POLITISCHE PONEROLOGIE

Kapitel 6

Normale Menschen unter pathokratischer Herrschaft

Hinweis: Es handelt sich um eine Rohübersetzung. Die Überarbeitung ist „Work in progress!“

Wie schon gesagt, die essentielle Psychopathie inspiriert in einer ausgereiften Pathokratie das gesamte Phänomen. Wir können zum Verständnis eine Analogie mit der Wahrnehmung bei Daltonismus - Rot-Grün Farbenblindheit - herleiten. Wir wollen uns nun vorstellen, als intellektuelle Übung, dass Farbenblinde es geschafft haben, in einem Land an die Macht zu kommen und den Bürgern untersagt haben, diese Farben zu unterscheiden. Sie haben somit auch den Unterschied zwischen grünen (unreifen) und roten Tomaten eliminiert. Es gäbe spezielle Gemüseaufpasser, die - bewaffnet mit Pistolen und Schlagstöcken - durch die Strassen patrouillierten, um sicherzustellen, dass die Bürger nicht nur reife Tomaten kauften, was eine Unterscheidung zwischen Grün und Rot anzeigen würde. Die Aufpasser wären natürlich nicht völlig Farbenblind (sonst könnten sie diese extrem wichtige Funktion nicht ausüben). Sie hätten höchstens eine eingeschränkte Sehfähigkeit in der Erkennung der Farben. Allerdings gehörten sie zu jener Gruppe von Personen, die jede Diskussion über Farben nervös machte.

Da diese Aufpasser immer präsent wären, wären die Bürger sogar bereit, eine grüne Tomate zu essen und dabei überzeugend zu versichern, dass sie reif wäre. Doch wenn die Aufpasser den Ort verliessen um ihre Arbeit in einem anderen Garten weiter zu verrichten, käme es zu einem Schwall von Äusserungen, deren Inhalte wiederzugeben sich in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht geziemt. Die Bürger würden sodann die feinen, sonnengereiften Tomaten pflückten und einen herrlichen Salat mit Dressing bereiten, vielleicht mit ein paar Tropfen Rum, für den Geschmack.

Ich stelle die Behauptung auf, dass alle normalen Menschen, deren Schicksal es ist, unfreiwillig unter pathokratischer Herrschaft leben zu müssen, die Zubereitung eines Salates nach obigem Rezept zu einer symbolischen Handlung erheben. Jeder Gast, der dieses Symbol an seiner Farbe und seinem Aroma erkennt, wird sich jeglichen Kommentars entziehen. Solche Symbole können die Wiederherstellung eines Systems normaler Menschen beschleunigen.

Die pathologische Obrigkeit ist davon überzeugt, dass eine entsprechende pädagogische und indoktrinierende Propaganda und terroristische Mittel einem Menschen mit normalem instinktiven Substrat, einer Bandbreite an Gefühlen und einer gewissen Grundintelligenz beibringen können, nach ihrer eigenen, abweichenden Art zu denken und zu fühlen. Diese Überzeugung ist - psychologisch gesprochen - noch ein wenig unrealistischer als der Glaube, dass Menschen, die alle Farben sehen können, sich von dieser Angewohnheit lösen können.

In Wirklichkeit können sich normale Menschen nicht von den Grundeigenschaften der Spezies Homo Sapiens lösen, die durch ihre phylogenetische Vergangenheit entstanden ist. Die Menschen werden niemals aufhören zu fühlen und psychologische und sozio-moralische Phänomene auf annähernd dieselbe Weise wie ihre Vorfahren - seit hunderten von Generationen - wahrzunehmen. Jeder Versuch, eine Gesellschaft wie beschrieben zu unterwerfen und diese unterschiedliche Erfahrung über aufgezwungenen pathologischen Egotismus zu „lernen“, ist grundsätzlich zum Scheitern verurteilt, egal wie viele Generationen er andauert. Solch eine Vorgehensweise ruft jedoch eine Reihe von falschen psychologischen Resultaten hervor, die Pathokraten einen Anschein von Erfolg bieten. Sie bringt eine Gesellschaft auch dazu, punktgenaue und gut durchdachte Selbstverteidigungsmaßnahmen zu entwickeln, beruhend auf ihren kognitiven und kreativen Bemühungen.

Die pathokratische Führung glaubt, dass sie einen Zustand erreichen kann, in dem der Verstand der „anderen“ Menschen - über Maßnahmen - von den Auswirkungen auf ihre Persönlichkeiten abhängig wird. Es sind perfide pädagogische Mittel die angewandt werden, Massendesinformation und psychologischer Terror. Dieser Glaube hat für Pathokraten eine grundlegende Bedeutung. In ihrer Konzeptwelt betrachten sie es als geradezu selbstverständlich, dass die „Anderen“ ihr naheliegendes, realistisches und einfaches Verständnis der Welt akzeptieren. Aus irgendeinem mysteriösen Grund winden sich die „Anderen“ jedoch heraus, driften ab und erzählen sich Witze über Pathokraten. Irgendwer muss dafür verantwortlich sein: vorrevolutionäre Senioren oder irgendwelche weit entfernte Radiosender. Somit wird es notwendig, die Wirkung der angewandten Methoden zu verbessern und bessere „Seelenverkäufer“ mit einem gewissen literarischen Talent zu finden, um die Gesellschaft vor falscher Literatur und jeglichem fremden Einfluss zu isolieren. Menschen mit Erfahrung und Intuition, die unter der Hand verbreiten, dass dies eine Sisyphusarbeit sei, müssen aus dem Umfeld des Pathokraten entfernt werden.

So wird der Konflikt für beide Seiten dramatisch. Der normale Mensch fühlt sich in seiner Menschlichkeit insultiert, wird als stumpfsinnig dargestellt und dazu gezwungen auf eine Weise zu denken, die dem gesunden Menschenverstand widerspricht. Der Pathokrat verdrängt seine Ahnung, dass die Dinge, falls sein Ziel nicht erreicht wird, früher oder später wieder in die Herrschaft normaler Menschen übergehen werden, einschließlich ihres nachtragenden Fehlens des Verständnisses der pathokratischen Persönlichkeit. Wenn demnach sein Plan nicht funktioniert, ist es besser, nicht an die Zukunft zu denken, sondern einfach mittels der erwähnten Methoden den Status Quo abzusichern. Gegen Ende dieses Buches werden wir uns mit der Lösung dieses gordischen Knotens befassen.

Ein solches pädagogisches System, voll von pathologischer Egotisierung und Einschränkung, erzeugt jedoch besonders bei jenen Generationen ernsthaft negative Auswirkungen, die keine anderen Lebensumstände kennen. Die Persönlichkeitsentwicklung ist besonders hinsichtlich der subtileren Werte, die in Gesellschaften breit akzeptiert sind, verarmt. Wir beobachten ein charakteristisches Fehlen von Respekt gegenüber dem eigenen Organismus, der Natur und dem Instinkt, was mit einer Verrohung der Gefühle und Sitten einhergeht, um damit die Rechtfertigung von Ungerechtigkeit wegzuerklären. Die Tendenz, bei der Interpretation des Verhaltens der Menschen, die für das eigene Leid verantwortlich sind, ein moralischen Urteil anzulegen, führt zeitweilig zu einer dämonologischen Weltsicht. Gleichzeitig wird die Anpassungsfähigkeit und der Einfallsreichtum im Rahmen solch unterschiedlicher Umstände wahrgenommen.

Ein Mensch, der lange Zeit zum Ziel der egotistischen Verhaltensweise eines pathologischen Individuums geworden ist, wird von ihrem charakteristischen psychologischen Material in solchem Ausmaß durchtränkt, sodass wir häufig sogar die unterschiedlichen psychologischen Anomalien unterscheiden können, die ihn beeinflusst haben. Die Persönlichkeiten von ehemaligen KZ-Häftlingen waren voll von allgemeinem psychopathischem Material - ausgehend von Lagerkommandanten und Peinigern. Diese Tatsache schuf ein verbreitetes Phänomen, das später zu einem Hauptmotiv für die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Hilfe wurde. Eine Bewusstwerdung dieser Tatsache erleichterte diesen Menschen das Loslassen ihrer Last und die Wiederherstellung ihres Kontaktes zur normalen Welt. Ganz besonders erleichterte die Darstellung der korrekten statistischen Daten über das Vorhandensein von Psychopathie in einer beliebigen Einwohnerschaft die Suche nach einem Verständnis ihrer jahrelangen Albträume und ihren Wiederaufbau des Vertrauens in die Menschheit.

