast zur Gänze aus relativ intelligenten Menschen besteht, die allesamt charakteristische psychopathische Züge aufweisen. Diese Personen müssen fähig sein, ihre akademischen Studien zu vervollständigen, obwohl sie manchmal von strengen Prüfern dazu gezwungen werden, weitreichende Evaluierungen durchzuführen. Ihre Talente liegen normalerweise unter jenen der durchschnittlichen Studenten, besonders in den psychologischen Wissenschaften. Ihr Dienst wird trotzdem mit akademischen Titeln und Positionen belohnt. Sie dürfen ihr Land im Rahmen der wissenschaftlichen Gemeinde nach außen hin vertreten. Als besonders vertrauenswürdige Personen müssen sie nicht an lokalen Parteiversammlungen teilnehmen, sie müssen nicht einmal der Partei beitreten. Falls nötig gehen diese Leute deshalb als freie Wissenschafter durch, die keiner Partei angehören. Solch wissenschaftliche und kulturelle „Aufpasser“ werden trotz alldem von der Gesellschaft normaler Menschen erkannt, die die Kunst der Unterscheidung ziemlich schnell lernt. Solche Menschen unterscheiden sich nicht in allen Fällen von Agenten der Staatspolizei. Obgleich sie sich in einer besseren Klasse wähnen als die Staatspolizei, müssen sie nichtsdestotrotz mit ihr kooperieren.

Wir treffen solche Personen häufig in Ländern normaler Menschen, wo ihnen Rahmenbedingungen und Institute mit der Überzeugung Unterstützung gewähren, dass sie dabei der Entwicklung des „korrekten Wissens“ in kommunistischen Ländern Vorschub leisten. Diele Wohltäter realisieren nicht, dass sie der Wissenschaft und den echten Wissenschaftern einen schlechten Dienst erweisen, wenn sie diesen Aufpassern erlauben, eine gewisse semi-authentische Kompetenz zu erlangen. Sie gestatten ihnen eine Vertrautheit mit allem, was sie später als gefährlich erachten werden.

Schlussendlich werden diese Leute später in der Position sein, jemandem die Doktorwürde zu verleihen, ihm eine wissenschaftliche Karriere oder einen akademischen Arbeitsplatz zu verschaffen oder ihn einfach zu befördern. Da sie selbst sehr mittelmäßige Wissenschafter sind, versuchen sie talentiertere Personen auszuschalten - aus Eigeninteresse und aufgrund der typischen Eifersucht, die das Verhalten eines Pathokraten gegenüber normalen Menschen charakterisiert. Das sind diejenigen Menschen, die wissenschaftliche Arbeiten nach der „korrekten Ideologie“ überwachen und versuchen sicherzustellen, dass einem ausgezeichneten Experten seine benötigte wissenschaftliche Literatur verweigert wird.3

Besonders in der Psychologie sind Kontrollen außergewöhnlich heimtückisch und trügerisch. Dies aus Gründen, die wir bereits verstehen. Themen, die nicht angedacht werden dürfen, werden in geschriebenen und ungeschriebenen Listen zusammengestellt. Es werden entsprechende Weisungen ausgegeben, um weitere Themenbereiche wirkungsvoll zu stören. Diese Listen sind im Bereich der Psychologie so umfangreich, dass von der Wissenschaft nichts weiter verbleibt als das Skelett, von allem entblößt was subtil oder entlarvend sein könnte.

Der Studienplan eines Psychologen enthält weder das Basiswissen aus allgemeiner, Entwicklungs- und klinischer Psychologie, noch vermittelt er grundlegende Fähigkeiten zur Psychotherapie. Aufgrund dieses Zustandes werden die unbedeutendsten oder auch privilegiertesten Ärzte nach einem einwöchigen Kurs zu Psychiatern. Das ebnet für Personen, die durch ihr Wesen geneigt sind, der pathokratischen Autorität zu dienen, den Weg zu einer Karriere als Psychiater. Natürlich hat dies verhängnisvolle Auswirkungen auf die Behandlungsmethoden. Es lässt in der Folge die Psychiatrie zu Zwecken missbrauchen, zu welchen sie niemals angewandt werden sollte.4

Da sie keine ausreichende Bildung besitzen, sind diese Psychologen angesichts der vielen menschlichen Probleme hilflos, besonders in jenen Fällen, wo genaues Wissen vonnöten ist. Dieses Wissen muss auf eigene Faust erreicht werden, ein Kunststück, das nicht jeder zustande bringt.

