POLITISCHE PONEROLOGIE
Kapitel 2
Einige unverzichtbare Konzepte
Es trafen drei prinzipiell unterschiedliche Konzepte zusammen, damit sich unsere europäische Zivilisation bilden konnte: Die griechische Philosophie, die römische imperiale und gesetzgebende Kultur und das Christentum, das durch die Zeit und die Bemühungen vieler Generationen konsolidiert wurde. Die Kultur unseres kognitiven/spirituellen Erbes, das daraus entstanden ist, war somit inhärent verschwommen, wann immer die Konzeptsprache, die allzu sehr auf Materie und Gesetz ausgerichtet ist, sich als zu ungelenk herausgestellt hatte, um die Aspekte des psychologischen und spirituellen Lebens verständlich machen zu können.
Solch ein Zustand hatte auf unsere Fähigkeit die Realität zu verstehen negative Auswirkungen, besonders auf das Verständnis jener Realität, die die Menschlichkeit und die Gesellschaft betrifft. Die Europäer wurden dadurch unwillig, die Realität (wobei der Intellekt den Fakten unterordnet werden muss) zu studieren und tendierten eher dazu, der Natur ihre subjektiven, ideellen Denkmuster aufzulegen, die äußerlich und nicht völlig stimmig sind. Erst in der heutigen Zeit können wir dank der großen Errungenschaften in den modernen Wissenschaften die Tatsachen durch ihre Eigenschaften studieren und auch durch die Deutung des philosophischen Erbes anderer Kulturen unsere Welt der Konzepte besser erklären und deren Homogenisierung vornehmen.
Es ist überraschend zu beobachten, welche Stellung im antiken Griechenland ein autonomer Stamm hatte. Sogar damals konnte sich eine Zivilisation nur schwerlich isoliert entwickeln, ohne dabei im Besonderen von älteren Kulturen beeinflusst zu werden. Jedoch auch aus diesem Blickwinkel scheint es, dass — kulturell gesprochen — Griechenland relativ isoliert war. Dies wahrscheinlich aufgrund der Ära des Zerfalls, die Archäologen als das „dunkle Zeitalter“ bezeichnen, das im mediterranen Raum zwischen 1200 und 800 v. Chr. vorherrschte und das auch auf die Kriegslust der Achäischen Stämme zurückzuführen ist.
Im alten Griechenland herrschte eine reichhaltige mythologische Vorstellung, die aus dem direkten Kontakt mit der Natur, sowie aus Lebens- und Kriegserfahrungen entwickelt wurde und ein Bild dieser Verbindung mit dem Land und den Menschen herstellte. Diese Umstände ließen eine literarische Tradition entstehen und später philosophische Betrachtungen, die nach allgemein gültigen Regeln, essentiellen Inhalten und Wertekriterien suchten. Das griechische Erbe ist aufgrund seines Reichtums und seiner Individualität faszinierend, im Besonderen aber aufgrund seiner urzeitlichen Natur. Unserer Zivilisation wäre jedoch besser gedient gewesen, wenn die Griechen die Errungenschaften anderer Kulturen hinreichender genutzt hätten.
Die Römer waren zu grundlegend und zu praktisch, um die Gedankenwelt der Griechen gründlich zu reflektieren. In dieser imperialen Zivilisation prägten administrative Bedürfnisse und juristische Entwicklungen die praktischen Prioritäten. Für die Römer war die Rolle der Philosophie eher didaktisch und für die Entwicklung eines Denkprozesses nützlich und hilfreich, den man für die Entlastung der Administration und für politische Aufgaben benötigte. Der griechische Einfluss, der auf die Römer ausstrahle, besänftigte die römischen Angewohnheiten, die wiederum einen heilsamen Effekt auf die Entwicklung des römischen Imperiums hatten.
In jeder imperialen Zivilisation sind jedoch die komplexen menschlichen Probleme die beschwerlichen Probleme, welche die gesetzliche Regulierung öffentlicher Angelegenheiten und administrativer Funktionen verkomplizieren. Dies zeugt von der Tendenz, solche Fragen nicht zu behandeln und ein Konzept von menschlichen Persönlichkeiten zu entwickeln, das ausreichend genug vereinfacht ist, um den Ansprüchen der Gesetze gerecht werden zu können. Die Bürger Roms konnten ihre Ziele erreichen und ihre persönlichen Vorlieben innerhalb der von ihrem Geschick und den gesetzlichen Bestimmungen eingerichteten Rahmenbedingungen entwickeln. Dies kennzeichnete die Situation des Einzelnen, die auf Voraussetzungen aufgebaut war, die kaum etwas mit dem eigentlichen psychologischen Verhalten zu tun gehabt hatte. Das geistige Leben der Menschen, die keine Bürgerrechte besaßen, war nicht Gegenstand tieferer Betrachtungen. So verblieb eine kognitive Psychologie unentwickelt, ein Zustand, der immer moralischen Verfall bewirkt, sowohl im einzelnen Menschen als auch in der Öffentlichkeit.
Das Christentum hatte mit den alten Kulturen Asiens eine stärkere Verbindung. Dazu gehörte auch die philosophische und psychologische Betrachtung. Das war mit Sicherheit ein dynamischer Faktor, der das Christentum gegenüber anderen Sichtweisen attraktiver machte, doch er war nicht der Wichtigste. Die Beobachtungen und das Verständnis der sichtbaren Transformationen, die der Glaube in der menschlichen Persönlichkeit verursachte, schuf in den frühen Christen eine psychologische Schule der Gedanken und der Kunst. Diese neue Beziehung zu einem anderen Menschen — dem Nächsten -, die durch Verständnis, Vergebung und Liebe gekennzeichnet war, öffnete das Tor zu einer psychologischen Wahrnehmung, die, wie es häufig in charismatischen Phänomenen zu sehen ist, in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus äußerst fruchtbar war.
Hätte man zur damaligen Zeit die Situation beobachten können, wäre man zur Aussicht gekommen, dass das Christentum für die Entwicklung der Kunst des Verständnisses der Menschen untereinander einen höheren Beitrag leistet als ältere Kulturen oder Religionen. Man hätte auch die Hoffnung hegen können, dass solch ein Wissen zukünftige Generationen vor den Gefahren spekulativer Gedanken schützen könnte, die sich von jener tiefgründigen Realität stark unterscheidet, die nur mittels ehrlichem Respekt für einen anderen Menschen verstanden werden kann.
Die Geschichte jedoch hat solch eine Aussicht nicht betätigt. Die Anzeichen von Zerfall bei sensitivem und psychologischem Verständnis, wie auch die römisch imperiale Neigung, von außen auferlegte Vorgaben seinen Bürger aufzuzwingen, kann bereits ab dem Jahre 350 n. Chr. beobachtet werden. Im Laufe der Zeit durchlief das Christentum all jene Schwierigkeiten, die aus der ungenügenden psychologischen Erkenntnis der Realität resultieren. Intensive Forschungen über die historischen Gründe der Unterdrückung der Entwicklungen menschlicher Erkenntnis in unserer Zivilisation wären in diesem Zusammenhang ein äußerst nutzbringendes Unterfangen.
Zuerst adaptierte das Christentum das griechische Erbe der Philosophie und der Sprache zu seinem eigenen Zweck. Dies ermöglichte ihm, seine eigene Philosophie zu entwickeln, doch die urzeitlichen und materialistischen Charakterzüge dieser Sprache beinhalteten gewisse Einschränkungen, welche die Kommunikation zwischen dem Christentum und anderen Religionen für viele Jahrhunderte behinderten.
Die Botschaften des Christentums verbreiteten sich entlang der Küsten und der belebten Verkehrswege des römischen Reiches unter der römischen Bevölkerung, doch nur durch die blutige Verfolgung und den letztendlichen Kompromiss mit der Macht und dem Gesetz Roms. Schlussendlich löste Rom das Problem, indem es die Bedrohung des Christentums für seine eigenen Zwecke abgeändert hat. Das Resultat war, dass das Christentum sich den römischen Organisationsformen angenähert und sich an bestehende soziale Institutionen angepasst hat. Als Ergebnis dieses unvermeidbaren Prozesses der Anpassung erbte das Christentum die Angewohnheiten römisch-rechtlicher Denkart, einschließlich seiner Indifferenz gegenüber der menschlichen Natur in all ihrer Verschiedenheit.
Auf diese Weise wurden zwei heterogene Systeme so fest miteinander verbunden, dass in späteren Jahrhunderten einfach vergessen wurde, wie fremd sich diese beiden Systeme einst waren. Die Zeit und die Kompromisse eliminierten jedoch nicht die internen Inkonsistenzen. Der römische Einfluss beraubte das Christentum einiger seiner tiefgründigen, uralten psychologischen Kenntnisse. Verschiedene christliche Gruppen entwickelten sich unter verschiedenen kulturellen Umständen und schufen solch unterschiedliche Formen des Christentums, dass die Beibehaltung der Einheit zu einer historischen Unmöglichkeit wurde.
Die „westliche Zivilisation“, die daraus entstand, wurde so durch einen ernsthaften Mangel in einem Bereich behindert, der nicht nur eine wesentliche Rolle beim Schutz der Bevölkerung vor den verschiedensten Ausformungen des Bösen spielen kann, sondern dies auch tut. Diese Zivilisation entwickelte Formulierungen im Bereich des Rechts — in den Staatsrechten, den Bürgerrechten und auch den Kirchenrechten — die für einen erfundenen und vereinfachten Menschen erdacht waren. Diese Formulierungen machten mit der Summe der menschlichen Persönlichkeit und den großen psychologischen Unterschieden zwischen den Mitgliedern der Spezies Homo Sapiens kurzen Prozess. Über viele Jahrhunderte stand jegliches Verständnis bestimmter psychologischer Anomalien, die in manchen Menschen einfach vorhanden sind, außer Diskussion, obwohl diese Anomalien wiederholt die Ursache von Katastrophen waren.
Diese Zivilisation war dem Bösen gegenüber nicht ausreichend resistent, was aus einem Gebiet entstammt, das hinter dem leicht zugreifbaren menschlichen Fassungsvermögen liegt und seine Vorteile aus der enormen Lücke zwischen dem formalen oder legalen Gedankengut und der psychologischen Realität zieht. In einer Zivilisation, die in der psychologischen Erkenntnis ihre Mängel aufweist, finden hyperaktive Menschen, die von ihren inneren Zweifeln, verursacht durch das Gefühl anders zu sein, angetrieben sind, leicht ein bereitwilliges Echo im unzureichend entwickelten Bewusstsein anderer Menschen. Solche Menschen träumen davon, ihre Macht und ihre Andersartigkeit ihrer Umwelt und ihrer Gesellschaft aufzuzwingen. Unglücklicherweise haben ihre Träume in einer psychologisch ignoranten Gesellschaft eine gute Chance, für sie wahr und für alle anderen zu einem Albtraum zu werden.
Psychologie
In den 1870er Jahren geschah etwas Außergewöhnliches: Eine Suche nach der versteckten Wahrheit der menschlichen Natur wurde als sekuläre Bewegung initiiert, basierend auf biologischem und medizinischem Fortschritt, weshalb deren Erkenntnis im Materiellen gesucht wurde. Seit den ersten Anfängen der Wissenschaft hatten viele Forscher die Vision, dass eine solche Wissenschaft des Friedens und der → Ordnung in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen sollte. Da sich dies jedoch auf ein früheres spirituelles Wissen bezieht, war notwendigerweise jede Annäherung dieser Art auf die menschliche Persönlichkeit einseitig.
Leute wie Iwan Pawlow, C.G. Jung und auch andere bemerkten diese Einseitigkeit bald und versuchten eine Synthese. Doch es wurde Pawlow nicht gestattet, seine Überzeugungen zu veröffentlichen.
Die Psychologie ist die einzige Wissenschaft, wo der Beobachter und der Beobachtete derselben Art angehören, ja sogar dieselbe Person sein kann, wenn sie Einsicht ausübt. Es ist deshalb leicht möglich, dass sich ein subjektiver Irrtum in den logischen Prozess einschleicht, den der denkende Mensch normalerweise für seine Vorstellungen und individuelle Verhaltensweisen benutzt. Solch ein Irrtum beißt sich selbst in einem teuflischen Kreislauf in seinen eigenen Schwanz und lässt so Probleme aller Art entstehen, da die Distanz zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten zu gering ist — eine Schwierigkeit, wie sie anderen wissenschaftlichen Disziplinen unbekannt ist.
Einige Wissenschafter, wie zum Beispiel Verhaltensforscher, versuchten diesen Irrtum um jeden Preis zu vermeiden. Sie verringerten in ihrer Vorgehensweise die kognitiven Inhalte in solch einem Ausmaß, dass nur sehr wenig Substanz übrig blieb. Sie schufen damit jedoch eine sehr nützliche Denkweise. Fortschritte wurden von Menschen erreicht, die gleichzeitig einerseits von inneren Ängsten getrieben und andererseits eine Methode suchten, ihre eigenen Persönlichkeitsmerkmale über Erkenntnis und Selbsterkenntnis zu sortieren. Wenn solche Ängste durch eine falsche Erziehung verursacht wurden, dann war die Überwindung dieser Schwierigkeiten von großartigen Entdeckungen begleitet. Wenn jedoch der Grund für diese Ängste innerhalb der menschlichen Natur lag, erzeugte dies eine permanente Tendenz, das Verständnis psychologischer Phänomene zu verzerren. Bei einer solchen Wissenschaft ist Fortschritt unglücklicherweise sehr von den individuellen Werten und der Natur des Ausübenden abhängig. Er wird auch durch das soziale Klima bedingt.
Wo immer eine Gesellschaft versklavt oder den Gesetzen einer überprivilegierten Klasse unterworfen wird, ist die Psychologie die erste Wissenschaft, die von einer Administration zensuriert und belegt wird, die in der Darstellung wissenschaftlicher Wahrheiten das letzte Wort an sich reißt.