Diese Art der Psychotherapie wäre für besonders bedürftige Menschen besonders hilfreich, sie stellte sich jedoch unglücklicherweise als für den Psychotherapeuten zu riskant heraus. Patienten projizieren die Informationen, die sie während einer solchen Therapie (besonders im Bereich der Psychopathie) lernen, allzu leicht auf die Realität, die sie unter der Herrschaft der sogenannten „Volksdemokratie“ umgeben hat, und umgekehrt. Unglücklicherweise liegen sie damit oft richtig. Ehemalige Lagerinsassen können ihre Zunge leider nicht im Zaum halten, was zu politischen Interventionen führt.

Als amerikanische Soldaten aus nordvietnamesischen Gefangenenlagern zurückkehrten, zeigten viele, dass sie Indoktrinationen und anderen Einflussmethoden pathologischen Materials ausgesetzt waren. Bei vielen war ein gewisses Maß an Persönlichkeitsveränderungen festzustellen. Man nannte dies in den USA „Programmierung“, wobei ausgezeichnete Psychotherapeuten eine entsprechende Therapie entwickeln konnten, um sie zu deprogrammieren. Doch die Soldaten brachten ihnen unter anderem Widerstand und kritische Anmerkung zu ihren Fähigkeiten entgegen. Als mir das zu Ohren kam, musste ich tief durchatmen und dachte mir: Meine Güte, was für eine interessante Arbeit für einen Psychotherapeuten, der in solchen Angelegenheiten gut bewandert ist.

Die pathokratische Welt, die Welt des pathologischen Egotismus, ist für Menschen, die ausserhalb dieses Phänomen aufwuchsen, so schwierig zu verstehen, dass sie in ihrer Herangehensweise eine oft kindliche Naivität erkennen lassen, selbst wenn sie Psychopathologie studiert haben und hauptberufliche Psychologen sind. Es gibt für das Verhalten, das Erkennen, die Zurechtweisung und die Psychotherapie von Psychopathen keine echten Daten als Bezug. Dies erklärt, warum die Bemühungen der Therapeuten langweilig und schmerzvoll sind und häufig ins Leere laufen. Ihr Egotismus transformiert ihren guten Willen in schlechte Ergebnisse.

Wenn jemand solch eine albtraumhafte Realität persönlich erfahren hat, betrachtet er Menschen, die das Phänomen nicht ausreichend verstanden haben, einfach als überheblich, manchmal auch als böswillig. Im Zuge seiner Erfahrungen und seines Kontakts mit diesem makrosozialen Phänomen hat er ein gewisses Maß an praktischem Wissen über das Phänomen und seine Psychologie gesammelt und gelernt, wie er seine eigenen Persönlichkeit schützen kann. Diese Erfahrung, die leichtfertig von „Leuten, die rein gar nichts verstehen“ zurückgewiesen wird, wird für ihn zu einer psychologischen Last, die ihn dazu drängt innerhalb eines enges Umfeldes zu leben, worin die Erfahrungen der Menschen ähnlich der seinen sind. So jemand sollte besser als Kenner wissenschaftlich wertvoller Daten angesehen werden; ein Verständnis würde zumindest für ihn eine teilweise Psychotherapie bedeuten und gleichzeitig ein Verständnis der Realität ermöglichen.

Ich möchte hier die Psychologen unter den Lesern daran erinnern, dass die Arten der Erfahrung und ihre destruktiven Auswirkungen auf die menschliche Persönlichkeit der wissenschaftlichen Praxis und Erfahrung nicht unbekannt sind. Wir treffen häufig auf Patienten, die eine entsprechende Hilfestellung brauchen: Personen, die unter dem Einfluss pathologischer und im Besonderen psychopathischer Persönlichkeiten erzogen wurden, die mit pathologischen Egotismus dazu gezwungen wurden, eine abnormale Denkweise zu akzeptieren. Selbst eine nur ungefähre Schätzung der verschiedenen Arten von pathologischen Faktoren, die auf einen solchen Menschen wirkten, erlaubt uns zielgenaue psychotherapeutische Maßnahmen. Wir treffen in der Praxis meist auf Fälle, worin solch eine pathologische Situation in der frühen Kindheit auf die Persönlichkeit eines Menschen wirkte. Wir müssen für unser Ergebnis lange Messeinheiten in Betracht ziehen, sehr genau arbeiten und unterschiedliche Techniken anwenden, damit wir dem Menschen helfen können, seine wahre Persönlichkeit zu entwickeln.

Kinder, die von pathokratischen Eltern erzogen werden, sind bis zum Schulalter „beschützt“. Danach kommen sie mit anständigen, normalen Menschen in Kontakt, die bemüht sind, ihre destruktiven Einflüsse so gering wie möglich zu halten. Die stärksten Auswirkungen sind während der Pubertät und der darauf folgenden Phase der intellektuellen Reifung zu beobachten, die durch den Einfluss anständiger Menschen beeinflusst werden kann. Dies hilft der Gesellschaft normaler Menschen tiefergehende Deformationen in der Persönlichkeitsentwicklung und weit verbreitete Neurosen zu vermeiden. Diese Zeit verbleibt ständig im Gedächtnis verankert und ist deshalb für Einsichten, Reflexionen und Desillusionierungen ein wichtiger Anhaltspunkt. Wenn bei solchen Menschen eine Psychotherapie durchgeführt würde, bestünde sie fast ausschließlich in der Anwendung des korrekten Wissens über die Essenz des Phänomens.

Deshalb werden sich die psychotherapeutische Prinzipien gleichen, unabhängig der sozialen Schicht, in der menschliche Individuen gewalttätig von pathologischen Menschen erzogen werden - ob dies von einzelnen Personen oder Gruppen, oder durch gesellschaftliches oder makrosoziales Verhalten geschieht. Sie sollten auf bekannten Daten und auf einem Verständnis der jeweiligen psychologischen Situation beruhen. Einem Patienten die pathologischen Faktoren, die auf ihn einwirkten, bewusst zu machen und mit ihm gemeinsam ein Verständnis über die Resultate dieser Wirkungsweisen zu erreichen, ist für eine Therapie ausschlaggebend. Wenn in einem individuellen Fall Anzeichen für entsprechende Erbanlagen festzustellen sind, wenden wir diese Therapie nicht an. Solche Einschränkungen stehen jedoch nicht im Widerspruch zum makrosozialen Phänomen, das das Wohlergehen ganzer Nationen bedroht.

Aus zeitlicher Perspektive

Wenn jemand mit normalem instinktivem Substrat und entsprechender Grundintelligenz bereits von rücksichtslosen autokratischen Herrschaftssystemen, die auf einer „fanatischen Ideologie“ beruhen, gehört oder gelesen hat, so hat er sich bereits eine Meinung über das Thema gebildet. Die direkte Konfrontation mit dem Phänomen wird in ihm jedoch unvermeidbar ein Gefühl der Hilflosigkeit hervorrufen. All seine bisherigen Vorstellungen werden sich als praktisch unbrauchbar herausstellen; sie geben ihm so gut wie keinen Einblick. Das lässt in ihm das quälende Gefühl entstehen, dass er und die Gesellschaft, in der er aufwuchs, sehr naiv gewesen sind.

Jeder, der diese bittere Leere mit dem Bewusstsein über die eigene Unwissenheit akzeptieren kann - was einen Philosophen mit Stolz füllen würde - kann in dieser abweichenden Welt einen Weg finden, auf dem er sich hindurch manövrieren kann. Die eigenen Weltsicht vor desintegrierender Desillusionierung zu beschützen und der Versuch, seine Ansichten mit den Beobachtungen aus dieser neuen, divergierenden Wirklichkeit zu kombinieren führt unweigerlich zu mentalem → Chaos. Solch eine Herangehensweise erzeugt unnötige Streitereien und führt bei manchem Menschen zu einer Ernüchterung gegenüber den neuen Machthabern; andere wiederum unterwerfen sich der pathologischen Realität. Einer der Unterschiede zwischen einem normalen, beständigen Menschen und jemandem, der einer Persönlichkeitsveränderung unterworfen war, ist der, dass ein normaler Mensch besser in dieser auseinanderbrechenden Wahrnehmungsleere überleben kann, wohingegen ein veränderter Mensch diese Leere mit pathologischem Propagandamaterial füllt, ohne dies lenken zu können.