Solch eine Haltung hat zur Folge, dass in Lebensbereichen, die absolut nichts mit Politik zu tun haben, großer Schaden und menschliche Ungerechtigkeit entsteht. Leider ist eine solche Haltung jedoch vom Standpunkt des Pathokraten aus eine Notwendigkeit, um zu verhindern, dass diese gefährlichen Wissenschaften die Existenz eines Systems, das sie als die Beste aller möglichen Welten betrachten, gefährden.

Experten der Psychologie und der → Psychopathologie befänden eine Analyse dieses Systems aus Verboten und Richtlinien als höchst interessant. Dies macht es möglich zu verstehen, dass dies einer der Wege sein kann, auf dem wir zum Kern der Sache vorstoßen können, zum Wesen dieses makrosozialen Phänomens. In Verboten liegt Tiefenpsychologie, die Analyse des menschlichen instinktiven Substrats, gemeinsam mit der Analyse von Träumen.

Wie schon in Kapitel 2 erwähnt, als einige unverzichtbare Konzepte vorgestellt wurden, ist das Verständnis des menschlichen Instinkts ein Schlüssel zum Verständnis des Menschen an sich. Das Wissen um die Anomalien des menschlichen Instinktes stellt indes auch einen Schlüssel zum Verständnis von Pathokratien dar.

Obwohl Traumanalyse in der psychologischen Praxis immer seltener angewandt wird, so ist sie doch die beste Schule für psychologische Überlegungen. Dies macht die Traumanalyse von Natur aus gefährlich. Infolgedessen ist sogar die Forschung über die Psychologie der Partnerwahl im besten Fall verpönt.

Die Essenz der Psychopathie kann natürlich nicht erforscht oder erklärt werden. Über diesem Thema liegt tiefschwarze Dunkelheit, was mittels einer vorsätzlich erdachten Definition der → Psychopathie erreicht wird. Dies gilt gleichfalls für die verschiedenen Arten von Charakterstörungen, die durch völlig unterschiedliche, jedoch bekannte Gründe verursacht werden.5 Nicht nur jeder Dozent der Psychologie muss sich diese Definition einprägen, auch jeder Psychiater, jeder Psychologe und auch so mancher politischer Funktionär, der in diesem Bereich keine Bildung besitzt, muss dies tun.

Diese Definition muss bei allen öffentlichen Auftritten verwendet werden, wann immer es sich nicht vermeiden lässt darüber zu sprechen. Es ist jedoch für einen Dozenten immer von Vorteil jemanden darzustellen, der immer das glaubt, was für ihn in seiner Situation am angenehmsten ist und dessen Intelligenz ihn nicht in allzu subtile psychologische Unterscheidungen treibt.

Es ist auch lohnend aufzuzeigen, dass die Hauptdoktrin besagten Systems heißt: „Existenz definiert Bewusstsein“. Als solches ist die Existenz eher der Psychologie zuzurechnen und nicht irgendeiner politischen Meinung. Diese Doktrin widerspricht im Grunde einem großen Teil der empirischen Fakten und deutet an, dass bei der Entwicklung von Persönlichkeit und Schicksal des Menschen vererbte Faktoren eine Rolle spielen. Vortragende mögen sich dabei auf Forschungsergebnisse bei eineiigen Zwillingen berufen, doch dann nur kurz, vorsichtig und formal. Nähere Betrachtungen des Themas werden jedoch nicht gedruckt veröffentlicht.