Dank der Arbeiten außergewöhnlicher Wegbereiter besteht diese Disziplin jedoch weiterhin - sie entwickelt sich trotz aller Schwierigkeiten weiter — zum Nutzen für das gesellschaftliche Leben. Viele Forscher füllen die weißen Punkte dieser Wissenschaft mit Fakten, die als Korrekturen für die Subjektivität und Unklarheiten berühmter Pioniere dienen. Die Kinderkrankheiten einer jeden neuen Disziplin bleiben bestehen, einschließlich ihrer geringen allgemeinen → Ordnung und Synthese, wie auch die Neigung sich in individuelle Schulen aufzuspalten, die bestimmte theoretische und praktische Errungenschaften darlegen, während sie sich damit in anderen Feldern einschränken.
Doch zur selben Zeit werden Erkenntnisse von praktischer Natur gewonnen, die zum Wohl hilfebedürftiger Menschen eingesetzt werden können. Direkte Beobachtungen aus dem Arbeitsalltag von Therapeuten sind bei der Gestaltung wissenschaftlichen Verständnisses und der Entwicklung der zeitgenössischen psychologischen Sprache weit dienlicher, als jedes akademische Experiment oder in Laboratorien angestellte Überlegungen. Schlussendlich hält das Leben selbst die vielfältigen Umstände vor, ob angenehm oder tragisch, die den Menschen Experimenten aussetzen, die kein Wissenschafter in irgendeinem Labor jemals unternehmen würde. Dieses Buch existiert nur aufgrund solcher Studien, aufgrund des Lebens, und dem unmenschlichen Experimentieren mit ganzen Nationen.
Die Erfahrung lehrt dem Verstand des Psychologen, wie das Leben eines anderen Menschen schnell und effektiv erkannt werden kann, wie die Gründe gefunden werden können, die für eine bestimmte Entwicklung seiner Persönlichkeit und seines Verhaltens verantwortlich sind. Unser Verstand kann deshalb auch die Faktoren rekonstruieren, die ihn beeinflussten, obgleich er selbst darüber unbewusst bleiben kann. Wenn wir dies tun, dann wenden wir — und das ist Gesetz — nicht die natürliche Konzeptstruktur an, die von der öffentlichen Meinung und vielen Menschen häufig als „Menschenverstand“ bezeichnet wird. Wir benutzen vielmehr Kategorien, die so objektiv wie nur möglich sind. Psychologen nutzen eine Konzeptsprache, die Beschreibungen von Phänomenen enthält, die unabhängig jeglicher allgemeiner Vorstellungen bestehen. Diese ist für die praktische Arbeit ein unverzichtbares Werkzeug. In der Praxis verändert sich diese Sprache jedoch normalerweise in einen klinischen Jargon — sie verbleibt nicht die bedeutende wissenschaftliche Sprache, die für unsere Unterstützung erforderlich wäre. Man kann hier eine Analogie zwischen dieser psychologischen Konzeptsprache und mathematischen Symbolen ziehen. Sehr häufig steht ein einziger griechischer Buchstabe für viele Seiten mathematischer Operationen, den ein Mathematiker sofort erkennt.
Objektive Sprache
Die Kategorien psychologische Objektivität, Kognition und Gedanken beruhen auf denselben logischen und methodologischen Prinzipien, die sich als die besten Werkzeuge in vielen Gebieten lebensnaher Studien bewährt haben. Ausnahmen dieser Regel wurden für uns und unseresgleichen zu einer Tradition, doch es hat sich herausgestellt, dass solche Ausnahmen mehr Irrtümer hervorbringen, als dass sie nützlich sind. Gleichzeitig führen uns jedoch ein striktes Beharren auf diesen Prinzipien und die Abweisung zusätzlicher wissenschaftlicher Einschränkungen zu einem breiten Horizont, von dem aus es möglich ist, eine übernatürliche Kausalität zu erahnen. Die Akzeptanz der Existenz solcher Phänomene innerhalb der menschlichen Persönlichkeit wird zu einer Notwendigkeit, wenn unsere Sprache der psychologischen Konzepte eine objektive Struktur beibehält.
Durch die Bestätigung seiner eigenen Persönlichkeit hat der Mensch die Tendenz, jegliche Assoziationen, die eine äußere kausative Konditionierung seiner Weltsicht und seines Verhaltens anzeigen, aus seinem Bewusstsein zu verdrängen. Besonders junge Menschen wollen glauben, dass sie ihre Ziele und Entscheidungen selbst frei bestimmen, während parallel dazu ein erfahrender Psychologe ohne große Schwierigkeiten die kausativen Konditionierungen, die ihren Entscheidungen zugrunde liegen, zurückverfolgen kann. Viele dieser Konditionierungen liegen in unserer Kindheit vergraben; die Erinnerungen können in Unschärfe verschwimmen, doch wir tragen die Ergebnisse unserer frühen Erfahrungen unser ganzes Leben mit uns herum.
Je besser unser Verständnis der Kausalität der menschlichen Persönlichkeit ist, desto stärker besteht der Eindruck, dass die Menschheit zu einer Natur und Gesellschaft gehört, die Abhängigkeiten ausgesetzt sind, die wir immer besser verstehen können. Überwältigt von menschlicher Nostalgie fragen wir uns sodann, ob es dabei wirklich keinen Raum für Freiheit gibt, für einen Purusha1? Je mehr wir in unserem Verständnis der menschlichen Ursächlichkeit fortschreiten, desto besser können wir die Person befreien, die den Vergiftungen der Konditionierung vertraut, die unnötigerweise seine Freiheit des richtigen Fassungsvermögens und der Entscheidungsfindung eingeschränkt hat. Wir befinden uns deshalb in einer Position, die mit unseren Patienten auf ihrer Suche nach den besten Ausweg für ihre Probleme eng verwoben ist. Wenn wir der Versuchung erliegen, zu diesem Zweck die natürliche Struktur der psychologischen Konzepte zu verwenden, dann wäre unser Rat an den Patienten ähnlich der vielen unproduktiven Ratschläge, die er bereits von vielen Seiten gehört hat und die ihm niemals helfen konnten, sein Problem zu lösen.
Die alltägliche, gewöhnliche, psychologische, gesellschaftliche und moralische Weltsicht ist ein Produkt des Entwicklungsprozesses des Menschen innerhalb einer Gesellschaft, die unter dem konstanten Einfluss immanenter Charaktereigenschaften steht. Unter diesen immanenten Eigenschaften befinden sich des Menschen phylogenetisch determinierte, instinktive Basis und seine Erziehung durch Familie und Umwelt. Kein Mensch kann sich ohne den Einflüssen und Persönlichkeiten anderer Menschen, oder den Werten, die ihm von seiner Zivilisation und seinen moralischen und religiösen Traditionen eingegeben wurden, entwickeln. Deshalb kann die natürliche Weltsicht des Menschen weder ausreichend universell noch völlig wahr sein. Die Unterschiede zwischen den Menschen und den Nationen sind das Ergebnis von sowohl vererbten Veranlagungen, als auch der Ontogenese2 der Persönlichkeiten.
Es ist deshalb bedeutend, dass die Hauptwerte dieser menschlichen Weltsicht trotz großer Unterschiede in der Zeit, den Rassen und der Zivilisationen grundlegende Gemeinsamkeiten aufweisen. Diese Weltsicht entstammt ganz offensichtlich der Natur unserer Spezies und der natürlichen Erfahrungen menschlicher Gesellschaften, die ein bestimmtes unerlässliches Maß an Zivilisation erreicht haben. Verfeinerungen, die auf literarischen Werten oder philosophischen und moralischen Betrachtungen beruhen, zeigen zwar Unterschiede, doch allgemein gesprochen tendieren sie dazu, die natürlichen Konzeptsprachen der verschiedenen Zivilisationen und Zeitalter zusammenzuführen. Menschen mit humanistischer Erziehung könnten deshalb den Eindruck bekommen, dass sie Weisheit erreicht hätten. Wir sollten weiters diese Weisheit des „Menschenverstandes“, die sich aus Lebenserfahrungen und den darauf beruhenden Betrachtungen ableiten lässt, respektieren.
Ein gewissenhafter Psychologe muss jedoch die folgenden Fragen stellen: Auch wenn die natürliche Weltsicht verfeinert wurde, spiegelt sie auch die Realität mit ausreichender Verlässlichkeit wieder? Oder spiegelt sie nur die Wahrnehmung unserer Spezies? Bis zu welchem Ausmaß können wir uns auf sie als Basis für unsere Entscheidungen für das individuelle, gesellschaftliche und politische Leben verlassen?
Die Erfahrung lehrt uns vor allem, dass diese natürliche Weltsicht permanent und charakteristisch zu Verzerrungen neigt, die von unseren instinktiven und emotionalen Eigenschaften diktiert werden. Weiters zeigt uns unsere Arbeit so viele Phänomene, die allein durch die natürlichen Sprache weder beschrieben noch verstanden werden können. Eine objektive wissenschaftliche Sprache, mit welcher die Essenz eins Phänomens analysiert werden kann, wird somit zu einem unverzichtbaren Werkzeug. Es zeigte sich auch, dass solch eine Sprache für ein Verständnis der in diesem Buch gestellten Fragen gleichermaßen unverzichtbar ist.
Nachdem wir nun das Fundament gelegt haben, wollen wir den Versuch einer Auflistung der wichtigsten realitätsverzerrenden Tendenzen und anderer Unzulänglichkeiten der natürlichen menschlichen Weltsicht wagen.
Jene emotionalen Eigenschaften, die natürliche Bestandteile der menschlichen Persönlichkeit sind, stimmen niemals völlig mit der erfahrenen Realität überein. Dies resultiert sowohl aus unserem Instinkt als auch unseren üblichen Erziehungsfehlern. Deshalb ratet die beste Tradition des philosophischen und religiösen Gedankenguts diese Emotionen zu überwinden, um zu einer präziseren Sichtweise der Realität zu gelangen.
Die natürliche Weltsicht ist auch durch eine ähnliche, emotionale Tendenz, unsere Meinungen mit einem moralischen Urteil abzugeben, bestimmt, das oft so negativ ist, dass es als Empörung dargestellt werden kann. Dies vor allem bei Neigungen, die tief in der menschlichen Natur und sozialen Angewohnheiten eingewurzelt sind. Wir können diese Methode der Auffassung leicht auf Manifestationen unkorrekten menschlichen Verhaltens hochrechnen, die in Wirklichkeit von geringen psychologischen Defiziten verursacht werden. Wenn sich ein anderer Mensch auf eine Weise benimmt, die wir für „böse“ erachten, tendieren wir dazu, ein negatives Urteil abzugeben, anstatt zu versuchen die psychologischen Umstände zu verstehen, die ihn zu einem solchen Verhalten bringen könnten und sie überzeugt sind, dass sie sich eigentlich sehr korrekt verhalten. Aus diesem Grund sind sämtliche moralisierende Interpretationen von kleineren psychopathologischen Phänomenen irrig und führen nur zu einer Vielzahl von unglückseligen Konsequenzen, weshalb wir wiederholt darauf hinweisen werden.
Ein weiterer Defekt in der natürlichen Weltsicht ist ihr Mangel an Universalität. In jeder Gesellschaft entwickelt ein bestimmter Prozentsatz der Menschen eine Weltsicht, die sich stark von jener der Mehrheit unterscheidet. Die Gründe für diese Aberration liegen in ihrer Qualität keinesfalls in nur einem Bereich; wir werden diesen Punkt im vierten Kapitel genauer betrachten.
Auch in der eingeschränkten Bandbreite der Anwendbarkeit zeigt sich ein wesentlicher Mangel der natürlichen Weltsicht. Euklidische Geometrie wäre für eine technische Rekonstruktion unserer Welt, wie für eine Reise auf den Mond und zu den nächsten Planeten ausreichend. Wir benötigen jedoch eine Geometrie, deren Axiome weniger natürlich sind, wenn wir in der Innenseite eines Atoms oder an der Außenseite unseres Sonnensystems angekommen sind. Einem durchschnittlichen Menschen begegnen keine Phänomene, wo die Euklidische Geometrie nicht ausreichen würde. Fast jeder Mensch ist in seinem Leben irgendwann mit Problemen konfrontiert, die er lösen muss. Da ein Verständnis jener Faktoren, die hier wirklich am Werk sind, weit hinter dem geistigen Horizont seiner natürlichen Weltsicht liegt, verlässt sich der Mensch im Allgemeinen auf seine Emotionen — auf seine Intuition und auf sein Streben nach Glück. Wann immer wir auf einen Menschen treffen, dessen individuelle Weltsicht sich unter dem Einfluss atypischer Umstände entwickelt hat, tendieren wir dazu, ihn im Namen uns bekannterer Systeme der Weltsicht moralisch zu verurteilen. Kurzum, wann immer ein unbekannter psychopathologischer Faktor ins Spiel kommt, ist die natürliche Weltsicht nicht mehr anwendbar.
Des Weiteren treffen wir häufig auf sensible Menschen, die in Bezug auf psychologische, gesellschaftliche und moralische Aspekte eine gut entwickelte Weltsicht besitzen, die oft mittels literarischer Einflüsse, religiöser Bildung und philosophischer Betrachtungen verfeinert wurde. Solche Menschen haben eine ausgeprägte Tendenz, die Werte ihrer Weltsicht zu überschätzen und verhalten sich so, als ob sie eine objektive Basis besäßen, andere Menschen zu beurteilen. Sie ziehen dabei nicht die Tatsache in Betracht, dass solch ein System der Festlegung menschlicher Angelegenheiten ebenfalls irrig sein kann, da es nicht ausreichend objektiv ist. Wir wollen solch eine Haltung als „Egotismus der natürlichen Weltsicht“ bezeichnen. Dies ist die bislang am wenigsten schädliche Art von Egotismus, der in diesem Fall nur eine Überschätzung dieser Methode des Begreifens ist, welche die ewigen Werte menschlicher Erfahrungen enthält.
Heutzutage wird die Welt jedoch von einem Phänomen gefährdet, dass mittels solch einer natürlichen Konzeptsprache weder verstanden noch beschrieben werden kann; diese Art von Egotismus wird deshalb zu einem gefährlichen Faktor, der die Möglichkeiten objektiver Gegenmaßnahmen erstickt. Eine Entwicklung und Verbreitung der objektiven psychologischen Weltsicht könnte somit die Anwendungsbereiche des Umgangs mit dem Bösen bedeutend erweitern — über sensible Handlungen und zielgenaue Gegenmaßnahmen.