Wenn der menschliche Geist mit dieser neuen Wirklichkeit konfrontiert ist, die sich so völlig von allen Erfahrungen unterscheidet, die ein in einer normalen Gesellschaft aufgewachsener Mensch macht, zeigt das menschliche Gehirn psychophysiologische Schocksymptome mit einer starken Hemmung des Kortex und einer Abstumpfung von Gefühlen, was daraufhin zeitweilig in unkontrollierten Ausbrüchen mündet. Der Verstand arbeitet dann langsamer und weniger genau, da seine assoziativen Mechanismen wirkungslos geworden sind. Besonders wenn ein Mensch in direktem Kontakt mit psychopathischen Repräsentanten der neuen Machthaber steht, die ihre besonderen Erfahrungen und ihre Persönlichkeiten dazu benutzen, den Verstand der „Anderen“ zu traumatisieren, unterliegt sein Verstand einer Art Kurzzeitkatatonie. Deren erniedrigende und arrogante Techniken und ihre brutalen Paramoralismen usw. töten seine Gedankenprozesse und Selbstverteidigungsfähigkeiten ab. Ihre abweichenden experimentellen Methoden verankern sich in seinem Verstand. Jede moralisierende Einschätzung des Verhaltens eines Menschen in einer solchen Situation ist in Gegenwart dieser Art von Phänomenen bestenfalls fehlerhaft.

Erst wenn diese unglaublich unangenehmen psychologischen Zustände vorüber sind, Dank Entspannung in angenehmer Gesellschaft, besteht die Möglichkeit, darüber zu reflektieren - was immer ein schwieriger und schmerzvoller Prozess ist - oder sich dessen bewusst zu werden, dass das Denken und der gesunde Menschenverstand von etwas genarrt wurde, das nicht in die normale menschliche Vorstellungswelt passt.

Der Mensch und die Gesellschaft stehen am Beginn einer langen Reise voll von unbekannten Erfahrungen, die nach vielen Versuchen und Irrtümern schließlich zu einem gewissen hermetischen Wissen über die Qualitäten des Phänomens und die besten psychologischen Widerstandsmöglichkeiten dagegen führt. Besonders kann uns dies während der verheimlichenden Phase hilfreich sein. Es ermöglicht uns, uns in dieser unterschiedlichen Welt besser anpassen zu können und schafft somit erträglichere Lebensumstände. Wir sind dann in der Lage, psychologische Phänomene beobachten zu können und uns Wissen, Immunisierung und Anpassung anzueignen, was in Systemen, die unter der Herrschaft normaler Menschen verbleiben, nicht verstanden werden kann. Ein normaler Mensch kann sich jedoch niemals völlig an ein pathologisches System anpassen. Über die letztendlichen Resultate eines solchen Systems eine pessimistische Ansicht zu entwickelt, ist deshalb nicht besonders schwierig.

Erfahrungen solcher Art werden in abendlichen Gesprächsrunden unter Freunden diskutiert. Dadurch wird im Verständnis dieser Leute eine Steigerung der Wahrnehmung geschaffen, die zunächst noch zusammenhangslos ist und sachliche Defizite aufweist. Das Vorhandensein moralischer Sichtweisen in solch einem Verständnis dieses makrosozialen Phänomens und die Art und Weise, wie sich einzelne Personen dadurch verhalten, ist innerhalb einer solchen neuen Weltsicht proportional größer, als es die angesprochene wissenschaftliche Erkenntnis annehmen lässt. Die von der Pathokratie offiziell verkündete Ideologie behält solange ihre immer geringer werdenden suggestiven Eigenschaften bei, bis die menschliche Vernunft es schafft, sie als etwas Untergeordnetes anzusehen, das nicht den Kern des Phänomens ausmacht.

Moralische und religiöse Werte und auch das jahrhundertealte kulturelle Erbe eines Landes statten die meisten Gesellschaften mit der nötigen Unterstützung aus, die sowohl individuell als auch kollektiv bei der langwierigen Suche nach einem Ausweg aus diesem Dschungel aus eigenartigen Phänomenen benötigt wird. Solch apperzeptive Fähigkeiten bei Menschen, die im Rahmen der natürlichen Weltsicht leben, enthalten einen Mangel, der den Kern des Phänomens für viele Jahre verbirgt. Unter solchen Umständen sind sowohl Instinkt und Gefühle, als auch die daraus entstehende Grundintelligenz, bei der Stimulans des Menschen hilfreich, Entscheidungen zu treffen, die zum größten Teil unterbewusst sind.

Besonders in Zuständen, die durch eine aufgezwungene Pathokratie herrühren, wobei die erwähnten psychologischen Mängel bei der Teilnahme an einem solchen System eine entscheidende Rolle spielen, ist unser natürliches, menschliches instinktives Substrat bei der Mitwirkung an Gegenmaßnahmen sehr dienlich.

Auf ähnliche Weise sind die umgebungsbedingten, wirtschaftlichen und ideologischen Motivationen, die die Bildung einer individuellen Persönlichkeit beeinflussen - inklusive der politischen Einstellung, die früher angenommen wird - modifizierende Faktoren, obwohl diese nicht so nachhaltig sind. Die Wirkungsweisen dieser Faktoren, obgleich sie relativ eindeutig auf individueller Ebene wirken, verschwinden bei einer statistischen Betrachtung und sie nehmen im Verlauf einer pathokratischen Herrschaft mit den Jahren ab. Die Entscheidungen, die zugunsten der Gesellschaft normaler Menschen getroffen werden, sind wieder einmal durch Faktoren bestimmt, die normalerweise biologisch vererbt werden und deshalb nicht das Produkt der Wahlmöglichkeit eines Menschen sind. Sie sind in erster Linie unterbewusste Prozesse.

Die allgemeine Intelligenz eines Menschen, besonders sein intellektueller Stand, spielt bei diesem Auswahlprozess der Handlungsweisen eine relativ geringe Rolle. Dies wird durch statistisch signifikante, jedoch sehr gering Daten belegt (-0,16). Je größer die allgemeinen Talente eines Menschen sind, desto schwieriger ist es im Allgemeinen für ihn, sich mit dieser anderen Realität abzugleichen und in ihr einen Modus Vivendi zu finden.

Gleichzeitig gibt es begabte und talentierte Leute, die der Pathokratie anhängen, während herbe Verunglimpfungen des Systems von einfachen, ungebildeten Menschen losgelassen werden. Nur diejenigen Menschen, die den höchsten Intelligenzgrad aufweisen, der, wie schon gesagt, nicht gleichzeitig mit Psychopathien vorkommt, sind unfähig, innerhalb eines solchen Systems einen Lebenssinn zu finden.1 Manchmal sind sie in der Lage, aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Mentalität Vorteile zu ziehen, indem sie aussergewöhnliche Wege finden, worin sie für andere Menschen nützlich sein können. Eine solche Verschwendung der besten Talente hängt wie das Damoklesschwert einer letztendlichen Katastrophe über jedem betroffenen sozialen System.

Da sich diese Faktoren, die den Gesetzen der Genetik unterworfen sind, als besonders entscheidend herausgestellt haben, teilt sich die Gesellschaft nach Kriterien, die zuvor völlig unbekannt waren. Einerseits in die Anhänger der neuen Regierung - in die neue Mittelklasse, wie bereits ausgeführt - und andererseits in die Mehrheit der Opposition. Da die Eigenschaften, die diese neue Teilung verursachen, in jeder sozialen Gruppierung oder Stufe in mehr oder weniger gleichen Anteilen auftreten, schneidet diese neue Teilung direkt durch die traditionellen Schichten der Gesellschaft. Wenn wir die frühere Gliederung, die vom Faktor Talent beeinflusst war, als horizontal definieren, dann müssen wir die neue Teilung als vertikal bezeichnen. Die hilfreichste Faktor bei einer vertikalen Teilung ist eine gute Grundintelligenz, die - wie wir bereits wissen - in allen sozialen Schichten weit verbreitet ist.

Sogar jene Menschen, die schon im alten System zum Ziel sozialer Ungerechtigkeit geworden sind und sich dann dem neuen System zugewandt haben, dass sie angeblich beschützte, beginnen das neue System langsam zu kritisieren. Auch wenn sie dazu gedrängt waren, der pathokratischen Partei beizutreten, wurden die alten, die Vorkriegskommunisten im Heimatland des Autors schrittweise zu Kritikern, die ihrer Unzufriedenheit mit besonders starkem Nachdruck Luft machten. Sie waren die ersten, die dem herrschenden System kommunistische Absichten absprachen und die überzeugend die wirklichen Unterschiede zwischen der Ideologie und der Realität festmachten. Sie versuchten mit Briefen ihre Genossen in den nach wie vor unabhängigen Ländern davon zu informieren. Besorgt über diesen „Verrat“ leiteten die Genossen diese Briefe an die jeweiligen Landesparteien weiter, die diese wiederum an die Geheimpolizei des pathokratischen Landes zurücksandten. Die Urheber solcher Briefe bezahlten mit ihrem Leben oder mit jahrelanger Gefangenschaft. Letzten Endes wurde keine andere soziale Gruppe derart streng von der Polizei überwacht wie diese Leute.