Und wieder kommen wir zum besonderen psychologischen „Genie“ dieses Systems und seiner Selbsterkenntnis zurück. Es ist fast bewundernswert, wie effektiv die angesprochenen Definitionen von → Psychopathie das Verständnis über die Phänomen blockieren, die darin verborgen liegen. Wir können die Beziehungen zwischen den Verboten und der Essenz des makrosozialen Phänomens untersuchen, die sich tatsächlich spiegeln. Wir können auch die Einschränkungen in den Fähigkeiten beobachten, und die Irrtümer die diejenigen begehen, die diese Strategie exekutieren. Talentiertere Spezialisten oder ältere Leute, die sich nicht mehr um ihre Karriere oder sogar ihre Leben sorgen müssen, können aus diesen Ausführungsmängeln geschickt Vorteile ziehen, um etwas richtiges Wissen in das System hineinzuschmuggeln.

Deshalb wird der „ideologische“ Krieg in Gebieten geführt, die von Wissenschaftern in Ländern mit normalen menschlichen Strukturen in keinster Weise wahrgenommen werden. Sie können nur versuchen, sich diese andere Realität vorzustellen. Dies gilt für alle Leute, die den „Kommunismus“ denunzieren, wie auch für all jene, die diese Ideologie zu ihrem Glauben gemacht haben.

Kurz nachdem ich in die USA kam, reichte mir auf irgendeiner Straße in Queens/NY ein junger schwarzer Mann eine Zeitung. Ich zückte meine Geldbörse um sie zu bezahlen, doch er winkte ab. Die Zeitung war gratis.

Auf der Titelseite war ein Bild des jungen, gut aussehenden Breschnjew abgebildet. Sein Gewand schmückten alle Orden und Ehrenzeichen, die er in Wirklichkeit erst viel später erhalten hatte. Auf der letzten Seite fand ich jedoch eine gut recherchierte Zusammenfassung von Forschungen über eineiige Zwillinge an der University of Massachusetts, die getrennt aufwuchsen. Diese Untersuchungen ergaben empirische Hinweise auf die Wichtigkeit der Vererbung. Die Beschreibung enthielt eine literarische Illustration der Ähnlichkeiten der Schicksale von Zwillingen. Wie sehr mussten die Herausgeber dieser Zeitung „ideologisch desorientiert“ gewesen sein, dass sie etwas veröffentlichten, was niemals in einem Land erscheinen hätte können, das man als kommunistisches System erkennen könnte.6

In dieser anderen Realität durchkreuzen die Frontlinien des Kampfes jede psychologische und psychiatrische Studie, jede psychiatrische Anstalt, jedes Spital für psychisch Kranke und die Persönlichkeit eines jeden Menschen, der in diesem Gebiet arbeitet. Hier geschieht folgendes: versteckte Duelle - zuschlagen und abwehren -, ein Hineinschmuggeln echter wissenschaftlicher Informationen und Erkenntnisse und Drangsalierungen.

Einige Menschen entgleisen unter solchen Umständen moralisch, wohingegen andere eine solide Basis für ihre Überzeugungen bilden und bereit sind, Schwierigkeiten und Risiken auf sich zu nehmen, um ehrliches Wissen zu erlangen, damit sie den Kranken und Bedürftigen helfen können. Die eigentliche Motivation dieser zweiten Gruppen von Menschen ist aus diesem Grund nicht politisch, da sie sich aus ihrem guten Willen und echten Anstand ableitet. Ihr Bewusstsein über die politischen Ursachen der Einschränkungen und der politischen Bedeutung dieses Kampfes entsteht erst später in Verbindung mit Erfahrung und Reife. Ganz besonders müssen Erfahrung und Fähigkeiten genutzt werden, um verfolgten Menschen helfen zu können.

Gleichzeitig müssen auch die nötigen wissenschaftlichen Fakten und Schriften irgendwie besorgt werden. Dabei muss mit Schwierigkeiten und fehlendem Verständnis anderer Menschen gerechnet werden. Studenten und angehende Wissenschafter, die sich noch nicht darüber bewusst sind, welche Informationen aus dem Lehrplan entfernt worden sind, versuchen Zugriff zu den wissenschaftlichen Daten zu erreichen, die ihnen verheimlicht wurden. Die Wissenschaft wird besorgniserregend degradiert, wenn diese Erkenntnis fehlt.