Die objektive psychologische Sprache, basierend auf ausgereiften philosophischen Kriterien, muss die Anforderungen aus ihren theoretischen Grundlagen und die Bedürfnisse der individuellen und makrosozialen Praxis erfüllen. Sie sollte gänzlich auf Basis biologischer Realitäten bewertet werden und eine Ausweitung der analogen Konzeptsprache sein, die sich aus den älteren Naturwissenschaften, besonders der Medizin, entwickelt hat. Ihre Anwendungsmöglichkeiten sollten alle Fakten und Phänomene erkennbarer biologischer Faktoren abdecken, für die sich die natürliche Sprache als unzureichend herausgestellt hat. Innerhalb dieses Rahmens sollte sie ein ausreichendes Verständnis der Inhalte und verschiedenen Ursachen ermöglichen, die für die Entstehung der oben erwähnten abweichenden Weltsichten verantwortlich sind.
Die Erarbeitung einer solchen Konzeptsprache, was weit über den Möglichkeiten jedes Wissenschafters liegt, ist eine schrittweise Angelegenheit; durch Beitrag vieler Forscher reift sie bis zu dem Punkt, wo sie unter philosophischer Supervision und der oben erwähnten Grundlagen organisiert werden kann. Solch eine Aufgabe würde der Entwicklung aller bio-humanistischen und sozialen Wissenschaften einen großen Beitrag beisteuern, indem sie von den Einschränkungen und irrigen Tendenzen befreit werden würde, die ihnen von dem übermäßigen Einfluss der natürliche Sprache psychologischer Vorstellungen, ganz besonders in Kombination mit einem Übermaß an Egotismus, auferlegt worden ist.
Die meisten in diesem Buch behandelten Fragen liegen hinter dem Anwendungsbereich der natürlichen Sprache. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit einem makrosozialen Phänomen, das unsere traditionelle wissenschaftliche Sprache völlig trügerisch werden ließ. Ein Verständnis dieser Phänomene erfordert deshalb eine Trennung der Gewohnheiten dieser Denkweise von der Anwendung der meisten objektiven Systeme und deren potentiellen Inhalten. Zu diesem Zweck hat sich als notwendig herausgestellt, die Inhalte zu entwickeln, sie zu organisieren und die geneigten Leser damit vertraut zu machen.
Auch lässt die Untersuchung dieser Phänomene, aus deren Eigenheit die Entstehung einer solchen Sprache nötig wird, einen großen Beitrag zur Bereicherung und Perfektion eines objektiven Systems der Konzepte erkennen.
Während der Arbeit an diesen Themen verstand ich schrittweise, durch eben genau diese Vorgehensweise, die Realität. Ich konnte eine Denkweise entwickeln, die sich sowohl als am Zutreffendsten als auch in Bezug auf Zeit und Mühe am Wirtschaftlichsten herausgestellt hat. Diese Perspektive beschützt auch den Verstand vor seinem eigenen natürlichen Egotismus und jeglicher exzessiver Rührseligkeit.
Im Laufe der bereits erwähnten Fragestellungen durchlief jeder am Projekt teilnehmenden Forscher eine persönliche Periode der Krise und der Frustration, als klar wurde, dass die bislang geglaubten Konzepte nicht länger geeignet waren. Vorgeblich korrekte Hypothesen, formuliert in der wissenschaftlich bestätigten natürlichen Konzeptsprache, stellten sich im Lichte der Tatsachen als völlig unzutreffend und aus nur vorübergehenden statistischen Berechnungen bestehend heraus. Gleichzeitig wurde die Arbeit an den Konzepten, die für eine Untersuchung der Realität besser geeignet waren, äußerst kompliziert, denn der Schlüssel für die Beantwortung der Fragen liegt in einem wissenschaftlichen Bereich, der sich immer noch in Entwicklung befindet.
Um in den damaligen Zeiten überleben zu können, benötigten wir Akzeptanz und Respekt für das Gefühl der Unwissenheit3, die einem Philosophen gerecht werden könnten. Jede neue Wissenschaft entsteht in Bereichen, die frei von populären Vorstellungen sind, die überwunden und zurückgelassen werden müssen. In diesem Fall musste dieser Vorgang jedoch besonders radikal vollzogen werden. Wir mussten uns in jedes Gebiet vorwagen, das durch die systematische Analyse der voll und ganz innerhalb der Umstände des makrosozialen Bösen beobachteten und erfahrenen Fakten eine tiefere Betrachtung anzeigte, geleitet vom Gedanken dies in wissenschaftlicher Methodik durchzuführen. Diese Maxime hielten wir trotz der außergewöhnlichen äußeren und unserer eigenen menschlichen, persönlichen Umstände hoch.
Nur sehr wenige der vielen Kollegen, die mit uns diese Reise begannen, konnten das Ziel erreichen, da sie aus den verschiedensten Gründen, die mit ihren individuellen Frustrationen in Zusammenhang standen, aufgegeben haben. Manche von ihnen konzentrierten sich auf eine einzige Frage, unterwarfen sich einer Art Faszination in Bezug auf deren wissenschaftlichen Wert und vertieften sich in Details. Ihre Ergebnisse finden sich in dieser Arbeit wieder, denn sie verstanden den umfassenden Sinn dieser Arbeit. Andere haben angesichts wissenschaftlicher Probleme, persönlicher Schwierigkeiten oder aus Angst von den Behörden entdeckt zu werden, die bei solchen Themen höchst wachsam sind, das Handtuch geworfen.
Aus diesem Grund wird der geneigte Leser, indem er dieses Buch liest, mit ähnlichen Problemen konfrontiert sein, obgleich in weit geringerem Ausmaß. Aufgrund der Notwendigkeit, ein gerüttelt Maß an früheren Konzeptualisierungen aufzugeben, kann ein gewisser Eindruck der Ungerechtigkeit entstehen, ein Gefühl, dass unsere natürliche Weltsicht ungeeignet ist und auch eine Verstärkung mancher emotionaler Verstrickungen. Ich bitte deshalb meine Leser, im Geist der Liebe zur Erkenntnis und ihrer rettenden Werte, diese verstörenden Gefühle zu akzeptieren.
Alle bislang gemachten Erklärungen sind für eine Darstellung der Sprache dieses Buches ausschlaggebend, damit der geneigte Leser es leichter verstehen kann. Ich habe versucht, mich dem Thema dieses Buches so zu nähern, dass einerseits der Bezug mit der Welt der objektiven Konzepte nicht verloren geht und andererseits die Arbeit für den geneigten Leser außerhalb eines kleinen Kreises an Spezialisten nicht unverständlich wird. Wir müssen aus diesem Grund den Leser bitten, die Fehler entlang dieser dünnen Linie zwischen diesen beiden Perspektiven zu entschuldigen. Der Autor wäre jedoch kein erfahrener Psychologe, wenn er nicht im Vorhinein wüsste, dass manche Leser die wissenschaftlichen Fakten, die in diesem Buch erbracht werden, mit dem Gefühl zurückweisen werden, dass dies ein Angriff auf die natürliche Weisheit ihrer Lebenserfahrungen ist.
Das menschliche Individuum
Als August Comte4 im frühen 19. Jahrhundert versuchte, die neue Wissenschaft der Soziologie zu begründen — lange bevor die moderne Psychologie geboren wurde — war er sofort mit dem Problem der Menschheit konfrontiert, ein Mysterium, das er nicht lösen konnte. Wenn er die übermäßigen Vereinfachungen der katholischen Kirche über die menschliche Natur zurückwies, dann war nichts außer den verbliebenen traditionellen Systemen zum Verständnis der Persönlichkeit übrig, die altbekannten sozialen Umständen entstammten. Er musste aus diesem Grund dieses Problem, neben anderen, vermeiden, wenn er seinen neuen wissenschaftlichen Zweig unter den gegebenen Umständen ins Leben rufen wollte.
Er akzeptierte deshalb als Kern der Gesellschaft die Familie, was weitaus leichter zu charakterisieren und behandeln war als ein grundlegendes Modell sozialer Beziehungen. Dies konnte auch durch eine Sprache verstehbarer Konzepte erreicht werden, ohne dabei die Probleme zu berühren, die zur damaligen Zeit unmöglich zu überwinden waren. Etwas später zeigte J.S.Mill5 die daraus resultierenden Mängel in der psychologischen Wahrnehmung und die Rolle auf, die der einzelne Mensch dabei spielt.
Erst heute behandelt die Soziologie erfolgreich diese Schwierigkeiten und stärkt durch mühselige Arbeit über die Errungenschaften der Psychologie die bestehenden Grundlagen der Wissenschaft. Die Psychologie behandelt schon aus ihrer Thematik heraus das Individuum als Basisobjekt der Beobachtung. Diese Neustrukturierung und Akzeptanz einer objektiven psychologischen Sprache wird mit der Zeit der Soziologie erlauben, zu einer wissenschaftlichen Disziplin zu werden, welche die gesellschaftliche Realität mit ausreichender Objektivität und Aufmerksamkeit für das Detail spiegeln kann, um damit eine Grundlage für die praktische Arbeit zu schaffen. Denn letztendlich ist es der Mensch, der die Grundlage der Gesellschaft ist, und dazu gehört auch der gesamte Komplex seiner menschlichen Persönlichkeit.
Um die Funktionsweisen eines Organismus zu verstehen, beginnt die Medizin Zellbiologie zu studieren, die sich mit den vielfältigen Strukturen und Funktionen von Zellen beschäftigt. Wenn wir die Gesetze verstehen wollen, die das soziale Leben regieren, müssen wir analog zuerst das individuelle menschliche Wesen verstehen, seine physiologische und psychologische Natur, und die Qualitäten und Bandbreiten der Unterschiede (besonders der Psychologischen) unter den Individuen beider Geschlechter, unterschiedlicher Familien, Gemeinschaften und sozialen Gruppierungen wie auch der komplexen Struktur der Gesellschaft selbst völlig akzeptieren.
Das doktrinäre und propagandabasierende sowjetische System enthielt einen charakteristischen, innen liegenden Widerspruch, dessen Ursache gegen Ende dieses Buches völlig verständlich sein wird. Die Abstammung des Menschen vom Tierreich, beraubt jeglicher außergewöhnlicher Vorkommnisse, wurde dort als einleuchtende Basis für die materialistische Weltsicht akzeptiert. Zur selben Zeit wurde jedoch die Tatsache unterdrückt, dass die Menschheit eine instinktive Begabung besitzt — etwas, das sie mit dem Tierreich gemeinsam hat. Wenn die Vertreter dieser Weltsicht mit besonders störenden Fragen konfrontiert wurden, gaben sie manchmal zu, dass der Mensch einen unbedeutenden Rest eines solchen phylogenetischen Erbe in sich trägt. Eine Veröffentlichung jeglicher Arbeiten, sie sich mit diesem grundlegenden Phänomen der Psychologie befassten, wurde jedoch immer verhindert.6
Um jedoch die Menschheit verstehen zu können, müssen wir ein grundlegendes Verständnis des instinktiven Substrats der Menschheit erlangen und seine herausragende Rolle im Leben des Individuums und von Gesellschaften anerkennen. Diese Rolle entzieht sich leicht unserer Aufmerksamkeit, da die instinktiven Reaktionen unserer menschlichen Spezies so nahe liegend erscheinen und für so selbstverständlich genommen werden, dass sie kaum Interesse erwecken. Ein Psychologe, der in der Beobachtung der Menschen geschult ist, erkennt diese Rolle dieses ewigen Phänomens der Natur nicht völlig an, höchstens wenn er Jahre professioneller Erfahrung hinter sich hat.
Das instinktive Substrat des Menschen weist eine ein wenig unterschiedliche biologische Struktur als die des Tierreichs auf. Energetisch gesprochen wurde es weniger dynamisch, dafür plastischer, und damit verlor es seine Funktion als Hauptantrieb des Verhaltens. Es wurde für die Steuerung der Vernunft empfänglicher, ohne jedoch dabei viel von seinem reichen spezifischen Inhalt der menschlichen Art einzubüssen.
Es ist genau diese phylogenetisch entwickelte Basis unserer Erfahrungen und ihre emotionale Dynamik, die dem menschlichen Individuum erlaubt, seine Gefühle und sozialen Bindungen zu entwickeln und ihn somit befähigt, durch Intuition den psychologischen Zustand eines anderen Menschen oder eine individuelle oder soziale psychologische Realität wahrzunehmen. Es ist aus diesem Grund möglich, menschliche Gewohnheiten und moralische Werte zu erkennen und zu verstehen. Von früher Kindheit an stimuliert dieses Substrat die verschiedenen Aktivitäten, die eine Entwicklung der höheren Funktionen des Verstandes zum Ziel haben. Anders gesagt ist unser Instinkt unser erster Lehrer, den wir unser ganzes Leben in uns tragen. Eine korrekte Erziehung ist deshalb nicht darauf eingeschränkt, einem jungen Menschen die Kontrolle über die allzu heftigen Reaktionen seiner instinktiven Empfindsamkeit beizubringen, sondern auch ihn zu lehren, die Weisheit der Natur, die seine instinktive Begabung beinhaltet und die sich dadurch mitteilt anzuerkennen.
Dieses Substrat beinhaltet Millionen von Jahren bio-psychologischer Entwicklung, die das Produkt der Lebensumstände einer Spezies ist, sodass sie weder eine perfekte → Schöpfung ist noch sein kann. Unsere altbekannten menschlichen Schwächen und Irrtümer in der natürlichen Wahrnehmung und dem Verständnis der Realität wurden aus diesem Grund seit Jahrtausenden7 auf dieser phylogenetischen Ebene konditioniert.
Diese allgemeine Basis der Psychologie machte es für die Menschen möglich, über Jahrhunderte und Zivilisationen hinweg Konzepte für menschliche, soziale und moralische Angelegenheiten zu erschaffen, die alle bedeutende Gemeinsamkeiten aufweisen. Interepochale und interrassische Abweichungen sind hier weniger bemerkenswert, als die Unterschiede von Menschen, deren instinktives menschliches Substrat normal ist, im Gegensatz zu solchen Menschen, die Träger eines instinktiven bio-psychologischen Defektes sind, obwohl sie beide zur selben Rasse und zur selben Zivilisation angehören. Wir werden uns aus diesem Grund dieser Frage wiederholt zuwenden müssen, da sie für die Probleme, die in diesem Buch behandelt werden, von entscheidender Wichtigkeit ist.