Unabhängig davon, wie wir zur kommunistischen Ideologie oder zu den kommunistischen Parteien stehen, sind wir voraussichtlich der Ansicht, dass die alten Kommunisten eher kompetent waren zu unterscheiden, was und was nicht in Übereinstimmung mit ihrer Ideologie und ihren Ansichten geschah. Ihre hoch emphatischen Aussagen zum Thema, die in den Kreisen der alten Kommunisten Polens sehr beliebt waren, sind beeindruckend oder sogar überzeugend.2 Wegen der darin benutzen operativen Sprache müssen wir diese Aussagen jedoch als moralisierende Interpretationen bezeichnen, die nicht mit dem Charakter der vorliegenden Arbeit in Einklang stehen. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass die Mehrheit der Vorkriegskommunisten in Polen keine Psychopathen waren.

Vom Standpunkt der Wirtschaft und der Wirklichkeit ist jedes System, in dem der größte Besitz und die meisten Arbeitsplätze sich im Staatseigentum befinden, de jure und de facto ein Staatskapitalismus und kein Kommunismus. Solch eine System weist „Charakterzüge“ eines primitiven Ausbeuters des neunzehnten Jahrhunderts auf, der kein ausreichendes Verständnis seiner Rolle innerhalb der Gesellschaft besaß und auch nicht davon, dass seine Interessen mit dem Wohlergehen seiner Arbeiter stark verknüpft sind. Arbeiter sind sich dieser Charakterzüge sehr wohl bewusst, besonders wenn sie sich ein gewisses Maß an Wissen in Bezug auf ihre politischen Aktivitäten aneignen konnten.

Ein vernünftiger Sozialist, dessen Ziel es ist, Kapitalismus durch ein System zu ersetzen, das mit seinen Ideen konform geht und das auf einer Beteiligung der Arbeiterschaft an Administration und der Profite beruht, wird solch einen „Staatskapitalismus“ als die „schlimmste Ausformung des Kapitalismus“ betrachten. Denn letzen Endes führt eine Konzentration des Kapitals und der Herrschaft in nur einer Stelle immer zu Degeneration. Das Kapital muss der Prämisse der Fairness unterworfen sein. Deshalb sollte die Eliminierung solch einer degenerativen Form des Kapitalismus eine Hauptaufgabe für jeden Sozialisten sein. Trotzdem treffen solche Überlegungen ganz offensichtlich, wenn sie in sozialen und wirtschaftlichen Kategorien angestellt werden, nicht den Kern der Sache.

Die Erfahrungen aus der Geschichte lehren uns, dass jeder Versuch, die kommunistische Idee über revolutionäre Mittel umzusetzen - ob mit Gewalt oder durch die „Hintertür“ - zu einer Verdrehung dieses Prozesses in Richtung anachronistischer und pathologischer Ausformungen führen, deren Wesen und Inhalte für jene Köpfe unverständlich bleiben, die in den Konzepten der natürlichen Weltsicht denken. Evolution bildet und verändert schneller als Revolution - ohne solch tragische Komplikationen.

Eine der ersten Entdeckungen der Gesellschaft normaler Menschen ist ihre Überlegenheit gegenüber den neuen Machthabern in Intelligenz und praktischen Fähigkeiten, egal wie genial diese vorgeben zu sein. Die Knoten in der gelähmten Vernunft werden langsam lockerer und die Faszination am nicht vorhandenen geheimen Wissen der neuen Machthaber und ihrer Pläne beginnt zu schwinden. Daraufhin gewöhnen sich die Menschen an diese korrekte Einschätzung der neuen abweichenden Realität.

Die Welt der normalen Menschen ist der Abweichenden immer überlegen, wenn konstruktive Handlungsweisen benötigt werden, ob dies nun der Wiederaufbau eines zerstörten Landes ist, Technologie, die Organisation der Wirtschaft oder wissenschaftliche und medizinische Arbeiten. „Sie wollen etwas schaffen, aber ohne uns können sie nicht viel ausrichten.“ Qualifizierte Experten können dann oft bestimmte Wünsche äußern - unglücklicherweise gelten sie allzu häufig nur solange als qualifiziert, bis sie ihre Arbeit erledigt haben. Dann können sie eliminiert werden. Wenn die Fabrik einmal ihre Arbeit aufgenommen hat, können die Experten gehen. Das Management wird von jemand anderem übernommen, der zu weiteren Entwicklungen außerstande ist und unter dessen Führung viele der unternommenen Bemühungen verpuffen.

Wie bereits aufgezeigt ist jede psychologische Anomalie tatsächlich eine Art von Mangel. Psychopathien beruhen hauptsächlich auf Defiziten im instinktiven Substrat. Ihr Einfluss auf die mentale Entwicklung anderer führt jedoch auch zu Mängeln in der Grundintelligenz, wie bereits angesprochen. Diese Unzulänglichkeit in der Intelligenz eines normalen Menschen, die durch Psychopathie verursacht wird, wird nicht durch das besondere psychologische Wissen kompensiert, das wir bei manchen Psychopathen beobachten können. Dieses Wissen verliert seine hypnotisierende Kraft dann, wenn normale Menschen lernen, diese Phänomene ebenfalls zu verstehen. Aus diesem Grund überrascht es einen Psychopathologen nicht, dass in Bezug auf Fähigkeiten und Talente die Welt der normalen Menschen dominant ist. Für eine betroffene Gesellschaft ist dies jedoch eine Entdeckung, die Hoffnung und psychologische Entspannung erzeugt.

Da unsere Intelligenz ihrer Intelligenz überlegen ist, können wir sie erkennen und verstehen wie sie denken und handeln. Das lernt ein Mensch in solch einem System durch eigene Initiative, die durch die Bedürfnisse des alltäglichen Lebens angeregt wird. Er lernt dies, während er in seinem Büro, seiner Schule oder Fabrik arbeitet, wenn er mit der Obrigkeit umgehen muss oder wenn er im Gefängnis sitzt - was nur wenige Menschen vermeiden können. Der Autor und auch viele andere lernten ein guten Stück über die Psychologie dieses makrosozialen Phänomens während zwingend vorgeschriebener indoktrinierender Unterweisungen. Die Organisatoren und Lektoren konnte solche Resultate nicht beabsichtigt haben. So wächst das praktische Wissen über diese neue Realität, Dank dessen die Gesellschaft Einfallsreichtum in ihren Handlungsweisen lernt. Das ermöglicht ihr, sich die Schwachpunkte des herrschenden Systems besser zunutze zu machen und erlaubt eine schrittweise Neuorganisation der gesellschaftlichen Verbindungen, was mit der Zeit Früchte trägt.

Diese neue Wissenschaft ist unvorhersehbar reich an kasuistischen3 Details. Trotzdem würde ich sie als übermäßig literarisch bezeichnen. Sie enthält Wissen und eine Beschreibung des Phänomens in Kategorien der natürlichen Weltsicht, die entsprechend in Übereinstimmung mit der Notwendigkeit modifiziert wurden, Sachlagen zu verstehen, die eigentlich außerhalb des Anwendungsbereiches der neuen Wissenschaft liegen. Dies ebnet auch den Weg zur Formulierung bestimmter Lehrmeinungen, die Gegenstand eigener Untersuchungen sein sollten, da sie Teilwahrheiten enthalten, wie zum Beispiel eine dämonologische Interpretation des Phänomens.

Das Entwickeln der Vertrautheit mit dem Phänomen ist mit der Entwicklung einer kommunikativen Sprache begleitet, durch welche die Gesellschaft informiert bleibt und Warnungen vor Gefahr mitteilen kann. Seite an Seite mit der ideologischen Doppelzüngigkeit - wie bereits beschrieben - tritt eine dritte Spracht zutage: sie „leiht“ sich von der offiziellen Ideologie zum Teil Bezeichnungen samt ihren veränderten modifizierten Bedeutungen aus. Zum anderen Teil agiert diese Sprache mit Worten, die sie aus weiterhin lebhaft zirkulierenden Witzen bezieht. Trotz ihrer Eigenartigkeit wird diese Sprache zu einem nützlichen Kommunikationsmittel. Sie spielt bei der Regeneration der gesellschaftlichen Verbindungen eine wichtige Rolle. Und siehe da, diese Sprache kann auch für Bürger anderer Länder mit ähnlichen Regierungssystemen übersetzt und kommuniziert werden, auch wenn deren „offizielle Ideologie“ unterschiedlich ist. Sie verbleibt jedoch - trotz Bemühungen seitens Literaten und Journalisten - nur im Inneren kommunikativ. Nach außen hin - außerhalb des Wirkungsbereiches des Phänomens - wird sie hermetisch und für Menschen, die keine diesbezüglichen persönlichen Erfahrungen gemacht haben, unverstehbar.