Wir müssen das Wesen des makrosozialen Phänomens verstehen, und auch diese grundlegende Verbindung und Gegensätzlichkeit zwischen dem pathologischen System und jenen Bereichen der Wissenschaft, die sich mit psychologischen und psychopathologischen Phänomenen befassen. Anders können wir niemals die Gründe für solch ein lang anhaltendes Verhalten von Regierungen verstehen.

Die Aktionen und Reaktionen eines normalen Menschen, seine Ideen und moralische Werte, werden von abnormalen Menschen allzu häufig als abnormal angesehen. Denn wenn ein Mensch mit psychologischen Abweichungen sich selbst als normal ansieht, was natürlich viel leichter ist wenn er Autorität besitzt, dann wird er einen normalen Menschen als andersartig betrachten und deshalb als abnormal, ob in Realität oder als Resultat konversiven Denkens. Das erklärt, warum Regierungen solcher Leute immer die Tendenz aufweisen, jeden Dissidenten als „geistig abnorm“ zu behandeln.

Einen normalen Menschen in eine psychische Krankheit zu treiben und ihn dann psychiatrischen Behandlungsmethoden auszusetzen ist eine in vielen Ländern angewandte Vorgehensweise. Die aktuelle Gesetzgebung in Ländern normaler Menschen beruht nicht auf einem angemessenen Verständnis der Psychologie eines solchen Verhaltens und ist deshalb keine ausreichende Schutzmassnahme dagegen.

Die Motivationen für ein solches Verhalten wurden innerhalb der Kategorien der normalen psychologischen Weltsicht verschiedenartig verstanden und beschrieben: Persönliche und familiäre Beweggründe, Eigentum, vorsätzliches in Verruf bringen von Zeugen und auch politische Motivationen. Oft werden diffamierende Handlungen von Personen angewandt, die selbst nicht völlig normal sind und deren Verhalten jemandem bereits einen Nervenzusammenbruch oder gewalttätigen Protest beschert hat. Bei Hysterikern ist ein solches Verhalten meist eine Projektion der eigenen selbstkritischen Assoziationen auf andere Menschen. Ein → Psychopath betrachtet einen normalen Menschen als naiv, als Besserwisser, der an nur schwer verstehbare Theorien glaubt; ihn als „verrückt“ zu bezeichnen, ist nicht sehr weit hergeholt.

Wenn wir deshalb eine ausreichende Anzahl von Beispielen dieser Art sammeln oder genügend Erfahrung haben, wird eine weitere essentielle Motivation für eine solches Verhalten ersichtlich. Es ist die Norm, dass die Idee, die jemanden in eine Geisteskrankheit fallen lässt, von Gemütern stammt, die selbst verschiedene Verirrungen und psychische Defekte aufweisen. Nur selten ist die Komponente der pathologischen Faktoren an der Ponerogenese solchen Verhaltens außerhalb der Agenten der Pathokratie beteiligt. Eine gut durchdachte und sorgfältig formulierte Gesetzgebung sollte deshalb auch beachten, ob Andeutungen von Personen, dass jemand psychisch abnorm ist, auf einer zu beharrenden oder zweifelhaften Grundlage beruhen.

Andererseits sollte auch jedes System, in dem der Missbrauch der Psychiatrie für vorgeblich politische Zwecke zu einem verbreiteten Phänomen geworden ist, im Lichte ähnlicher psychologischer Kriterien betrachtet und dessen Auswirkungen auf die makrosoziale Ebene hochgerechnet werden. Jeder Mensch, der im Inneren gegen ein Regierungssystem rebelliert, das ihm immer fremd und schwer verständlich erscheint und der nicht fähig ist, sich gut genug zu verstecken, kann deshalb mit Leichtigkeit von besagtem Regierungssystem als „geistig abnorm“ abgestempelt werden, als jemand, der eine psychiatrische Behandlung benötigt. Ein wissenschaftlich und moralisch degenerierter Psychiater wird für diesen Zweck ein leichtes Werkzeug. Auf diese Weise wird eine Methode des Terrors und der Tortur geboren, wie sie nicht einmal die Geheimpolizei von Zar Alexander II kannte.