Schon in der Urzeit lebten die Menschen in Gruppen zusammen. Demnach wurde dieses instinktive Substrat unserer Spezies — diese gemeinsame Basis — in diesem Zusammenhang geformt und konditionierte so unsere Emotionen als Betrachtungsweise für die Gewinnung der Existenz. Die Notwendigkeit einer passenden inneren Struktur der Gemeinsamkeit und dem Streben nach einer wertvollen Rolle innerhalb dieser Struktur ist in dieser Basis einkodiert. Bei genauester Betrachtung steht unser Selbsterhaltungstrieb einem anderen Gefühl rivalisierend gegenüber: Das Wohl der Gesellschaft verlangt von uns Opfer, manchmal sogar das größte Opfer. Es zahlt sich jedoch aus aufzuzeigen, dass wir, wenn wir einen Menschen lieben, vor allem seinen menschlichen Instinkt lieben.
Unser Eifer jemanden zu kontrollieren, der auf uns oder unsere Gruppe negative Auswirkungen hat, ist in seinem unmittelbaren Reflex so grundlegend, dass kein Zweifel darüber besteht, dass dieser ebenfalls auf instinktiver Ebene einkodiert ist. Unser Instinkt unterscheidet jedoch nicht zwischen Verhaltensweisen, die durch einfache menschliche Fehler entstehen und Verhaltensweisen, die von Menschen mit pathologischen Abweichungen an den Tag gelegt werden. Ganz im Gegenteil: wir tendieren instinktiv dazu, pathologisches Verhalten stärker zu verurteilen, auf das natürliche Streben zu hören, biologisch oder psychologisch defekte Individuen zu eliminieren. Unsere Tendenz zu solch einem das Böse erzeugenden Irrtum ist deshalb ebenso auf der instinktiven Ebene konditioniert.
Auf dieser Ebene beginnen auch die Unterschiede zwischen normalen Individuen aufzutreten — die Einflüsse bei ihrer Charakterbildung, ihren Weltsichten und Verhaltensweisen. Die Hauptunterschiede liegen in der bio-psychischen Dynamik dieses Substrats — Unterschiede des Inhaltes sind zweitrangig. Bei manchen Menschen ersetzt der sthenische8 Instinkt die Psychologie — bei anderen wiederum überlässt er die Kontrolle der Vernunft. Es hat auch den Anschein, dass manche Menschen eine irgendwie umfassendere und subtilere instinktive Begabung als andere besitzen. Bedeutende Mängel in diesem Erbe treten trotz alledem nur in einem geringen Prozentsatz der menschlichen Bevölkerung auf. Wir nehmen dies als in ihrer Qualität pathologisch wahr. Wir sollten uns deshalb solchen Anomalien näher widmen, da sie bei der Pathogenese des Bösen, die wir besser verstehen wollen, eine Rolle spielen.
Ein subtilerer Struktureffekt entsteht dank konstanter Kooperation der beiden im letzten Absatz erwähnten Inhalte, wie auch aufgrund der familiären und gesellschaftlichen Methode der Kindeserziehung in unserem instinktiven Substrat. Mit der Zeit wird diese Struktur eine leicht zu beobachtende Komponente unserer Persönlichkeit, worin sie eine integrative Rolle spielt. Diese höhere Auswirkung ist die ausführende Kraft bei unseren Verbindungen mit der Gesellschaft, weshalb ihre korrekte Entwicklung die eigentliche Aufgabe von Pädagogen ist und eines der Ziele eines Psychotherapeuten ausmacht, wenn er entdeckt dass sie deformiert ist. Sowohl Pädagogen als auch Psychotherapeuten fühlen sich zeitweilig etwas hilflos, wenn der Bildungsprozess dieser Struktur von einem defekten instinktiven Substrat beeinflusst wurde.
Dank des Erinnerungsvermögens - ein Phänomen, das die Psychologie immer besser beschreiben kann, dessen Natur jedoch zum Teil mysteriös verbleibt - speichert der Mensch Lebenserfahrungen und vermeintlich erreichtes Wissen. Es bestehen in Bezug auf diese Fähigkeit, seine Qualitäten und seine Inhalte, umfassende individuelle Variationen. Ein junger Mensch betrachtet die Welt anders als ein alter Mensch mit gutem Erinnerungsvermögen. Menschen mit gutem Erinnerungsvermögen und einem großen Wissen neigen eher dazu, auf niedergeschriebene Informationen des kollektiven Gedächtnisses zuzugreifen, um das eigene Wissen aufzubessern.
Dieses gesammelte Material ist Gegenstand des zweiten psychologischen Prozesses: die Assoziation. Unser Verständnis der Charakteristika der Assoziation verbessert sich ständig, obgleich wir bislang nicht in der Lage waren, ihre Entstehung ausreichend zu beleuchten. Trotz, oder vielleicht Dank der Werturteile, die dieser Frage von Psychologen und Psychoanalytiker beigemessen wurde, hat es den Anschein, dass ein befriedigendes synthetisches Verständnis des assoziativen Prozesses solange nicht möglich sein wird, bis wird demütig zum Schluss gekommen sind, die Grenzen des rein wissenschaftlichen Verständnisses zu verlassen.
Unsere logischen Fähigkeiten werden deshalb weiterhin — unser ganzes Leben hindurch — entsprechende Beurteilungen entwickeln, die solange nicht aufhören werden, bis unser Haar grau ist und der Drang nach Instinkt, Emotion und Gewohnheit beginnt nachzulassen. Dies ist ein kollektives Ergebnis der Interaktion zwischen dem Menschen und seiner Umgebung — und vielen Generationen von Kreation und Überlieferung. Die Umgebung kann auch einen zerstörenden Einfluss auf die Entwicklung unserer logischen Fähigkeiten haben. Im Besonderen ist es die Umgebung — der menschliche Verstand ist von konversivem Denken kontaminiert9 — welche die häufigste Anomalie in diesem Prozess ausmacht. Aus genau diesem Grund verlangt die korrekte Entwicklung des Verstandes Zeiten gelegentlicher einsamer Reflektionen.
Der Mensch hat auch eine psychologische Funktion entwickelt, die im Tierreich nicht vorkommt. Nur der Mensch kann ein bestimmtes Maß an materieller oder abstrakter Vorstellungen in seinem Aufmerksamkeitsbereich begreifen, sie in der Innenschau inspizieren, um weitere Handlungen des Verstandes auf Basis dieser Eindrücke zu bewirken. Dies ermöglicht es uns, uns mit Fakten zu konfrontieren, konstruktive und technische Handlungen auszuführen und zukünftige Ergebnisse vorherzusagen. Wenn die Fakten einer inneren Projektion und Einsicht ausgesetzt werden, die sich mit der eigenen Persönlichkeit beschäftigen, dann vollzieht der Mensch einen Akt der Innenschau, der für die Beobachtung des Zustandes der Persönlichkeit eines Menschen und der Bedeutung seines eigenen Verhaltens essentiell ist. Dieser Akt der inneren Projektion und Einsicht ergänzt unser Bewusstsein — dieses Merkmal charakterisiert keine andere Spezies außer den Menschen. Es bestehen jedoch unter den Menschen außergewöhnlich große Divergenzen in Bezug auf die Kapazitäten für solch geistige Handlungen. Die Effizienz dieser geistigen Funktion zeigt eine doch recht niedrige statistische Korrelation mit der allgemeinen Intelligenz.
Wenn wir deshalb von allgemeiner Intelligenz sprechen, müssen wir deren sowohl innere Struktur als auch die individuellen Unterschiede, die auf jeder Ebene dieser Struktur auftreten, in Betracht ziehen. Die Basis unserer Intelligenz enthält letztendlich das instinktive Erbe der Natur von Weisheit und Irrtum, was die Grundintelligenz der Lebenserfahrungen zur Folge hat. Diesem Konstrukt überlagert, liegt Dank unseres Gedächtnisses und unserer assoziativen Kapazität unsere Fähigkeit, komplexe Gedankenabläufe durchzuführen, deren Krönung der Akt der inneren Projektion und die konstante Verbesserung ihrer Richtigkeiten ist. Wir besitzen diese Fähigkeiten in unterschiedlichen Begabungen, was ein Mosaik individueller, vielfältiger Talente entstehen lässt.
Aus diesem instinktiven Substrat wächst unsere Basisintelligenz unter dem Einfluss rücksichtsvoller Umweltbedingungen und eines für den Zugriff bereit stehenden Kompendiums menschlicher Erfahrungen. Es ist mit höheren Auswirkungen verflochten und erlaubt uns so, andere Menschen zu verstehen und ihren psychologischen Zustand mittels einer Art naiven Realismus intuitiv zu erfassen. Das Ergebnis daraus ist die Entwicklung der moralischen Vernunft.
Diese Schicht unserer Intelligenz ist innerhalb der Gesellschaft auf breiter Basis vorhanden. Die überwältigende Mehrheit der Menschen besitzt sie, weshalb wir in sozialen Beziehungen so häufig Anstand und Intuition bewundern können. Sogar Menschen, deren intellektuelle Begabungen nur durchschnittlich sind, zeigen sensible Moralgefühle. Wir treffen aber auch auf Menschen mit einem hervorstechenden Intellekt, die solche natürlichen Werte vermissen lassen. Wenn in diesem instinktiven Substrat Mängel vorhanden sind, dann nehmen die Defizite dieser Grundstruktur häufig Eigenschaften an, die wir als pathologisch wahrnehmen.
Die Streuung der menschlichen intellektuellen Kapazität innerhalb von Gesellschaften ist hingegen völlig unterschiedlich und von größter Bandbreite. Hoch begabte Menschen machen nur einen winzigen Prozentsatz jeder Population aus. Unter tausend Menschen weisen nur einige wenige einen höchstmöglichen Intelligenzquotienten auf. Trotzdem spielen diese Menschen im gemeinsamen Leben eine solch bedeutende Rolle, dass jede Gesellschaft bemüht ist, sie von dem Ausleben ihrer Fähigkeiten abzuhalten, denn sie stellen für die Gesellschaft eine Gefahr dar. Gleichzeitig sind jene Menschen, die nur mit Schwierigkeiten einfache arithmetische Aufgaben meistern oder die Kunst des Schreibens beherrschen in der Mehrheit. Es sind normale Leute, deren Grundintelligenz meist völlig ausreichend ist.
Es ist ein Grundgesetz der Natur, dass je höher die psychologische Organisation einer Spezies ist, desto größer die psychologischen Unterschiede unter den einzelnen Einheiten sind. Der Mensch ist die am Weistesten psychologisch organisierte Spezies. Deshalb sind hier die Schwankungen am größten. Psychologische Unterschiede treten in allen in diesem Buch behandelten Strukturen der menschlichen Persönlichkeit sowohl qualitativ als auch quantitativ auf, obgleich wir sie hier notwendigerweise stark vereinfacht darstellen. Tiefgehende psychologische Vielfältigkeiten mögen so manchem als eine Ungerechtigkeit der Natur erscheinen, doch sie sind ihr Recht und sie haben ihre Bedeutung.
Diese scheinbare Ungerechtigkeit der Natur ist in Wirklichkeit ein großes Geschenk an die Menschheit, denn sie ermöglicht menschlichen Gesellschaften ihre komplexen Strukturen zu entwickeln und auf sowohl individueller als auch kollektiver Ebene höchst kreativ zu wirken. Dank dieser psychologischen Vielfältigkeit ist das kreative Potential einer jeglichen Gesellschaft oftmals höher, als es bei einer psychologisch gleichförmigeren Spezies möglich wäre. Dank dieser Verschiedenheiten kann sich auch die implizite innere gesellschaftliche Struktur entwickeln. Das Schicksal menschlicher Gesellschaften hängt von der richtigen Ausrichtung der Menschen innerhalb dieser Struktur und von der Art und Weise ab, wie diese immanenten Variationen von Talenten genutzt werden.
Unsere Erfahrung zeigt uns, dass die psychologischen Unterschiede unter den Menschen der Grund für Missverständnisse und Probleme ist. Wir können dieses Problem nur dann lösen, wenn wir diese psychologischen Unterschiede als ein Naturgesetz akzeptieren und ihren kreativen Wert anerkennen. Dies würde uns auch in die Lage versetzen, ein objektives Verständnis des Menschen und menschlicher Gesellschaften erlangen zu können. Unglücklicherweise würde dies uns auch lehren, dass Gleichheit unter dem Gesetz des Rechts Ungleichheit unter dem Gesetz der Natur bedeutet.
Wenn wir unsere menschliche Persönlichkeit durch ein beständiges Nachspüren nach den inneren psychologischen Ursachen beobachten, wenn wir fähig sind, diese Frage ausreichend zu beantworten, dann nähern wir uns den Phänomenen, deren biopsychologische Energie äußerst niedrig ist, die sich selbst beginnen für uns mit einer gewissen charakteristischen Subtilität zu manifestieren. Nachdem wir dieses Phänomen entdeckt haben, bemühen wir uns daraufhin, unseren Assoziationen nachzugehen, besonders deshalb, weil wir die verfügbaren analytischen Möglichkeiten bereits ausgereizt haben. Schließlich werden wir zugeben müssen, etwas in uns zu bemerken, das ein Resultat einer übersinnlichen Ursache ist. Dieser Wegabschnitt kann der aufwändigste von allen sein, doch er wird nichtsdestotrotz zur höchst materiellen Sicherheit über eine Existenz führen, die alle großen Religionssysteme zum Inhalt haben. Die Erlangung eines kleinen Stückchens Wahrheit bringt uns auf diesem Weg zu einem respektvollen Umgang mit manchen antiken Lehren bezüglich der Existenz von etwas außerhalb des materiellen Universums.