Es ist wichtig, die besondere Rolle bestimmter Menschen in solchen Zeiten hervorzuheben: Sie beteiligen sich an der Entdeckung des Wesens dieser neuen Realität und helfen anderen, den richtigen Weg zu finden. Sie haben einen normalen Charakter, doch sie hatten eine unglückliche Kindheit. Sie waren sehr früh Menschen mit verschiedenen psychologischen Abweichungen ausgesetzt, pathologischer Egotismus und verschiedene Einschüchterungsmethoden mit eingeschlossen. Das neue Herrschaftssystem trifft sie wie eine riesige gesellschaftliche Multiplikation der Erfahrungen, die sie aus ihrer Kindheit kennen. Von Anbeginn an betrachten diese Menschen diese Realität viel nüchterner. Sie durchschauen die Ideologie mit ihren paralogistischen Geschichten sofort, die ihnen wohlbekannt sind und deren Zweck es war, die bittere Realität ihrer Kindheitserfahrungen zu verhüllen. Sie erkennen bald die Wahrheit, da die Entstehung und das Wesen des Bösen unabhängig der sozialen Bandbreite, in der es auftritt, gleichermaßen analog auftreten.

Solche Menschen werden in glücklichen Gesellschaften nur sehr selten verstanden, doch sie sind in diesen Fällen von unschätzbarem Wert. Ihre Erklärungen und Ratschläge stellen sich als richtig heraus und werden an andere Menschen übermittelt, die dem → Netzwerk dieses apperzeptiven Erbes beitreten. Ihr eigenes Leid verdoppelt sich jedoch, da dies zu viel ähnlichen Missbrauch darstellt, der in einem einzigen Leben verarbeitet werden kann. Sie hegen deshalb Fluchtgedanken in die Freiheit, die in der äußeren Welt nach wie vor existiert.

Die Gesellschaft erkennt schließlich diese Menschen, die aussergewöhnliche intuitive Wahrnehmungen und praktisches Wissen darüber sammeln konnten, wie Pathokraten denken und wie solch ein Herrschaftssystem funktioniert. Manche von ihnen werden in der Anwendung der abweichenden Sprache und ihrer Redewendungen derart geübt, dass sie sie wie eine Fremdsprache benutzen können, die sie perfekt gelernt haben. Da sie die Absichten der Herrscher entschlüsseln können, werden sie oft zu Beratern von Leuten, die Schwierigkeiten mit den Behörden haben. Diese Anwälte der Gesellschaft normaler Menschen haben im Leben der Gesellschaft ihren unersetzbaren Platz.

Pathokraten jedoch können niemals lernen in normalen menschlichen Kategorien zu denken. Gleichzeitig führt ihre Unfähigkeit, die Reaktionen normaler Menschen auf solche Autoritäten vorherzusehen, auch zum Schluss, dass das System strikt kausativ ist und die natürliche Wahlfreiheit vermissen lässt.

Diese neue Wissenschaft, formuliert in einer Sprache, die einer abweichenden Realität entstammt, ist für Menschen, die dieses makrosoziale Phänomen verstehen wollen, die jedoch in den Kategorien denken, wie sie in Ländern normaler Menschen vorherrschend sind, etwas fremd. Jeder Versuch, diese Sprache zu verstehen, erzeugt ein gewisses Gefühl der Hilflosigkeit. Dies führt wiederum zur Tendenz, seine eigenen Sichtweisen zu schaffen, die aus den Konzepten der eigenen Wahrnehmungswelt und einem bestimmten Anteil passend kooptierten pathokratischen Propagandamaterials bestehen. Solch eine Ansicht ist zum Beispiel die amerikanische antikommunistische Propaganda. Diese verdrehten und verzerrten Konzepte machen es noch weitaus schwieriger, diese andere Realität zu verstehen. So möge die hier erbrachte → objektive Beschreibung den Menschen ermöglichen, der solcherart geschaffenen ausweglosen Situation zu entkommen.

In Ländern unter pathokratischer Herrschaft schafft dieses Wissen, diese Sprache und besonders die menschliche Erfahrung eine vermittelnde Verbindung. Dies auf solche Weise, dass die meisten Menschen die → objektiven Beschreibungen des Phänomens mithilfe aktiver Apperzeption ohne größere Schwierigkeiten verarbeiten können. Schwierigkeiten treten nur bei der ältesten Generation und bei einem gewissen Prozentsatz junger Menschen auf, die in einem solchen System erzogen wurden. Beides ist psychologisch verständlich.

Einmal kam ich zu einer Patientin, die Insassin eines Nazikonzentrationslagers war. Sie kam aus dieser Hölle in solch einem außergewöhnlich guten Zustand zurück, dass sie danach heiraten und drei Kinder auf die Welt bringen konnte. Ihre Erziehungsmethoden waren jedoch derart hart, dass ich an das Leben in Konzentrationslagern erinnert wurde, an das ehemalige Insassen so hartnäckig und starrköpfig festhielten. Die Kinder reagierten mit neurotischem Protest und Aggressionen gegen andere Kinder.

Während ihrer Psychotherapie ließen wir die SS-Offiziere - männliche und weibliche - in ihrem Geist wieder auferstehen und arbeiteten deren psychopathische Charakteristika heraus (solche Leute waren hauptsächlich Freiwillige). Um ihr zu helfen, deren pathologisches Material aus ihr zu entfernen, informierte ich sie über die ungefähre statistische Anzahl solcher Individuen innerhalb der gesamten Weltbevölkerung. Das half ihr eine → objektivere Sichtweise dieser Realität anzunehmen und ihr Vertrauen in die Gesellschaft normaler Menschen wiederherzustellen.

Im Verlauf meines nächsten Besuches zeigte sie mir ein kleines Kärtchen, auf das sie die Namen ortsansässiger pathokratischer Prominenz geschrieben hatte. Sie hatte bei jedem ihre eigene Diagnose hinzugefügt, welche in den meisten Fällen korrekt war. Ich machte eine beruhigende Geste mit meinem Finger und machte sie warnend darauf aufmerksam, dass wir nur ihre eigenen Probleme zu behandeln hätten. Das verstand sie und ich bin mir sicher, dass sie ihre Betrachtungen auf durchaus richtige Weise anstellte.

Parallel zur Entwicklung praktischen Wissens und der Sprache der Innenkommunikation bilden sich andere psychologische Phänomen aus: Diese sind bei der Transformation des sozialen Lebens unter pathokratischer Herrschaft wahrhaft sehr bedeutend. Sie zu erkennen ist für den Wunsch Menschen und Länder zu verstehen, die unter solchen Umständen leben müssen, ausschlaggebend, wie auch für die Einschätzung von politischen Situationen. Sie umfassen die psychologische Immunisierung der Menschen und ihre Anpassung an das Leben unter diesen abweichenden Umständen.

Psychologische Terrormethoden (eine besondere pathokratische Kunst), Techniken pathologischer Arroganz und das rücksichtslose „mit Füßen treten“ der Seelen anderer Menschen haben zunächst solch traumatische Auswirkungen, dass die Menschen ihrer Fähigkeiten zu sinnvollen Reaktionen beraubt werden. Ich habe bereits die psychophysiologischen Aspekte solcher Zustände beschrieben. Zehn bis zwanzig Jahre später werden ähnliche Reaktionen bereits als wohlbekannt wahrgenommen. Sie berauben die Opfer dann nicht mehr ihrer Fähigkeiten zu denken und sinnvoll zu reagieren. Die Antworten der Opfer werden dann normalerweise gut durchdachten Strategien zugrunde liegen, die vom Standpunkt der Überlegenheit eines normalen Menschen ausgehen und die oft mit Sarkasmus gewürzt sind. Wenn der Mensch mit der nötigen Ruhe Leid und Tod ins Auge sehen kann, nimmt er der herrschenden Hand eine gefährliche Waffe.

Wir müssen verstehen, dass dieser Prozess der Immunisierung nicht nur ein Resultat des oben beschriebenen Anstiegs an praktischen Wissens über das makrosoziale Phänomen ist. Er ist die Auswirkung eines vielschichtigen, schrittweisen Prozesses des Wachstums an Wissen über und Vertrautheit mit dem Phänomen, die Schaffung der passenden reaktiven Angewohnheiten und der Selbstkontrolle, die gemeinsam mit einer allgemeinen Konzeption und moralischen Prinzipien während dieser Zeit entwickelt werden. Nach einigen Jahren regt genau dieselbe Stimulans, die zuvor eine kühle spirituelle Impotenz oder eine mentale Paralyse verursachte, nun die Sehnsucht an, sich mit etwas so Starkem zu messen, damit man sich endlich von diesem Unrat befreien kann.