Der Missbrauch der Psychiatrie zu Zwecken, die uns bereits bekannt sind entstammt deshalb aus dem Wesen der Pathokratie als makrosoziales Phänomen. Schließlich muss genau dieser Wissensbereich samt seinen Behandlungsmethoden herabgesetzt werden, um zu verhindern, dass das System selbst durch dramatische Diagnosen gefährdet wird. Daraufhin muss er als nützliches Werkzeug in der Hand der Behörden umfunktioniert werden. In jedem Land trifft man jedoch auf Menschen, die dies bemerken und klug dagegen arbeiten.

Wann immer die medizinischen und psychologischen Wissenschaften Fortschritte machen, fühlt sich die Pathokratie immer stärker bedroht. Im Grunde können ihr diese Wissenschaften die Waffe der psychologischen Eroberung unmittelbar aus der Hand nehmen. Sie können sogar genau ihren Kern treffen - ihr Wesen -, und das noch dazu aus dem Inneren der Pathokratie.

Eine präzise Wahrnehmung dieser Angelegenheiten gebietet der Pathokratie deshalb eine „ideelle Aufmerksamkeit“ in diesen Themen. Das erklärt auch warum jeder, der in diesen Bereichen zu sachkundig ist und zu weit entfernt von unmittelbaren Zugriff der Behörden steht, mit allem erdenklich Angedichtetem beschuldigt wird, einschließlich psychischer Abnormität.

weiter zu Kapitel 8…

FUßNOTEN
  1. Im Jahre 1950 ermittelte die russische Akademie der Wissenschaften jeden Bürger, der der Theorie des Moskauer Professors Andrej Snezhnevsky entsprechen könnte. Die Theorie besagte, dass „jeder Mensch unter „langsam fortschreitender (schleichender) Schizophrenie“ leiden kann. Man kann darunter leiden, ohne es zu wissen, doch wenn einmal Snezhnevsky oder einer seiner Anhänger versicherte, dass man darunter litt, wurde man sofort eingesperrt und mit Beruhigungsmitteln ruhig gestellt, ansonsten würde sich die Krankheit weiter „verschlimmern“. …Dissidenten wurden einfach in einer psychiatrischen Anstalt eingesperrt und für krank erklärt.“

    Bis zum Jahre 1987 leugnete Snezhnevsky, dass seine Theorie vom sowjetischen Regime missbrauch wurde. Doch seine früheren Assistenten geben mittlerweile zu, dass sie nur „allzu gut wussten“, was vor sich ging. Das einzige Problem dabei ist, dass die Assistenten immer noch nur hinter vorgehaltener Hand darüber sprechen. Sie arbeiten an Moskauer Instituten, wo die wissenschaftlichen Nachfolger Snezhnevskys nach wie vor im Amt sind. Diese Gruppe umfasst etwa 30 bis 40 Psychiater. Sie kontrollierten damals alle wichtigen wissenschaftlichen Forschungsinstitute in Moskau. Praktisch betreiben sie dies heute immer noch. Die Konsequenz der Idee Snezhnevskys ist, neben der Tatsache, dass diese Personen als Mittel zu Unterdrückung benutzt wurden, dass die Psychiatrie der ehemaligen Sowjetunion einen Rückstand von zirka 50 Jahren aufweist. Westliche Literatur war in der Sowjetunion verboten. Psychiater, die sich gegen den politischen Missbrauch ihrer Wissenschaft wehrten, endeten hinter Gittern oder wurden selbst für „schleichend schizophren“ erklärt. („A Mess in Psychiatry“, Robert van Voren, op.cit.) (Anmerkung des Herausgebers)

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  2. Auch deshalb nahm man Łobaczewski die Daten, die er über so viele Jahre gesammelt hatte, Sie könnten die Information in diesem Buch untermauern. (Anmerkung des Herausgebers)

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  3. Basierend auf vielen Berichten innerhalb der letzten 5 Jahre hat es den Anschein, dass die USA dabei sind, ein ähnliches System einzurichten. Wenn die Fakten sorgfältig analysiert werden ist erkennbar, dass solch ein System tatsächlich schon seit einiger Zeit besteht. (Anmerkung des Herausgebers)