Haben wir daher ein Verständnis der Menschheit zum Wunsch, des Menschen als Ganzes, ohne dabei die Gesetze des Denkens, die für eine objektive Sprache verlangt werden, auszusetzen, sind wir schließlich gezwungen, diese Realität zu akzeptieren, die in jedem von uns besteht, ob wir normal sind oder nicht, ob wie sie akzeptiert haben, weil wir so erzogen wurden oder weil wir alleine diesen Punkt erreicht haben, oder ob wir diese Erkenntnis aus materiellen oder wissenschaftlichen Gründen nicht anerkennen. Letzten Endes können wir immer, ausnahmslos, wenn wir negative psychologische Verhaltensweisen analysieren, ein Verhalten erkennen, das vom Bewusstsein unterdrückt wird. Als Konsequenz daraus erzeugt die konstante unterbewusste Anstrengung, Konzepte über existierende Dinge in Abrede zu stellen, einen Eifer, dies auch in anderen Menschen zu eliminieren.
Deshalb ist eine vertrauensvolle Öffnung unseres Geistes für eine Wahrnehmung dieser Realität für jeden Menschen unverzichtbar, dessen Aufgabe es ist, andere Menschen zu verstehen. Dies ist jedoch für jeden anderen Menschen auch ratsam. Dank dieser Öffnung wird unser Verstand fei von inneren Spannungen und Stress. Er kann so von seiner Neigung befreit werden, Informationen auszuwählen und auszutauschen, was auch für Bereiche gilt, die für ein natürliches Verständnis leichter erfassbar sind.
Die menschliche Persönlichkeit ist durch ihre Natur instabil — Normalzustand ist ein lebenslanger Entwicklungsprozess. Manche politischen und religiösen Systeme empfehlen eine Verlangsamung dieses Prozesses oder haben eine übertriebene Stabilität unserer Persönlichkeiten zum Ziel, doch aus psychologischer Sicht sind dies ungesunde Vorhaben. Wenn die Evolution einer menschlichen Persönlichkeit oder Weltsicht ausreichend lang und tiefgehend stillsteht, dann tritt dieser Zustand in den Bereich der → Psychopathologie ein. Der Prozess der Persönlichkeitstransformation legt die Bedeutung dieses Umstandes dank seiner eigenen kreativen Natur offen, die auf der bewussten Akzeptanz dieser kreativen Veränderung als natürlicher Lauf der Dinge beruht.
Unsere Persönlichkeiten durchlaufen als Resultat verschiedenster Lebensumstände auch temporäre zerstörerische Perioden, besonders wenn wir Leid ertragen oder Situationen und Umständen ausgesetzt sind, die sich nicht mit unseren bereits gemachten Erfahrungen und Vorstellungen in Einklang bringen lassen. Diese sogenannten Phasen des Zusammenbruchs sind meist unangenehm, obwohl sie dies nicht notwendigerweise sein müssen. Ein gut geschriebenes Drama kann uns zum Beispiel dazu bringen, eine kurze Phase des Zusammenbruchs zu erleben währen wir gleichzeitig die unangenehmen Komponenten beruhigen und kreative Ideen für eine erneuerte Wiedereingliederung unserer Persönlichkeit überlegen können. Richtiges Theater verursacht deshalb einen Zustand, der als Katharsis bekannt ist.
Ein Zustand des Zusammenbruchs erweckt in uns mentale Bemühungen im Versuch diesen zu überwinden und eine aktive Homöostase wiederherzustellen. Die Überwindung solcher Phasen hat zur Folge, dass unsere Irrtümer korrigiert und unsere Persönlichkeiten bereichert werden. Sie ist ein richtiger und kreativer Prozess der Wiedereingliederung und führt zu einem höheren Maß an Verständnis und Akzeptanz der Gesetze des Lebens, zu einem besseren Begreifen seiner selbst und anderer Menschen und zu einer höher entwickelten Sensitivität in zwischenmenschlichen Beziehungen. Unsere Gefühle bestätigen auch eine erfolgreiche Wiedereingliederung: die unangenehmen Umstände, die wir überlebt haben, werden mit Sinn bereichert. Aus diesem Grund schafft in uns eine solche Erfahrung eine bessere Vorbereitung für die nächste Konfrontation mit einer Phase des Zusammenbruchs.
Wenn wir jedoch nicht in der Lage waren die Probleme zu meistern, weil unsere Reflexe zu schnell waren, um die unangenehme Dinge aus unserem Bewusstsein zu unterdrücken oder zu ersetzen, oder aus irgendeinem anderen Grund, dann durchlebt unsere Persönlichkeit eine rückwirkende Egotisation10, und dies ist vom Gefühl des Versagens begleitet. Die Resultate sind devolutionär: Der Mensch wird weniger umgänglich. Wenn wir solch einen Zustand des Zusammenbruchs nicht überwinden können, weil die ursächlichen Umstände zu überwältigend waren oder wir nicht über die nötigen Informationen über einen konstruktiven Umgang verfügten, dann entwickelt unser Organismus eine neurotische Reaktion.
Die Darstellung der menschlichen Persönlichkeit, wie sie in diesem Buch gezeichnet wird, aus notwendigen Gründen zusammengefasst und vereinfacht, macht uns bewusst, wie komplex menschliche Wesen in ihrer Struktur, ihren Veränderungen und ihrem mentalen und spirituellen Leben sind. Wenn sie wünschen soziale Wissenschaften zu schaffen, deren Beschreibungen unserer Realität uns ermöglichen würden, uns praktisch auf sie verlassen zu können, dann müssen wir diese Komplexität akzeptieren und sicherstellen, dass sie auch ausreichend respektiert wird. Jeder Versuch, dieses Grundwissen mithilfe allzu vereinfachter Schemata zu ersetzen, führt zu einem Verlust dieser unverzichtbaren Konvergenz zwischen unserer Vernunft und der Realität, die wir beobachten. Wir müssen deshalb nochmals betonen, dass die Anwendung unserer natürlichen Sprache aus psychologischen Informationen zu diesem Zweck kein Ersatz für objektive Prämissen sein kann.
Es ist für einen Psychologen ähnlich schwierig an den Wert jeglicher sozialer Ideologie zu glauben, die auf vereinfachten oder sogar naiven psychologischen Prämissen beruht. Dies trifft auf jede Ideologie zu, die versucht die psychologische Realität allzu sehr zu vereinfachen, ob dies nun von einem totalitären System, oder — bedauerlicherweise — auch von einer Demokratie angewandt wird. Die Menschen sind unterschiedlich. Was immer sich qualitativ unterscheidet und sich in einem Zustand andauernder Evolution befindet, kann nicht gleich sein.
Die oben angeführten Aussagen über die menschliche Natur beziehen sich auf normale Menschen, es bestehen nur wenige Ausnahmen. Jede Gesellschaft auf der Erde enthält jedoch einen bestimmten Prozentsatz von Individuen, eine relativ kleine doch sehr aktive Minderheit, die nicht als normal angesehen werden kann.
Wir betonen, dass wir es hier mit einer qualitativen und nicht statistischen Anomalie zu tun haben. Außergewöhnlich intelligente Menschen sind statistisch nicht die Norm, doch sie können von einer qualitativen Sichtweise aus betrachtet sehr normale Mitglieder einer Gesellschaft sein. Wir werden unsere Beobachtungen über Menschen anstellen, die zwar statistisch eine sehr kleine Gruppe ausmachen, deren Qualitäten jedoch darin liegen, Hunderte, Tausende, ja sogar Millionen anderer Menschen auf negative Weise beeinflussen zu können.
Wir wollen Individuen betrachten, die ein morbides11 Phänomen preisgeben und bei denen mentale Abweichungen und Anomalien verschiedenster Art und Intensität beobachtet werden können. Viele dieser Leute sind von einer inneren Angst getrieben: sie suchen nach unkonventionellen Wegen für ihre Handlungen und richten ihr Leben mit einer gewissen charakteristischen Hyperaktivität ein. In manchen Fällen kann solch eine Aktivität bahnbrechend und kreativ sein, was manchen dieser Menschen eine gesellschaftliche Toleranz verschafft. Einige Psychiater — besonders die Deutschen — haben solche Menschen als verkörperte Hauptinspiration für die Entwicklung der Zivilisation bezeichnet — eine schädliche, einseitige Sicht der Realität. Im Bereich der Psychopathologie bekommen Laien häufig den Eindruck, dass solche Personen außerordentliche Talente verkörpern. Die → Psychopathologie geht jedoch weiter und sagt aus, dass diese Hyperaktivität und ihre Vorstellung außergewöhnlich zu sein aus ihrem Antrieb gezogen wird, ein Gefühl des Mangels zu kompensieren. Diese irrtümliche Attitüde resultiert in einer Verschleierung der Wahrheit: dass normale Menschen am Reichsten sind.
Im vierten Kapitel dieses Buches befindet sich eine präzise Beschreibung einiger dieser Anomalien, ihrer Ursachen und ihrer biologischen Realität — solcherart ausgewählt, um ein leichteres Verständnis dieser Arbeit als Ganzes zu ermöglichen. Auch gibt es noch weitere Fakten aus fachkundiger Arbeit, die zwar bereits veröffentliche sind, hier aber nicht miteingeschlossen werden. Wir müssen jedoch die allgemeine Form unseres Wissens auf diesem Gebiet näher beleuchten, das in Bezug auf unser Verständnis von vielen schwierigen Problemen des sozialen Lebens und ihrer praktischen Lösungen unbefriedigend ist. Viele Wissenschafter behandeln diesen Bereich der Wissenschaft als Randgebiet; andere als „undankbar“, da er leicht zu einem Missverständnis mit anderen Fachleuten führen kann. Als Konsequenz daraus entstehen viele verschiedene Konzepte und vielfältige semantische Gebräuche, und die Gesamtheit des Wissens auf diesem Gebiet wird immer noch auf allzu sehr erläuternde Weise charakterisiert. Dieses Buch umfasst deshalb auch Anstrengungen, deren Zweck es war, Licht auf die kausativen Aspekte der durch Beschreibungen bekannten Phänomene zu werfen.
Dieses pathologische Phänomen, das üblicherweise eine ausreichend geringe Intensität aufweist, die leichter vor der umfeldbedingten Meinung verborgen werden kann, vermischt sich ohne große Schwierigkeiten mit dem ewigen Prozess der Entstehung des Bösen, das daraufhin die Menschen, Familien und ganze Gesellschaften beeinflusst. Wir werden in diesem Buch lernen, dass diese pathologischen Faktoren zu unabdingbaren Bestandteilen in einer Synthese werden, die in breitem menschlichen Leid mündet und auch, dass die Nachverfolgung ihrer Aktivitäten durch wissenschaftliche Kontrolle und das soziale Bewusstsein sich als effektive Waffe gegen das Böse herausstellen könnte.
Diese Sichtweise der psychopathologischen Wissenschaft stellt aus den genannten Gründen einen unverzichtbaren Teil der objektiven Sprache dar, die wir bereits besprochen haben. Eine immer größer werdende Genauigkeit in den biologischen und psychologischen Fakten in diesem Bereich ist eine wichtige Voraussetzung für ein objektives Verständnis vieler Phänomene, die für eine Gesellschaft äußerst erdrückend sein können, wie auch für eine moderne Lösung uralter Probleme. Biologen, Physiker und Psychologen, die mit diesen schwer fassbaren und verworrenen Problemen befasst sind, verdienen von der Gesellschaft Hilfe und Aufmunterung zu erhalten, da ihre Arbeit einen zukünftigen Schutz der Menschen und der Nationen vor einem Bösen ermöglicht, dessen Ursachen wir noch nicht ausreichend verstehen.
Die Gesellschaft
Die Natur hat, wie oben beschrieben, den Menschen auf instinktiver Ebene unserer Spezies als soziales Wesen gestaltet — dies wurde bereits seit frühester Zeit einkodiert. Unser Verstand und unsere Persönlichkeiten hätten sich ohne Kontakt und gegenseitige Verknüpfung in einem immer größer werdenden Kreislauf niemals entwickeln können. Unser Geist empfängt Eindrücke von anderen Menschen, ob bewusst oder unbewusst. Dies betrifft das emotionale und mentale Leben, Traditionen und Gedanken, die durch eigene Sensitivität, Identifikation, Imitation und den Austausch von Ideen und bleibenden Regeln vermittelt werden. Die Informationen, die wir auf diese Weise erhalten, werden in der Psyche transformiert, um uns eine neue menschliche Persönlichkeit anzueignen, eine, die wir als „unsere eigene Persönlichkeit“ ansehen. Unsere Existenz ist jedoch durch unumgängliche Verbindungen zu jenen bedingt, die vor uns gelebt haben, sowie durch jene, die gegenwärtig unsere Gesellschaft bilden und die in der Zukunft leben werden. Unsere Existenz unterstellt nur jenem Bedeutung, das als eine Funktion zur gesellschaftlichen Bindung gesehen wird. Eine hedonistische Isolation bringt den Verlust unseres Selbst mit sich.
Es ist des Menschen Schicksal, aktiv an der Formgebung der Gesellschaft zu kooperieren, und das über zwei Prinzipien: Die Bildung des eigenen individuellen und familiären Lebens und die aktive Beteiligung an der Summe der sozialen Angelegenheiten, die auf des Menschen — hoffentlich ausreichenden — Verständnisses beruht, was getan werden muss, was getan werden soll und ob er dies tun kann oder nicht. Dies verlangt einem Menschen ab, zwei doch recht überlappende Bereiche des Wissens über die Dinge zu entwickeln. Sein Leben hängt von der Qualität dieser Entwicklungen ab, wie auch sein Land und die Menschheit als Ganzes.
Nehmen wir an, wir beobachten einen Bienenstock mit den Augen eines Malers, dann sehen wir etwas, was wie ein dichtes Gedränge von Insekten aussieht, die durch ihre Artgleichheit miteinander verbunden sind. Ein Bienenzüchter erkennt jedoch im Instinkt jedes einzelnen Insekts komplizierte einkodierte Gesetzmäßigkeiten, wie auch im Instinkt der ganzen Bienenpopulation. Dies hilft ihm zu verstehen, wie er mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur kooperieren kann, die über das Bienenvolk regieren. Der Bienenstock ist ein Organismus der höheren Art: Nicht eine einzelne Biene kann ohne ihm existieren, und deshalb fügt sie sich der absoluten Natur seiner Gesetze.