Es gab Zeiten, wo viele Menschen davon träumten, ein Medikament zu erfinden, mit dem der Umgang mit der Obrigkeit oder der Zwangsbesuch bei Indoktrinationsveranstaltungen, die meist unter psychopathischem Vorsitz abliefen, leichter zu ertragen wäre. Tatsächlich zeigten einige Antidepressiva die gewünschte Wirkung. Doch bereits zwanzig Jahre später ist dies völlig in Vergessenheit geraten.


Als ich 1951 zum ersten Mal verhaftet wurde, entzogen mir Gewalt, Arroganz und Psychoterror nahezu alle meine Fähigkeiten zur Selbstverteidigung. Mein Hirn hörte schon nach ein paar Tagen ohne Wasser auf zu funktionieren. Es war so schlimm, dass ich mich nicht einmal genau an den Grund erinnern konnte, der zu meiner plötzlichen Verhaftung führte. Mir war nicht einmal bewusst, dass ich vorsätzlich provoziert wurde und dass ich allen Grund hatte, mich selbst zu verteidigen. Sie machten mit mir was sie wollten.

Als ich 1968 zum letztenmal verhaftet wurde, befragten mich fünf finster dreinschauende Sicherheitsbeamte. An einem bestimmten Punkt, nachdem ich über ihre vorhersehbaren Reaktionen nachgedacht habe, betrachtete ich jedes der fünf Gesichter mit größter Aufmerksamkeit. Der Chef der fünf Beamte fragte mich: „Was denkst du dir dabei, Bürschchen, uns so anzustarren?“ Ich antwortete ohne die geringste Angst vor den Konsequenzen: „Ich frage mich nur, warum so viele von euren Kollegen im Irrenhaus landen?“ Darauf zogen sie sich eine Weile zurück, woraufhin der Chef zurückbrüllte: „Weil das so eine verdammt schreckliche Arbeit ist!“ „Ich denke es ist genau das Gegenteil“ gab ich ruhig zurück. Dann brachten sie mich wieder in meine Zelle.

Drei Tage später ergab sich die Gelegenheit, wieder mit dem Mann ins Gespräch zu kommen, doch dieses Mal war er weitaus respektvoller. Er ordnete an, mich wegzubringen - um mich freizulassen, wie sich herausstellte. Ich fuhr, vorbei an einem großen Park, mit der Straßenbahn nach Hause und konnte es nicht glauben. In meinem Zimmer legte ich mich aufs Bett. Die Welt war für mich immer noch nicht real, doch wenn man erschöpft ist, schläft man leicht ein. Als ich wieder aufwachte, sagte ich laut: „Lieber Gott, solltest du dich nicht um die Welt hier kümmern?“


Damals war mir nicht nur klar, dass bis zu 20% aller Geheimdienstbeamte in Irrenanstalten landen, mir war ebenfalls bewusst, dass ihre „Berufskrankheit“ die kongestive Demenz ist, die früher nur unter alten Prostituierten anzutreffen war. Man kann nicht ungestraft seine eigenen natürlichen menschlichen Gefühle verletzen, egal welchen Beruf man ausübt. Aus diesem Blickwinkel hatte der Genosse „Chef“ zum Teil Recht. Doch gleichzeitig wurden meine Reaktionen widerstandsfähiger, weit entfernt von dem, wie sie siebzehn Jahre zuvor waren.

Alle diese Veränderungen des menschlichen Bewusstseins und Unbewusstseins resultieren in einer individuellen und kollektiven Anpassung des Lebens an ein solches System. Wenn die allgemeinen Umstände sowohl materieller als auch moralischer Einschränkungen verändert sind, entsteht ein existentieller Einfallsreichtum, der viele Schwierigkeiten überwinden kann. Auch wird zur Selbsthilfe und für gegenseitige Unterstützung ein neues → Netzwerk der Gesellschaft normaler Menschen geschaffen.

Diese Gesellschaft zieht an einem Strang. Sie ist sich des wirklichen Standes der Dinge bewusst und beginnt Mittel und Wege zu finden, die verschiedenen Teile der Behörden zu beeinflussen und so Ziele zu erreichen, die sozial nutzbringend sind. Ein geduldiges Anleiten und Überzeugen der unbedeutenden Repräsentanten der Machthaber benötigt einen beträchtlichen Zeitaufwand und pädagogisches Geschick. Deshalb werden für diese Arbeit die gelassensten Charaktere benötigt, Menschen mit ausreichender Kenntnis über ihre Psyche und einem besonderen Talent zur Beeinflussung von Pathokraten. Deshalb stimmt die Ansicht nicht, dass die Gesellschaft überhaupt keinen Einfluss auf die Regierung ausüben kann. Tatsächlich regiert auch die Gesellschaft bis zu einem gewissen Maß, wobei sie in ihren Versuchen, erträglichere Lebensumstände zu schaffen, manchmal erfolgreich ist und machmal versagt. Diese Form des Mitregierens verläuft jedoch völlig anders als in demokratischen Staaten.

Diese kognitiven Prozesse und die psychologische Immunisierung und Anpassung erlauben die Schaffung neuer zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Verbindungen, die innerhalb der Wirkungsbereiches der großen Mehrheit der Bevölkerung verlaufen, die wir bereits als „Gesellschaft normaler Menschen“ bezeichnet haben. Diese Verbindungen reichen diskret bis in die Mittelschicht des Regimes zu Leuten, denen man bis zu einem gewissen Grad vertrauen kann. Mit der Zeit werden die geschaffenen sozialen Verbindungen effektiver als jene, die in Systemen der Gesellschaften normaler Menschen wirken. Informationsaustausch, Warnungen und Hilfestellungen umfassen die gesamte Gesellschaft. Wer kann bietet Menschen mit Problemen seine Hilfe an, oft so, dass die unterstütze Person gar nicht weiß wer ihr geholfen hat. Wenn das eigene Unglück jedoch selbstverschuldet ist - in Bezug auf den Umgang mit den Behörden - wird einem mit Vorwürfen begegnet, doch immer wird geholfen.

Diese Verbindungen zu schaffen wird deshalb möglich, weil die neue Teilung der Gesellschaft Talente, Bildung oder Traditionen, die sich auf die vorigen sozialen Schichten beziehen, nicht ausreichend beachtet. Selbst Unterschiede im Wohlstand können diese Verbindungen nicht auflösen. Die eine Seite dieser Teilung enthält Menschen mit der höchsten geistigen Kultur, einfache und gewöhnliche Menschen, Intellektuelle, Denker, Fabriksarbeiter und Passanten, die durch den Protest ihres menschlichen Wesens gegen die Herrschaft paramenschlicher und experimenteller Regierungsmethoden verbunden sind. Diese Gemeinsamkeit erzeugt ein zwischenmenschliches Verständnis und ein Freundschaftsgefühl zwischen Menschen und sozialen Gruppen, die zuvor durch wirtschaftliche und soziale Traditionen getrennt waren. Die Gedanken, die diesen Gemeinsamkeiten dienen sind eher psychologischer Natur und in der Lage, die Motivationen eines Anderen zu verstehen. Gleichzeitig erhält das gewöhnliche Volk seinen Respekt für Personen aufrecht, die gebildet sind und intellektuelle Werte vertreten. Bestimmte soziale und moralische Werte sind ebenfalls undurchdringbar.

Die Entstehung dieser großen zwischenmenschlichen Solidarität wird erst dann verständlich, wenn wir das Wesen des pathologischen makrosozialen Phänomens kennen, das uns von solchen Einstellungen befreit und das uns letztendlich unsere eigene Menschlichkeit und die unserer Mitmenschen erkennen lässt. Das bringt uns zu einer weiteren logischen Annahme; dass nämlich diese Beziehungen zu jenen der amerikanischen „Wettbewerbsgesellschaft“ völlig unterschiedlich sind, für die sich diese sowohl wirtschaftlich als auch sozial anders darstellen und die - obwohl es ihre Vorstellungskraft übersteigt - funktionieren.

Man könnte meinen, dass das intellektuelle und kulturelle Leben sich schnell rückentwickeln würde, wenn es von den kulturellen und gesellschaftlichen Verbindungen mit anderen Ländern isoliert wird - durch die pathokratischen Beschränkungen der eigenen Gedanken, durch Zensur, durch die geistige Einstellung der Behörden und durch alle anderen Eigenschaften, die ein solches System aufweist.

Die Notwendigkeit für konstante mentale Bemühungen, eine tolerierbare Lebensweise zu finden, die in einer abweichenden Realität nicht zur Gänze jeglichen moralischen Gedankenguts beraubt ist, ist besonders wichtig. Sie ist für die Entwicklung einer realistischen Wahrnehmung verantwortlich, besonders in Bezug auf sozio-psychologische Phänomene. Wenn man den eigenen Verstand vor der Auswirkungen paralogistischer Propaganda und seine eigene Persönlichkeit vor den Einflüssen von Paramoralismen schützt, schärft das die kontrollierten Denkprozesse und stärkt die Fähigkeit, diese Phänomene unterscheiden zu können. Ein solches Training kann man als „Universitätsausbildung des gewöhnlichen Menschen“ ansehen.