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  4. In der Ukraine werden Gehirnoperationen an Schizophrenen durchgeführt. „Die Ukraine hat nicht genügend Geld, also kein Geld um Medikamente zu besorgen. In der Folge bemühen sie sich um alternative Behandlungsmethoden. Dann gibt es Psychiater in Djepropetrowsk, die sich denken: „Angenommen wir entfernen ein Stückchen von Gehirn, dann könnten wir die Schizophrenie billig loswerden.“ Van Voren formuliert was sie denken könnten. „Vielleicht bekommen wir den Nobelpreis! Man kann nie wissen!“ „Andererseits“, fährt er fort, „wissen sie ganz genau, dass diese Art von Operationen nicht wirklich akzeptiert ist. Diese schizophrenen Patienten werden dann vorgeblich zu Epileptikern, da in extremen Fällen von Epilepsie solche Operationen durchgeführt werden können. Unter diesem Vorwand schneiden sie Stücke aus dem Gehirn heraus.“ Das Institut für Neurochirurgie in Kiew geht sogar noch weiter. Dort wird Gehirngewebe von abgetriebenen Embryos ins Gehirn von geistig behinderten Menschen implantiert. „Sie behaupten, dass auf diese Weise geistige Behinderungen geheilt werden können. Natürlich ist das nicht der Fall. Oft verschlimmert sich deren Situation sogar, aber sie verlangen tausende Dollars dafür.“

    „In der ukrainischen Psychiatrie wird Insulin als Beruhigungsmittel eingesetzt, d.h. es wird in hoher Dosierung verwendet, sodass der Patient in ein Koma fällt. Das ist eine „leb oder stirb“ Methode. Die Dosierung ist so hoch, dass die Diabetiker sterben, weil nicht genügend Insulin vorhanden ist. Das ist Nonsens, absoluter Nonsens.“ Er fährt fort: “…Elektroschocks in großem Massstab. In der zentralen psychiatrischen Einrichtung in Kiew werden zwölf Elektroschocks in einem Durchgang verabreichet, ohne Anästhesie oder Muskelentspannungsmittel. Sind die Patienten einmal für gesund erklärt, können ihnen am Tag der Entlassung nochmals ein Duzend Schocks verabreicht werden: „wie eine Abfindungszahlung“. Und all das geschieht jetzt“ schließt van Voren, „es geschieht heute, in dem Moment.“

    „Man kann in russischen Zeitungen frei über den politischen Missbrauch der Psychiatrie berichten. Doch offiziell wurde die Doktrin Snezhnevskys niemals widerrufen. Die meisten Moskauer Psychiater glauben immer noch daran. „Als Folge daraus ist keine strukturelle Veränderung in Moskau möglich. Sogar heute noch wird Personen, die in einem solchen Institut arbeiten und die öffentlich über über den Missbrauch der Psychiatrie sprechen wollen empfohlen, besser den Mund zu halten oder sich einen anderen Job zu suchen. So wird die alte Machtstruktur beibehalten.“

    „Unter dem Vorwand der „schleichenden Schizophrenie“ werden auch heute noch Dissidenten der früheren Sowjetunion eingesperrt, doch hauptsächlich in den Provinzen und es ist nicht mehr ganz so leicht“, meint an Voren. „Leute die den lokalen Behörden gegen den Strich gegen, können ebenfalls dort landen, doch heutzutage gibt es Menschenrechtsorganisationen und Medien, die sie wieder freibekommen können. In Turkmenistan geschieht dies heute noch offiziell. „Das ist ein Museum der alten stalinistischen Sowjetunion, dort wurde diese Theorie wieder belebt.“ („A Mess in Psychiatry“, Robert van Voren, op.cit.) (Anmerkung des Herausgebers)

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  5. Dies gilt auch für die USA, wie von Robert Hare in mehreren Artikeln bemerkt. (Anmerkung des Herausgebers)

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  6. Die Freiheit, die Łobaczewski in den 80er Jahren in den USA bemerkte, wird rasch durch pathokratische Kontrolle ersetzt.

    Es wird nicht mehr lange dauern, bis solche Artikel auch in U.S Zeitungen zensuriert werden, außer natürlich sie bestätigen die Überlegenheit der → Psychopathie. (Anmerkung des Herausgebers)

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