Wenn wir das Gewimmel von Menschen beobachten, die sich den Straßen der großen Metropolen der Menschheit drängen, erkennen wir etwas, das wie Menschen aussieht, die durch ihre Geschäftigkeit und ihre Probleme angetrieben sind und versuchen, ein kleines Stückchen Glück zu erhaschen. Solch eine Übervereinfachung der Realität bringt uns dazu, die Gesetze des sozialen Lebens zu missachten, die schon lange vor den Metropolen bestanden haben und die auch existieren werden, wenn die großen Städte Menschen- und Zweckentleert sind. Einzelgänger haben es in einer Gruppe schwer, diese Realität zu akzeptieren, die — für sie — nur potentiell existiert, wenngleich sie diese nicht direkt wahrnehmen können.
Tatsächlich hilft uns eine Akzeptanz der Gesetze des sozialen Lebens in all ihrer Komplexität, auch wenn wir Schwierigkeiten haben diese zu verstehen, schlussendlich einen bestimmten Grad an Verständnis zu erreichen, den wir über einen Vorgang erreichen, der einer Osmose ähnelt. Dank dieses Verständnisses, oder auch nur einer instinktiven Intuition von solchen Gesetzen, wird ein Mensch fähig, seine Ziele zu erreichen und seine Persönlichkeit über Handlungen reifen zu lassen. Mit hinlänglicher Intuition und ausreichendem Verständnis über diese Umstände ist eine Gesellschaft fähig, sich kulturell und wirtschaftlich weiterzuentwickeln und politische Reife zu erlangen.
Je weiter wir dieses Verständnis entwickeln, desto mehr befinden wir soziale Lehrmeinungen als primitiv und psychologisch naiv, besonders jene, die auf Gedanken von Denkern beruhen, die im 18. und 19. Jahrhundert lebten und durch einen Mangel an psychologischer Erkenntnis gekennzeichnet waren. Die suggestive Natur dieser Lehrmeinungen leitete sich aus einer Übervereinfachung der Realität ab, weswegen dies leicht adaptiert und für Zwecke politischer Propaganda genutzt werden kann. Diese Lehrmeinungen und Ideologien legen ihren Grundfehler in Bezug auf das Verständnis der menschlichen Persönlichkeit und der Unterschiede zwischen den Menschen ziemlich klar offen, wenn sie im Lichte unserer natürlichen Sprache der psychologischen Konzepte betrachtet werden, und noch viel mehr, wenn sie im Lichte der objektiven Sprache besehen werden.
Eines Psychologen Sichtweise der Gesellschaft, auch wenn sie nur auf professioneller Erfahrung beruht, stellt immer den Menschen in den Mittelpunkt; danach erweitert sich die Perspektive auf kleine Gruppen wie Familien, danach auf Gesellschaften und schließlich auf die gesamte Menschheit. Wir haben sodann von vornherein zu akzeptieren, dass das Geschick eines Menschen ganz bedeutend von den Verhältnissen abhängt. Wenn wir stufenweise den Umfang unserer Beobachtungen erweitern, erhalten wir auch eine größere bildhafte Genauigkeit der ursächlichen Verbindungen, und auch statistische Daten, die dies weiters untermauern.
Um die Wechselbeziehung zwischen dem Schicksal und der Persönlichkeit eines Menschen, und dem Entwicklungsstand einer Gesellschaft beschreiben zu können, müssen sämtliche gesammelte Informationen studiert werden, die bis dato in diesem Bereich zusammengesammelt wurden und die nun durch ein neues Werk ergänzt werden, das in objektiver Sprache verfasst ist. Hierin werde ich nur ein paar wenige Beispiele auflisten, die auf dieser Schlussfolgerung beruhen, um das Tor zu den Fragen zu öffnen, die gegen Ende dieses Buches gestellt werden.
Die besten Pädagogen verstanden immer, in jeder Kultur, in Bezug auf die Bildung einer Kultur oder des Charakters eines Menschen die Wichtigkeit der Bandbreite der Konzepte, die psychologische Phänomene benennen. Der Inhalt und Reichtum der Konzepte und Terminologie12, die von einem Menschen oder einer Gesellschaft beherrscht werden, wie auch das Maß, bis zu welchem sich diese einer objektiven Weltsicht annähern, bestimmen die Entwicklung unserer moralischen und sozialen Verhaltensweisen. Die Richtigkeit unseres Verständnisses von uns Selbst und der anderen Menschen charakterisiert die Bestandteile, die unsere Entscheidungen und unsere Wahl konditioniert, seien sie banal oder bedeutend, das private Leben oder soziale Handlungen betreffend.
Die Stufe und die Qualität jeder psychologischen Weltsicht einer beliebigen Gesellschaft beruht auch auf der Erkenntnis der gesamten sozio-psychologischen Struktur, die als Potential in der psychischen Vielfalt unserer Spezies vorhanden ist. Nur wenn wir einen Menschen in Bezug auf seine tatsächlichen inneren Konzepte verstehen können und diese nicht durch äußere Kennzeichen ersetzen, können wir ihm auf seinem Weg zu einer korrekten Einstellung dem sozialen Leben gegenüber helfen, was zu seinem Vorteil wäre und ihm helfen würde, sich ebenfalls an der Schaffung einer stabilen und kreativen Gesellschaftsstruktur zu beteiligen.
Unterstützt von einem richtigen Gefühl für psychologische Qualitäten und deren Verständnis, könnte eine solche Struktur jenen Menschen höchste soziale Funktionen gewähren, die sowohl psychisch völlig normal als auch genügend Talent besitzen und entsprechend vorbereitet sind. Die grundlegende kollektive Intelligenz der Bevölkerungen würde solche Menschen respektieren und unterstützen.
Und deshalb wären in einer solchen Gesellschaft die einzigen wirklichen Probleme, die zur Lösung anstünden, jene so schwierigen Angelegenheiten, die in der natürlichen Konzeptsprache nicht ausgedrückt werden könnten, wobei diese jedoch bereichert und qualitativ veredelt wäre.
Es gab immer „Gesellschaftspädagogen“, obgleich weniger herausragend als zahlreich, die von ihren eigenen großen Ideen fasziniert waren, die manchmal zwar sogar richtig gewesen sein könnten, aber die weit häufiger eingeschränkt waren oder Anteile von versteckten pathologischen Gedankengängen enthielten. Solche Menschen haben immer danach gestrebt, pädagogische Methoden anzuwenden, die zu einer Verarmung und Deformierung der Entwicklung einer individuellen und gesellschaftlichen psychologischen Weltsicht führen. Dies fügt den betreffenden Gesellschaften bleibende Schäden zu und entzieht ihnen universell dienliche Werte. Indem sie behaupten, im Namen einer besseren Idee zu handeln, untergraben sie in Wirklichkeit die Werte, für die sie angeblich stehen und öffnen destruktiven Ideologien Tür und Tor.
Gleichzeitig gibt es in jeder Gesellschaft, wie bereits erwähnt, eine kleine aber umso aktivere Minderheit von Menschen, die verschiedene abweichende Weltsichten pflegen, besonders in den oben behandelten Gebieten, die entweder durch psychologische Anomalien, die wir noch behandeln werden, oder durch Langzeiteinflüsse solcher Anomalien auf deren Psyche, speziell in der Kindheit, entstanden sind. Diese Menschen haben somit auf die Bildung der psychologischen Weltsicht einer Gesellschaft einen schädlichen Einfluss, besonders wenn sie die eine oder andere Ideologie vertreten, ob sie dies nun durch direkte Handlungen, über Bücher oder auf irgendeine andere Weise tun.
Viele Ursachen, die leicht der Aufmerksamkeit von Soziologen und Politikwissenschaftlern entgehen, können deshalb auf entweder eine Entwicklung oder eine Rückbildung dieses Faktors zurückgeführt werden, dessen Bedeutung für das gesellschaftliche Leben so bestimmend ist, wie die Qualität ihrer psychologischen Konzeptsprache.
Nehmen wir an, dass wir diese Vorgänge analysieren wollen: Wir würden eine entsprechend glaubwürdige Bestandsaufnahme anlegen, welche die Inhalte und Richtigkeit des zu überprüfenden Bereichs der entsprechenden Weltsicht kontrollieren würde. Nachdem wir mit repräsentativen Bevölkerungsgruppen Tests durchgeführt haben, würden wir die Kennzeichen dafür erhalten, wie es um die Fähigkeit der untersuchten Gesellschaft bestellt ist, psychologische Phänomene und Abhängigkeiten innerhalb ihres Landes und in und von anderen Nationen zu verstehen. Diese würden gleichzeitig sowohl die Grundindikatoren für die Selbstverwaltung und den Fortschritt der betreffenden Gesellschaft ausmachen, wie auch deren Fähigkeit, eine vernünftige internationale Politik zu betreiben. Solche Analysen könnten ein Frühwarnsystem bereitstellen, das imstande ist, wenn sich diese Fähigkeiten beginnen zu verschlechtern, die angemessenen Gegenmaßnahmen im Bereich der Sozialpädagogik treffen zu lassen. In extremen Fällen könnte es für betroffene Länder nützlich sein, dem Problem mit direkten Korrekturmaßnahmen zu entgegnen, auch wenn dabei das desorientierte Land solange isoliert wird, bis die angemessenen Korrekturmaßnahmen greifen.
Nehmen wir noch ein Beispiel ähnlicher Art unter die Lupe: Die Entwicklung der Begabungen, Fähigkeiten, des realitätsbezogenen Denkens und der natürlichen psychologischen Weltsicht eines erwachsenen Menschen wird dort optimal verlaufen, wo das Maß und die Qualität seiner Erziehung und die Anforderungen an seine beruflichen Tätigkeiten mit seinen individuellen Talenten übereinstimmen. Indem solch eine Situation erreicht wird, kann der Mensch daraus persönliche, materielle und moralische Vorteile ziehen. Auch die Gesellschaft als Ganzes erntet dadurch Vorteile. Dieser Mensch würde die Gesellschaft in Bezug auf ihn selbst als soziale Gerechtigkeit wahrnehmen.
Wenn in jeder beliebigen Gesellschaft verschiedene Umstände zusammenkommen, einschließlich einer mangelhaften psychologischen Weltsicht, werden die Menschen dazu gedrängt, Dinge zu tun, die nicht mit ihren individuellen Fähigkeiten übereinstimmen. Wenn dies der Fall ist, ist die Produktivität solch eines Menschen nicht besser, sondern oft sogar schlechter, als die eines Arbeiters mit durchschnittlichen Talenten. Der Mensch fühlt sich sodann betrogen und von Pflichten übermannt, die ihn vom Erreichen seiner Selbsterkenntnis abhalten. Seine Gedanken wandern von seinen Pflichten in eine Fantasiewelt, oder zu Dingen, die für ihn von größerem Interesse sind. In seinen Tagträumen wird er zu dem, was er sein sollte und was er verdiente zu sein. Solch eine Person weiß immer, wenn seine soziale und berufliche Ausrichtung abwärts verläuft. Doch gleichzeitig, wenn er es nicht schafft, eine gesunde Kritikfähigkeit gegenüber den oberen Grenzen seiner Talente zu entwickeln, können sich seine Tagträume auf eine ungerechten Welt fixieren, in der das einzige was benötigt wird Macht ist. Revolutionäre und radikale Ideen fallen bei solchen Menschen, die eine abwärts gerichtete soziale Einstellung haben, auf fruchtbaren Boden. Eine Gesellschaft sollte in ihrem eigenen Interesse solche Umstände korrigieren, nicht nur, damit eine höhere Produktivität entstehen kann, sondern auch, um Tragödien zu vermeiden.
Andererseits kann jemand eine wichtige Position bekleiden, weil er aus einer privilegierten sozialen Schicht stammt oder einer Organisation angehört, die an der Macht ist, während seine Talente und Fähigkeiten für seine Pflichten, besonders wenn sie schwierige Probleme betreffen, nicht ausreichend ausgeprägt sind. Solche Menschen vermeiden in diesem Fall die anstehende Problematik und widmen sich recht auffällig unwichtigeren Dingen. In ihrem Benehmen schleichen sich Anflüge von Schauspielkunst ein — Tests belegen, dass sich schon nach ein paar Jahren solchen Verhaltens die Genauigkeit ihrer Vernunft schrittweise verschlechtert. Angesichts des steigenden Drucks sich auf einer Stufe zu behaupten, die für sie unerreichbar ist und aus Angst für inkompetent gehalten zu werden, beginnen sie jeden direkt zu attackieren, der größere Talente und Fähigkeiten hat als sie selbst, entfernen sie aus geeigneten Positionen und spielen in der Herabsetzung ihrer sozialen und beruflichen Werte eine aktive Rolle.
Dies erzeugt klarerweise ein Gefühl von Ungerechtigkeit. Es kann auch zu den oben beschriebenen Problemen des abwärts gerichteten Menschen führen. Nach oben gerichtete Menschen befürworten deshalb peitschenschwingende totalitäre Regierungen, die ihre Positionen schützen.
Nach oben und nach unten gerichtete, wie auch qualitativ ungenaue soziale Ausrichtungen resultieren in jeder Gesellschaft in einer Verschwendung des gesellschaftlichen Grundkapitals, nämlich dem Talentefundus ihrer Mitglieder. Dies führt gleichzeitig zu einer steigenden Unzufriedenheit und zu Spannungen zwischen den Menschen und sozialen Schichten. Jeder Versuch, sich dem Thema der menschlichen Talente und ihrer Produktivitätsproblematik als rein private Angelegenheit zu nähern, muss aus diesem Grund als gefährlich naiv angesehen werden. Entwicklung oder Rückschritt hängt in allen Bereichen des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens davon ab, bis zu welchem Ausmaß dieser Talentefundus richtig eingesetzt wird. Letztendlich bestimmt dies auch, ob es eine Evolution oder eine Revolution geben wird.