In diesen Zeiten streckt sich die Gesellschaft nach historischen Informationen, da sie nach den uralten Gründen für ihr Unglück sucht und nach Wegen Ausschau hält, die ihr Schicksal zukünftig verbessern können. Wissenschaftliche und fleißige Köpfe durchackern auf der Suche nach Interpretationen historischer Ereignisse die nationale Geschichte, die aus der Sicht psychologischer und moralischer Realpolitik profunder sein könnten. Wir trennen nüchtern die Geschehnisse vor Jahren und Jahrhunderten und erkennen die Irrtümer früherer Generationen, wie auch die Resultate von Intoleranz oder emotional gefärbten Entscheidungen. Eine solch breite Durchsicht individueller, sozialer und historischer Sichtweisen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und der Geschichte ist ein Produkt unglücklicher Zeiten und auf dem Weg zurück zu glücklichen Zeiten hilfreich.

Bei unseren Betrachtungen untersuchten wir auch folgendes: Moralische Probleme im Leben der einzelnen Menschen, wie auch in der Geschichte und der Politik. Der Verstand beginnt immer tiefer in diese Materie einzudringen und erreicht ein immer subtileres Verständnis der Angelegenheit, da es sich in genau diesem Umfeld zeigt, dass die alten, allzu starken Vereinfachungen unbefriedigend sind. Andere Menschen zu verstehen, auch jene, die Irrtümer und Verbrechen begehen, scheint eine Lösung des Problems zu sein, die früher unterschätzt wurde. Vergebung liegt nur einen Schritt weiter. Wie Madame de Stael schrieb: „Tout comprendere, c‚est tout pardoner“4.

Die Religion einer Gesellschaft ist ähnlichen Veränderungen unterworfen. Das Verhältnis der Menschen, die ihren religiösen Glauben aufrecht erhalten, wird dabei kaum berührt. Dies trifft besonders auf Länder zu, denen eine Pathokratie aufgezwungen wurde. Es tritt jedoch eine Modifikation der Inhalte und Eigenschaften des betreffenden Glaubens zu Tage. Dies insofern, dass Religion für Personen eine immer größere Rolle spielt, die nicht religiös erzogen wurden. Die alte Religion, die von Traditionen, Ritualen und Unaufrichtigkeit geprägt war, wird nun in eine Gläubigkeit umgewandelt, die von das Verhalten bestimmenden Pflichtlektüren und Überzeugungen bestimmt ist.

Jeder, der in einer solchen Zeit das Evangelium liest, wird Textpassagen finden, die für andere Christen schwer zu verstehen sind. Die Ähnlichkeit zwischen den sozialen Beziehungen - zum einen unter der Herrschaft des alten heidnischen Roms, und zum anderen unter der atheistischen Pathokratie - ist so real, dass sich der Leser mit diesem Beispiel die beschriebenen Situationen leichter vorstellen und die vorherrschende Realität lebhafter fühlen kann. Es stattet ihn auch mit dem Mut und den Ratschlägen aus, die er in seinem eigenen Leben gut gebrauchen kann. Aus diesem Grund werden in brutalen Zeiten der Konfrontation mit dem Bösen die menschlichen Fähigkeiten Phänomene kritisch zu hinterfragen subtiler; es entwickelt sich eine apperzeptive und moralische Sensibilität. Diese kritischen Fähigkeiten werden manchmal zu Zynismus.


„Bei einer Fahrt in die Berge stieg ich einmal in einen Bus, der voll mit jugendlichen Gymnasiasten und jungen Hochschülern war. Während der Fahrt sangen sie alte Lieder aus der Vorkriegszeit mit witzigen und frivolen Texten. Im Bus und der Landschaft hallten Lieder von Boleslaw Lesmian5 wieder: „Der Noah war ein toller Mann…“ und einige Andere. Dieser Text war jedoch mit Humor und literarischem Talent überarbeitet worden. Alles was diese in jener schwierigen Zeit aufwachsenden jungen Menschen irritieren hätte können, war entfernt worden. War das Absicht?


Als Resultat all dieser Veränderungen, einschließlich der Entegotisierung der damit verbundenen Gedanken und Gesinnungen, kam die Gesellschaft in die Lage, eine mentale Kreativität zu entwickeln, die weit über jener lag, wie sie sich unter normalen Zuständen entwickelt. Solche Anstrengungen könnten auch in jedem kulturellen, technischen oder wirtschaftlichen Umfeld vorteilhaft sein, falls sich die Behörden einer solchen Entwicklung nicht entgegenstellen und sich dadurch bedroht fühlen.

Der menschliche Schöpfergeist entsteht nicht durch bequemen Wohlstand, und auch nicht in wohlwollendem Kameradschaftsgefühl. Im Gegenteil, er steht in andauernder Konfrontation mit einer persistenten Realität, sie sich von gewöhnlichen menschlichen Vorstellungen unterscheidet. Unter solchen Zuständen zeigte sich, dass theoretische Annäherungen einen praktischen und existentiellen Wert besitzen. Das alte Gedankengebilde, das in freien Ländern weiterhin zur Anwendung kommt, beginnt rückwärts zu blicken; naiv und ohne jegliche Wertgefühle.

Wenn in Nationen, die einen solchen Zustand erreichen, die Freiheit wiederhergestellt wird, reifen viele wertvolle Erkenntnisse des menschlichen Geistes innerhalb kurzer Zeit. Dann würden keine ausgeprägten Ängste mehr wirken und bestimmen, ob eine Nation in der Lage ist, ein funktionierendes sozio-ökonomisches System herzustellen. Das Gegenteil ist der Fall: Das Fehlen von Gruppierungen, die egoistischen Druck ausüben, das versöhnliche Wesen einer Gesellschaft, die jahrelange, bittere Erfahrungen hinter sich hat und die durchdringenden, moralisch profunden Denkprozesse würden erlauben, dass relativ schnell ein Ausweg gefunden wird. Gefahr und Schwierigkeiten entstehen dann eher durch Druck von außen, durch Nationen, die die Zustände im betreffenden Land nicht genügend verstehen. Doch leider kann Pathokratie nicht dosiert als bittere Medizin verabreicht werden!

Die ältere Generation, die noch in der Gesellschaft normaler Menschen aufwuchs, reagiert im Allgemeinen solcherart, dass sie die genannten Fähigkeiten entwickelt und so die Gesellschaft bereichert. Die jüngere Generation wuchs jedoch unter pathokratischer Herrschaft auf und leidet deshalb unter einer stärkeren Verarmung der Weltsicht, unter einer reflexiven Verhärtung der Persönlichkeit und sind gewohnheitsmäßigen Strukturen beherrscht, die ein typisches Ergebnis der Handlungsweisen pathologischer Persönlichkeiten sind. Paralogistische Propaganda und die damit verbundene Indoktrination werden bewusst abgelehnt - dieser Prozess benötigt jedoch Zeit und Anstrengungen, die besser dafür verwendet würden, eine aktive Apperzeption der Werte zu entwickeln. Aufgrund von Einschränkungen und Wahrnehmungsproblemen kann dies nur mit größeren Schwierigkeiten bewältigt werden. Dabei entsteht im Inneren des Menschen eine gewisse Lücke, die nur sehr schwer gefüllt werden kann. Trotz des guten Willens der Menschen setzen sich bestimmte Paralogismen und Paramoralismen, und auch kognitive Materialismen im Gehirn fest und bleiben dort erhalten. Der menschliche Geist kann nicht jeden einzelnen Irrtum widerlegen, der ihm suggeriert wurde.

Das emotionale Leben von Menschen, die in einer solchen abweichenden psychologischen Realität aufwuchsen, ist ebenfalls voller Probleme. Trotz kritischen Verstandes ist eine gewisse Durchdringung der Persönlichkeit eines jungen Menschen mit pathologischen psychologischen Inhalten unvermeidbar, wie auch eine gewisse Verrohung und Verhärtung seiner Gefühle. Wenn sich ein Mensch konstant bemüht, seine Emotionen zu kontrollieren, damit er nicht durch stürmische Gefühlsausbrüche die Aufmerksamkeit eines rachsüchtigen und sturen Regimes auf sich zieht, unterdrückt ihn dies in eine eher problematische Position; in eine Rolle, die er bei einem natürlichen Abreagieren niemals einnehmen würde. Unterdrückte emotionale Reaktionen kommen erst später an die Oberfläche, wenn es die Person sich erlauben kann, dies auch auszudrücken; sie sind zeitversetzt und der dann vorherrschenden Situation nicht entsprechend. Wenn sich Menschen, die an ein Leben in einer pathologischen sozialen Struktur gewöhnt sind, Sorgen um die Zukunft machen, entsteht Egotismus.