Technisch gesprochen wäre es einfacher, dafür entsprechende Methoden zu entwickeln, die uns ermöglichten, in jedem beliebigen Land die Verbindungen zwischen den individuellen Talenten und der sozialen Ausrichtung zu evaluieren, als die Prämissen psychologischer Konzepte zu behandeln. Die Durchführung der richtigen Tests würde uns eine wertvolle Kennzahl bereitstellen, die wir als den „sozialen Werteindikator“ bezeichnen könnten. Je näher dieser Indikator an der Zahl +1,0 liegt, desto wahrscheinlicher würde das betroffene Land die Grundvoraussetzungen für soziale → Ordnung erfüllen und einen korrekten Weg in Richtung einer dynamischen Entwicklung einschlagen. Ein niederer Wert wäre ein Anzeichen dafür, dass eine soziale Reform vonnöten wäre. Ein Wert um Null oder ein negativer Wert sollte als Anzeichen für Gefahr gesehen werden, für eine bevorstehende Revolution. Eine Revolution in einem Land erzeugt oft in anderen Ländern vielfältige Probleme, deshalb wäre es im Interesse aller Länder, diese Umstände zu beobachten.
Die oben angeführten Beispiele betrachten jedoch nicht die Frage nach den ursächlichen Faktoren, welche die Schaffung einer sozialen Struktur beeinflussen, die mit den Gesetzen der Natur angemessen übereinstimmen könnte. Die Stufe unseres arteigenen Instinkts hat in ihrer Intuition bereits einkodiert, dass das Vorhandensein einer inneren Gesellschaftsstruktur, die auf psychologischen Verschiedenheiten beruht, notwendig ist. Dieser Instinkt entwickelt sich parallel mit unserer Intelligenz weiter und inspiriert unseren gesunden Menschenverstand. Dies erklärt, warum der Großteil der Weltbevölkerung, deren Talente in etwa dem Durchschnitt entsprechen, im Allgemeinen ihre bescheidene soziale Stellung akzeptiert, — in jedem Land — solange diese Stellung die unverzichtbaren Anforderungen an eine korrekte soziale Ausrichtung erfüllt und einen angemessenen Lebensstil garantiert, egal in welcher sozialer Schicht der Mensch sich zu Hause fühlt.
Diese durchschnittliche Mehrheit akzeptiert und respektiert die soziale Rolle jener Menschen, deren Talente und Erziehung besser sind, so lange sie selbst die passenden Positionen in der sozialen Struktur einnehmen. Dieselben Menschen werden jedoch mit Kritik, Respektlosigkeit und sogar Missachtung reagieren, wann immer jemand, der genauso durchschnittlich ist wie sie selbst, seine Mängel dadurch kompensiert, indem er mit seiner nach oben gerichteten Position prahlt. Die Urteile, die von solchen durchschnittlichen und doch sensiblen Menschen gefällt werden, sind oft höchst treffend, was umso bemerkenswerter ist wenn man in Betracht zieht, dass solche Menschen möglicherweise nicht über ein ausreichendes Wissen über aktuelle Probleme besitzen, seien sie nun wissenschaftlich, technisch oder wirtschaftlich.13
Ein erfahrener Politiker wird nur schwer annehmen können, dass Schwierigkeiten in den Bereichen der Wirtschaft, der Landesverteidigung oder der internationalen Politik von seiner Wählerschaft völlig verstanden werden. Er kann und sollte jedoch annehmen, dass sein eigenes Verständnis der menschlichen Angelegenheiten und von allem, was mit den zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Gesellschaft zu tun hat, in derselben Mehrheit der Mitglieder seiner Gesellschaft auf Widerhall stößt. Diese Tatsachen rechtfertigen zum Teil die Idee der Demokratie, besonders dann, wenn ein Land eine entsprechende historische Tradition besitzt, die soziale Struktur gut entwickelt und die Erziehung angemessen ist. Nichtsdestotrotz liefert sie keine ausreichenden psychologischen Daten, die Demokratie als moralischen Maßstab der Politik zu erheben. Eine Demokratie, die sich aus Menschen mit mangelhaftem psychologischem Wissen zusammensetzt, kann sich nur rückentwickeln.
Derselbe Politiker sollte sich im Klaren über die Tatsache sein, dass die Gesellschaft bereits Menschen enthält, die die psychologischen Resultate einer sozialen Fehlausrichtung mit sich tragen. Manche dieser Menschen versuchen ihre Positionen zu schützen, die ihren Fähigkeiten nicht entsprechen, während manche darum kämpfen, ihre Talente einsetzen zu dürfen. Wenn solch ein Kampf beginnt andere wichtige Bedürfnisse in den Schatten zu stellen, wird es immer schwieriger ein Land zu regieren. Aus diesem Grund ist die Schaffung einer gerechten sozialen Struktur eine Grundvoraussetzung für soziale → Ordnung und die Befreiung kreativer Werte. Dies erklärt auch, warum der Anstand und die Produktivität eines strukturschaffenden Prozesses ein Kriterium für ein gutes politisches System ist.
Politiker sollten sich auch darüber bewusst sein, dass es in jeder Gesellschaft Menschen gibt, deren Grundintelligenz, deren natürliche psychologische Weltsicht und moralische Vernunft ungeeignet entwickelt ist. Manche dieser Menschen tragen die Gründe dafür in sich selbst, manche waren in ihrer Kindheit psychisch abnormen Menschen ausgesetzt. Solche Menschen besitzen über soziale und moralische Fragen ein unterschiedliches Verständnis, sowohl aus natürlicher als auch aus objektiver Sicht. Sie sind für die Entwicklung von gesellschaftlichen psychologischen Konzepten, sozialen Strukturen und internen Übereinkünften ein destruktiver Faktor.
Gleichzeitig können solche Menschen über ein verzweigtes14 Netzwerk gegenseitiger pathologischer Abmachungen, die kaum mit der gesellschaftlichen sozialen Struktur verknüpft sind, sehr leicht die sozialen Strukturen durchbrechen. Diese Menschen beteiligen sich mit ihren → Netzwerken an der Entstehung jenes Bösen, das keine Nation ausnimmt. Diese Substruktur lässt Träume von Macht und der Aufnötigung des eigenen Willens auf die Gesellschaft entstehen. Das Ergebnis sieht und sah man sehr oft in verschiedensten Länder und während der gesamte Geschichte. Aus diesem Grund wird sich ein beträchtlicher Teil unserer Betrachtung einem Verständnis dieser uralten und gefährlichen Ursache von Problemen widmen.
Manche Länder, die eine inhomogene Bevölkerungsstruktur aufweisen, entwickeln zusätzliche Faktoren, die auf die Bildung sozialer Strukturen und den andauernden Entwicklungsprozess einer gesellschaftlichen psychologischen Weltsicht destruktiv wirken. Im Wesentlichen betrifft dies rassische, ethnische und kulturelle Unterschiede, die in nahezu jeder durch Eroberung entstandener Nation existieren. Erinnerungen an früheres Leid und Missachtung der Besiegten teilen die Bevölkerungen Jahrhunderte lang. Es ist möglich, diese Schwierigkeiten zu überwinden, wenn sich über Generationen hinweg Verständnis und guter Wille durchsetzen.
Doch erzeugen auch Unterschiede im religiösen Glauben und den diesbezüglichen moralischen Überzeugungen Probleme, wenngleich diese auch weniger gefährlich als die bereits erwähnten Faktoren sind, außer sie werden dadurch erschwert, dass eine Doktrin Intoleranz oder Überlegenheit des einen Glauben über den anderen lehrt. Die Schaffung einer sozialen Struktur, die starke Verbindungen zu Patriotismus und Überreligiösität aufweist, hat sich, wie allgemein bekannt, als möglich herausgestellt.
All diese Schwierigkeiten werden dann extrem destruktiv, wenn eine soziale oder religiöse Gruppierung im Einklang mit ihrer Doktrin verlangt, dass ihren Mitglieder Positionen eingeräumt werden, die in Bezug zu den wirklichen Fähigkeiten dieser Menschen nicht angebracht sind, die Talente verlangen, die über den ihren stehen.
Eine reine soziale Struktur, die aus individuell ausgerichteten Menschen besteht und die deshalb als Ganzes kreativ und dynamisch ist, kann nur dann Form annehmen, wenn dieser Prozess seinen natürlichen Gesetzen unterliegt, und nicht einer konzeptuellen Doktrin ausgesetzt ist. Dabei hat sowohl die Gesellschaft als Ganzes als auch der individuelle Mensch einen Vorteil, der so die Möglichkeit bekommt, seinen eigenen Weg der Selbsterkenntnis zu finden und auch von einer Gesellschaft unterstützt wird, die diese Gesetze, die individuellen Interessen und das allgemeine Wohl versteht.
Es hat den Anschein, dass in großen Ländern ein Hindernis für die Entwicklung einer gesellschaftlichen psychologischen Weltsicht, des Aufbaus einer gesunden gesellschaftlichen Struktur und der Einrichtung entsprechender Regierungsformen die enormen Bevölkerungszahlen und riesigen Entfernungen sind. Und in genau diesen Ländern entstehen die größten ethnischen und kulturellen Verschiedenheiten. In einem riesigen Land, in den hunderte Millionen Menschen leben, vermisst der einzelne Mensch die vertraute Heimat und fühlt sich den Machenschaften der hohen Politik gegenüber machtlos. Im weiten Land geht die Gesellschaftsstruktur verloren. Eng verbleiben hingegen im Allgemeinen die Familienbande.
Auch schafft das Regieren eines solchen Landes seine eigenen unabdingbaren Probleme: Durch die „Große Krankheit“, wie man eine permanente Makropathie bezeichnen könnte, entsteht enormes Leid, da die verantwortlichen Behörden weit weg von individuellen oder lokalen Angelegenheiten sitzen. Als Hauptsymptom kann man eine Zunahme von Regeln erkennen, die für die Administration benötigt werden. Diese können vom Ansatz her richtig erscheinen, doch sie sind in entlegenen Gebieten oder in persönlichen Angelegenheiten oft bedeutungslos. Die Verwaltung muss diesen Regeln blind folgen. Die Möglichkeit für Beamte, ihre menschliche Vernunft zu benutzen und gewisse Situationen real einschätzen zu können, wird dadurch sehr gering. Solche Verhaltensregeln haben auf die Gesellschaft einen entsprechenden Einfluss, die ihrerseits ebenfalls beginnt in Regeln zu denken, anstatt die praktische und psychologische Realität in Betracht zu ziehen. Die psychologische Weltsicht, die der Grundfaktor in der kulturellen Entwicklung ist und die das soziale Leben aktiviert, wird auf diese Weise damit verwoben.
Wir müssen deshalb die folgenden Fragen stellen: Ist eine gute Regierung überhaupt möglich? Können große Länder überhaupt eine soziale und kulturelle Evolution aufrechterhalten? Es hat eher den Anschein, dass die besten Kandidaten für solch eine Entwicklung Länder sind, die zwischen zehn und zwanzig Millionen Einwohner haben und in denen die persönlichen Bindungen unter den Bürgern und zwischen den Bürgen und den Autoritäten eine korrekte psychologische Unterscheidung und natürliche Beziehungen gewährleisten. Ganz offenbar sollten große Länder in kleinere Organismen unterteilt werden, die in Bezug auf ihre wirtschaftlichen und kulturellen Angelegenheiten eine beträchtliche Autonomie aufweisen sollten. Sie könnten ihren Einwohnern ein Gefühl von Heimat vermitteln, wo ihre Persönlichkeiten reifen und sich entwickeln können.
Wenn man mich fragen würde, wie denn die Vereinigten Staaten von Amerika geheilt werden könnten, ein Land das Symptome von Makropathie aufweist, inter alia, dann würde ich vorschlagen, die große Nation in dreizehn Staaten aufzuteilen — ähnlich der ersten Kolonien, nur entsprechend größer und mit natürlicheren Grenzen. Diesen Staaten sollte eine beträchtliche Autonomie gewährt werden. Das würde der Bevölkerung ein Gefühl von Heimat vermitteln, obgleich einer kleineren, und sie von den Motivationen eines lokalen Patriotismus und der Rivalität untereinander befreien. Es würde im Gegenzug auch die Lösungen für andere Probleme erleichtern, die aus verschiedenen Gründen entstanden sind.
Eine Gesellschaft ist kein Organismus, bei dem sich jede Zelle dem Wohle des Ganzen unterordnet. Sie ist auch keine Insektenkolonie, wo der kollektive Instinkt wie ein Diktator agiert. Es sollte jedoch auch vermieden werden, dass sie zu einem Kompendium von egozentrischen Individuen und formalen Organisationen wird.
Jede Gesellschaft ist eine sozio-psychologische Struktur aus Individuen, deren psychologische Organisation am Höchsten, und deshalb am Vielfältigsten ist. Davon hängt ein bedeutender Anteil der individuellen Freiheit des Menschen ab, der aus extrem komplizierten Beziehungen mit den menschlichen psychologischen Abhängigkeiten und Pflichten besteht, die sich auf dieses kollektive Ganze beziehen.
Eine Isolation der persönlichen Interessen eines Menschen, als ob diese mit den kollektiven Interessen im Kriegszustand wären, ist eine reine Spekulation, die radikal die wirklichen Zustände allzu sehr vereinfacht, als dass man stattdessen den komplexen Zusammenhängen auf den Grund geht. Auf Basis solcher Annahmen Fragen zu stellen ist ein logischer Defekt, dem irrige Vermutungen zugrunde liegen.
In Wirklichkeit können viele auf den ersten Blick gegensätzliche Interessen, wie die individuellen Interessen im Gegensatz zu den Kollektiven oder die Interessen verschiedener sozialer Gruppierungen und Substrukturen, miteinander abgeglichen werden, wenn wir von einem ausreichenden Verständnis des Wohls des Menschen und der Gesellschaft geleitet werden und die emotionellen Abläufe wie auch einige der mehr oder weniger primitiven Doktrinen überwinden können. Solch eine Aussöhnung verlangt jedoch ein erhöhtes Verständnis der menschlichen und sozialen Probleme und eine Akzeptanz der natürlichen Gesetze des Lebens. Auf dieser Stufe stellt sich heraus, dass sogar die schwierigsten Probleme einer Lösung zugeführt werden können, da sie sich ausnahmslos aus denselben heimtückischen Prozessen ableiten, die psychopathologischen Phänomenen zu Grunde liegen. Wir werden diese Frage gegen Ende dieses Buches behandeln.