Wenn ein normaler Mensch der Herrschaft pathokratischer Personen ausgesetzt ist, ist die natürliche Reaktion der menschlichen Natur eine Neurose. Dasselbe gilt für die Gesellschaft und ihre Mitglieder, wenn sie einem pathologischen Autoritätssystem unterworfen ist. Deshalb entwickelt in einem pathokratischen Staat jeder Mensch mit normaler Natur einen gewissen neurotischen Zustand, den er sich bemüht mit seiner Vernunft zu kontrollieren. Die Intensität dieses Zustandes ist je nach Person unterschiedlich und hängt von verschiedenen Umständen ab. Üblicherweise steht sie in direktem Verhältnis zur individuellen Intelligenz - je intelligenter ein Mensch ist, desto stärker ist die Neurose. Nur wenn wir uns auf ausreichende Kenntnis der Ursachen dieser Zustände verlassen können, kann bei diesen Menschen eine Psychotherapie wirken. Westliche Psychologen sind deshalb erwiesenermaßen nicht in der Lage, solcherart betroffenen Patienten helfen zu können.

Ein Psychologe, der in einem solchen Land arbeitet, muss besondere Techniken beherrschen, die Spezialisten aus der freien Welt unbekannt und sogar unbegreiflich sind. Diese Techniken haben den Zweck, die Stimme des Instinkts ein Stück weit zu befreien, das Gefühl der abnormal rigiden Kontrolle loszuwerden und die Weisheit der Natur im Inneren wiederzuentdecken. Dies muss so geschehen, das vermieden wird, den Patienten den bedauerlichen Folgen exzessiver Freiheit auszusetzen, als Reaktion auf die Umstände, unter welchen er leben musste. Der Psychotherapeut muss vorsichtig und mithilfe von Metaphern arbeiten, denn er kann nur sehr selten den Patienten offen von der pathologischen Natur des Systems unterrichten. Doch auch unter solchen Voraussetzungen kann eine größere Freiheit erfahren werden, können angemessenere Gedankenprozesse und eine bessere Entscheidungsfähigkeit erreicht werden. Als Resultat davon verhält sich der Patient mit immer größerer Vorsicht und fühlt sich viel besser.

Wenn westliche Radiosender, die nichts von den Ängsten der Psychologen auf der anderen Seite wissen, zugunsten einer vergleichbaren psychotherapeutischen Technik ihre simple Gegenpropaganda aufgeben, dann liefern sie damit einen gewaltigen Beitrag für die Zukunft von Ländern, die nach wie vor unter pathokratischer Herrschaft stehen. Ich werden gegen Ende dieses Buch einen Versuch unternehmen, den Leser davon zu überzeugen, dass psychologische Angelegenheiten für die Zukunft genauso ausschlaggebend sind wie die hohe Politik oder mächtige Waffen.

Verständnis

Das Verständnis jener normalen - ob herausragenden oder durchschnittlichen - Menschen, die unter pathokratischer Herrschaft leben müssen, ihres menschlichen Wesens, ihrer Reaktionen auf die abweichende Realität, ihrer Träume, ihrer Methoden des Verstehens dieser Realität (einschließlich all der damit verbundenen Schwierigkeiten) und ihr Bedürfnis sich anzupassen und widerstandsfähig zu werden (einschließlich aller Nebenwirkungen), ist für eine korrekte Vorgehensweise eine sine qua non Bedingung. Dadurch werden die Bemühungen der betroffenen Menschen effektiv unterstützt, ein System normaler Menschen zu gestalten. Es ist für einen Politiker in einem freien Land psychologisch unmöglich, das praktische Wissen solcher Menschen zu verkörpern, das über viele Jahre täglicher Erfahrungen angesammelt wurde. Dieses Wissen kann nicht vermittelt werden; weder journalistische noch literarische Anstrengungen können jemals dieses Ziel erreichen. Eine analoge Wissenschaft jedoch, die in → objektiver, naturalistischer Sprache verfasst ist, kann in beide Richtungen kommuniziert werden. Sie kann auch von Personen verstanden werden, die keine Erfahrungen dieser Art gemacht haben; sie kann auch an Orte verbreitet werden, wo großer Bedarf für diese Wissenschaft besteht, und auch zu jenen Leuten, die bereits bereit sind, sie zu verstehen. Diese Wissenschaft würde in der Tat auf ihre geschlagenen Persönlichkeiten wirken - so wie die wirksamste Medizin. Nur die Erkenntnis, dass man dem Einfluss geistig abweichender Menschen ausgesetzt ist, macht bereits den entscheidenden Teil der Behandlung aus.

Wer immer die Freiheit seines Landes bewahren will, wie auch die der Welt, die schon wieder von diesem makrosozialen Phänomen bedroht wird – wer immer diese Krankheit unseres Planeten heilen will, sollte nicht nur das Wesen dieser großen Krankheit verstehen, sondern sich auch der potentiell regenerierenden Heilkräfte bewusst sein.

In jedem Land, das sich in Reichweite dieses makrosozialen Phänomens befindet, lebt und leidet die große Mehrheit normaler Menschen, die die Pathokratie niemals akzeptieren werden. Ihr Protest kommt aus den Tiefen ihrer Seelen und ihres menschlichen Wesens. Die Eigenschaften, die dies bestimmen, werden biologisch vererbt. Die Formen des Protests und die Ideologien, mittels derer sie ihre natürlichen Wünsche erreichen wollen, sind nichtsdestotrotz verschieden und Veränderungen unterworfen.

Die ideologische oder gesellschaftliche Struktur, über die sie ihr Menschenrecht, in einem System normaler Menschen zu leben, wiederherstellen wollen, ist für diese Menschen jedoch zweitrangig. Natürlich bestehen darüber unterschiedliche Meinungen, es ist jedoch nicht wahrscheinlich, dass sie zu offenen gewalttätigen Konflikten unter Personen ausarten, die über allem ein Ziel haben, für das es wert ist, Opfer zu bringen.

Diejenigen, deren Gesinnung tiefgreifender und ausgeglichener ist, sehen die ursprüngliche Ideologie so, wie sie sich vor ihrer Karikaturisierung durch den Prozess der Ponerisation dargestellt hat - als höchst praktikable Basis, um die Ziele der Gesellschaft zu erreichen. Gewisse Modifikationen würden diese Ideologie mit größerer Reife ausstatten, damit sie dem Anspruch der Gegenwart besser entsprechen könnte; sie könnte daraufhin als Grundlage für einen Evolutions- oder Veränderungsprozess dienen, der in ein sozio-ökonomisches System führt, das angemessen funktionieren kann.

Die Ansichten des Autors sind hier etwas unterschiedlich. Durch äußeren Druck könnten größte Schwierigkeiten verursacht werden, die auf die Einführung eines Wirtschaftssystems abzielen, das in einem betroffenen Land seine historisch bedingten Wurzeln verloren hat.

Menschen, die lange Zeit in solch einer seltsamen, divergenten Welt leben mussten, sind deshalb für jemanden nur schwer zu verstehen, der glücklicherweise solch ein Schicksal nicht erleiden musste. Wir sollten ihnen gegenüber keine Vorstellungen anwenden, die nur in der Welt normaler Menschen Bedeutungen haben. Wir wollen sie auch nicht in politische Kategorien einordnen, die meist der Realität, mit der sie vertraut sind, in keinster Weise entsprechen. Wir wollen sie mit menschlicher Solidarität willkommen heißen, mit wechselseitigem Respekt und einem größeren Vertrauen in ihr normales menschliches Wesen und ihre Vernunft.

weiter zu Kapitel 7…

FUßNOTEN
  1. Historisch betrachtet zielen Pathokratien darauf ab, zuerst die Intelligenzija zu eliminieren. Wie Łobaczewski aufzeigt, führt diese Verschwendung an Verstand und Talent letztendlich zur Katastrophe. (Anm. d. Herausgebers)zurück

  2. „Ein Haufen Hurensöhne, die sich auf dem Rücken der Arbeiter eine goldene Nase verdienen.“zurück

  3. Das Bestimmen einer korrekten Reaktion (z.B. auf ein moralisches Dilemma), basierend auf Analysen bereits bekannter Fälle oder Paradigmen. Kasuistik ist eine Methode ethischer Betrachtungen eines Einzelfalls. (Anm. d. Herausgebers)zurück

  4. „Alles verstehen heißt alles vergeben.“zurück

  5. Boleslaw Lesmian (auch Lesman), ein einflussreicher polnischer → Dichter. Mitglied der polnischen Akademie für Literatur. (Anm. d. Herausgebers)zurück

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