Eine Insektenkolonie, egal wie gut diese sozial auch organisiert ist, ist dann zum Aussterben verdammt, wenn ihr kollektiver Instinkt weiterhin nach seinem psychogenetischen Kode agiert, obwohl seine biologische Bedeutung nicht mehr vorhanden ist. Wenn zum Beispiel eine Bienenkönigin ihren Hochzeitsflug nicht zeitgerecht unternimmt, weil das Wetter besonders schlecht war, dann legt sie unbefruchtete Eier, die nur Drohnen hervorbringen. Die Bienen werden ihre Königin weiterhin verteidigen, wie von ihrem Instinkt befohlen — und wenn die Arbeitsbienen sterben, stirbt der gesamte Bienenstock aus.
Zu diesem Zeitpunkt kann nur eine „höhere Autorität“ in Form des Imkers solch einen Bienenstock retten. Er muss die Drohnenkönigin finden und vernichten und stattdessen eine gesunde, befruchtete Königin gemeinsam mit ein paar ihrer jungen Arbeitsbienen in den Bienenstock einbringen. Ein paar Tage lang benötigt der Imker ein Netz, um die neue Königin und ihre Beschützer vor den Stacheln der anderen Bienen zu schützen, die der alten Königin treu ergeben sind. Danach akzeptiert der Instinkt des Bienenstocks die neue Königin. Bei diesem Vorgang muss der Imker normalerweise einige schmerzhafte Bienenstiche ertragen.
Aus diesem Vergleich ergibt sich die folgende Frage: Kann der menschliche Schwarm, der unseren Planeten bewohnt, ein ausreichendes Verständnis über makrosoziale pathologische Phänomene erlangen, die so gefährlich, abscheulich und gleichzeitig faszinierend sind, bevor es zu spät ist? Gegenwärtig können unsere individuellen und kollektiven Instinkte, wie auch unsere natürliche psychologische und moralische Weltsicht uns nicht mit allen Antworten ausstatten, auf deren Grundlage wir fachkundige Gegenmaßnahmen ergreifen könnten.
Jene aufrichtigen Menschen, die predigen, dass wir nur dem „Großen Bienenzüchter im Himmel“ vertrauen müssen und dass eine Rückkehr zu Seinen Geboten einen Blick auf die allgemeine Wahrheit erhaschen lässt, neigen ebenfalls dazu, einzelne Wahrheiten zu trivialisieren, besonders die lebensnahen Wahrheiten. Doch diese Wahrheiten bestimmen die Basis für das Verständnis der Phänomene und für gezielte praktische Handlungen. Die Gesetze der Natur haben uns sehr unterschiedlich geschaffen. Dank dieser individuellen Charakteristika, außergewöhnlichen Lebensumstände und wissenschaftlichen Bemühungen hat der Mensch die Möglichkeit, Meisterschaft in der Kunst des objektiven Verständnisses über die erwähnten Phänomene zu erreichen. Wir müssen jedoch unterstreichen, dass dies nur deshalb so sein könnte, weil es in Übereinstimmung der Gesetze der Natur geschehen kann.
Wenn Gesellschaften und ihre Weisen fähig sind, ein objektives Verständnis von sozialen und soziopathologischen Phänomenen zu akzeptieren und zu diesem Zweck die Empfindsamkeit und den Egotismus der natürlichen Weltsicht überwinden können, werden sie zu Handlungsweisen fähig sein, die auf einem Verständnis der Essenz dieser Phänomene beruht. Es wird dann offensichtlich sein, dass es für jede der Krankheiten, welche die Erde in Form von größeren oder kleineren sozialen Epidemien geißeln, eine passende Impfung oder Behandlung gibt.
So wie ein Seemann, der im Besitz einer richtigen Seekarte ist, eine größere Wahl hat, seinen Kurs auszusuchen, um zwischen Inseln und Buchten zu manövrieren, so besitzt ein Mensch mit einem besseren Verständnis seiner Selbst, anderer Menschen und der komplexen gegenseitigen Abhängigkeiten des sozialen Lebens eine größere Unabhängigkeit von den verschiedenen Lebensumständen und er kann leichter Situationen überwinden, die schwierig zu verstehen sind. Gleichzeitig bindet dieses größere Wissen einen Menschen stärker an seine gesellschaftlichen Pflichten und an die Disziplin, die als logische Folge daraus entsteht. Eine besser informierte Gesellschaft erreicht auch eine innere → Ordnung und Kriterien für kollektive Bemühungen. Dieses Buch wurde geschrieben, um dieses Wissen mittels eines natürlichen Verständnisses der Phänomene zu festigen, was bislang nur teilweise über maßlos überhöhte moralische Kategorien der natürlichen Weltsicht möglich war.
In einem weiteren Sinn muss eine andauernde Verbesserung des Verständnisses der Gesetze, die das soziale Leben regieren, wie ihrer atypisch ausgeklammerten Lücken dazu führen, dass wir über das Versagen und die Mängel jener bislang vorhandenen sozialen Doktrinen nachdenken, die auf einem äußerst primitiven Verständnis dieser Gesetze und Phänomene beruhen. Der Weg von solchen Betrachtungen zu einem besseren Verständnis der Arbeitsweisen dieser Abhängigkeiten in vergangenen und bestehenden sozialen Systemen ist nicht weit — dasselbe gilt für stichhaltige kritische Abhandlungen darüber. Eine neue Idee ist dabei geboren zu werden, die auf diesem immer tiefer werdenden Verständnis der natürlichen Gesetze basiert — der Aufbau eines neuen Sozialsystems für Nationen.
Solch ein System wäre besser als jedes seiner Vorgänger. Sein Aufbau ist nötig und möglich, und nicht nur eine vage futuristische Vision. Immerhin wird derzeit eine ganze Reihe von Ländern von Zuständen beherrscht, die die historisch gewachsenen Strukturen zerstört und durch soziale Systeme ersetzt haben, welche einer kreativen Arbeitsweise abträglich sind, Systeme, die nur mit Gewalt aufrechterhalten werden können. Aus diesem Grund stehen wir hier einem großen Aufbauprojekt gegenüber, das eine weit reichende und gut organisierte Arbeit verlangt. Je früher wir beginnen, desto mehr Zeit verbleibt uns für die Umsetzung.
Lorenz trat 1938 der NSDAP bei und akzeptierte einen Lehrstuhl für Psychologie unter dem Nationalsozialistischen Regime. Seine damaligen Publikationen führten später zur Annahme, dass seine wissenschaftliche Arbeit von den Nazis kontaminiert war. Als er den Nobelpreis erhielt, entschuldigte er sich für eine seiner Publikationen aus dem Jahr 1940 indem er sagte: „Viele hoch angesehene Wissenschaften erhofften sich, wie ich, eine kurze Zeit vom Nationalsozialismus etwas Gutes, und viele wandten sich, wie ich, mit demselben Schrecken wieder von ihm ab.“ (aus dem Englischen rückübersetzt). Es scheint sehr wahrscheinlich, dass Lorenz‘ Idee einer ererbten Grundlage von Verhaltensmustern den Autoritäten des Naziregimes geistesverwandt waren, allerdings gibt es keinerlei Anzeichen, dass seine experimentellen Arbeiten von nationalsozialistischem Gedankengut inspiriert oder beeinflusst waren. (Anm. d. Herausgebers)
Aus diesem Grund wird die Inhaltsebene einer Sprache für die Möglichkeit, was in dieser Sprache diskutiert werden kann, ausschlaggebend. Damit der Klang der Sprache eine Bedeutung vermitteln kann, müssen die Wörter, die aus diesen Klängen geformt werden, eine Bedeutung zugeschrieben bekommen, die mit ihnen assoziiert werden kann. Anders ausgedrückt bezieht sich der Klang auf den Inhalt. Die Aneinanderreihung der Inhalte stellt die Realität dar, auf die sich unsere Wörter beziehen, die wir in der Lage sind zu erfassen.
Łobaczewski zeigt richtigerweise auf, dass ein normaler Mensch ein psychologisches Vokabular beherrscht, das aus einem eingeschränkten Verständnis besteht, da die Aneinanderreihung der Inhalte künstlich beschränkt, unterdrückt oder anderweitig beeinträchtigt wurden. (Anm. d. Herausgebers)
FUßNOTEN
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Sanskrit, aus der Wortwurzel pri: füllen, vervollständigen, bescheren. Buchstäblich bedeutet es „Mensch“. In der esoterischen Philosophie wird es benutzt, um den „idealen Menschen“ auszudrücken; das ewige göttliche Selbst, die absolute Realität, das reine Bewusstsein. (Anm. d. Herausgebers)
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Die Entwicklungsgeschichte eines Individuum oder Organismus (häufig von der befruchteten Zygote bis zur Reife. (Anm. d. Herausgebers)
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Wortwörtlich: Das Fehlen von Wissen. (Anm. d. Herausgebers)
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Auguste Comte (1798 - 1857) war ein französischer Positivist, der bei der Bildung des Fachs Soziologie eine wichtige Rolle spielte. (Er prägte auch den Begriff). Er entwickelte sein System des Positivismus aus historischen Studien über den menschlichen Verstand. Daraus theoretisierte er ein historischen Gesetz der „drei Phasen“ der Geschichte der Wissenschaft. Diese waren: Theologisch, Metaphysisch und Positiv. Er schuf auch eine universelle Hierarchie aller zuvor bestehender Wissenschaften, die er als organisch und anorganisch einstufte. Comte betrachtete die „soziale Physik“ oder „Soziologie“ als die größte aller Wissenschaften, als die Wissenschaft, die alles vorhandene wissenschaftliche Wissen miteinschließt. (Anm. d. Herausgebers).
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John Stuart Mill (1806 - 1873) war ein englischer Philosoph und Nationalökonom und ein einflussreicher Freidenker des 19. Jahrhunderts. Er vertrat den Utilitarismus, die ethnische Theorie, die von seinem Patenonkel Jeremy Bentham systematisiert wurde. Während seiner Zeit als Abgeordneter schlug er vor, Irland zu entlasten und er war der erste Mann, der das Frauenwahlrecht einforderte. In Considerations on Representative Government, verlangte Mill nach mehreren Parlaments- und Wahlrechtsreformen. Mill argumentierte, dass die einzige Rolle der Regierung sei, Grenzen und Gesetze aufzulösen, die Regeln enthielten, die nicht auf den Schutz der Menschen ausgerichtet waren. Für ihn war ausschlaggebend, dass Offenheit keinen Schaden anrichte, und deshalb unterstütze er die Idee der absoluten Redefreiheit. Nur dann, wenn die Redefreiheit direkten Schaden zufügte, wollte er sie einschränken. Einen aufgebrachten Mob dazu zu animieren, Leute zu attackieren, wäre zum Beispiel in Mills System nicht angemessen gewesen. Er war der Meinung, dass eine freie Diskussion für die Sicherung von Fortschritt ausschlaggebend sei. Er argumentierte, dass wir niemals sicher sein könnten, ob nicht eine unausgesprochene Meinung ein Stückchen Wahrheit enthalten könnte. Geistreich argumentierte er weiter, dass sogar falsche Meinungen ihren Wert haben, und zwar darin, dass in der Widerlegung einer falschen Meinung diejenigen, die der richtigen Meinung waren, ihre Überzeugung bestätigt bekämen. Ohne eine Verteidigung der eigenen Überzeugungen, argumentierte Mill, wären alle Überzeugungen nutzlos und wir würden vergessen, warum wir sie haben. (Anm. d. Herausgebers)
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Siehe: “A Mess in Psychiatry“, Ein Interview mit Robert van Voren, Generalsekretär der Genfer Initiative für Psychiatrie, veröffentlicht in Niederländischen Tageszeitung De Volkskrant am 9. August 1997, indem er sagt: „Die Sowjetische Psychiatrie tritt seit 1950 nicht nur auf der Stelle, sie entwickelt sich sogar rückwärts. Es hat sich gar nicht geändert. Kein (russischer) Psychiater würde jemals im Westen eine Anstellung finden. Sie haben dort Methoden, über die man im Westen nicht einmal mehr sprechen kann.“ (Anm. d. Herausgebers)
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Konrad Lorenz: Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung (1943); Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression (1963); Über tierisches und menschliches Verhalten, 2 Bände (1965); Die Rückseite des Spiegels (1973); Vergleichende Verhaltensforschung oder Grundlagen der Ethologie. (1978)
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sthenisch: stark, kraftvoll, energisch, aktiv. (Anm. d. Herausgebers)
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konversives Denken: gegenteiliges Denken; die Verarbeitung von Begriffen und das Hinterlegen gegenteiliger oder verdrehter Bedeutungen. Beispiele: friedvoll = besänftigend; Freiheit = Erlaubnis; Initiative = Willkür; traditionell = rückschrittlich; sich geschlossen hinter jemanden stellen = Mob; Tüchtigkeit = Dummheit. Erklärung: Die Wörter „friedvoll“ und „besänftigend“ sagen dasselbe aus: einen Versuch, Frieden herzustellen, doch sie haben einen völlig unterschiedlichen Bedeutungsumfang, der die Haltung desjenigen, der sie ausspricht, zu seinem Versuch Frieden herzustellen, anzeigt. (Anm. d. Herausgebers)
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aufhören, narzisstisch zu sein. (Anm. d. Herausgebers)
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krank (Anm. d. Herausgebers)
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Łobaczewskis Hervorhebung der Sprache ist sehr wichtig. Semiotik ist das Studium einer Sprache oder jedes anderen Symbols, das eine Bedeutung vermittelt. Eine der großen philosophischen Diskussionen die sich über die Jahrhunderte erhalten hat ist jene, von wem das Alphabet stammt und wer den Dingen „die Namen“ gibt (z.B. Adam in der jüdisch-christlichen Tradition). In Bezug auf die Semiotik stellt sich die Frage: Benannte er die Dinge aufgrund ihrer Essenz, oder kam er in dieser Frage mit sich selbst überein und benannte sie willkürlich? Die Theorie der Semiotik besagt zwei Stufen oder „Ebenen der Artikulation“. Auf der Ebene jeder beliebigen Sprache wie Griechisch, Englisch, Deutsch oder Chinesisch benennen Semiotiker die „Ausdrucksebene“ mit „dem, woraus ein Lexikon, eine Phonetik und eine Syntax besteht; also der Auswahl von Wörtern, die zu einer Sprache gehören, den Lauten, die diese Wörter formen und die Weise, wie sie zusammengesetzt werden, um Bedeutungen zu vermitteln. Die zweite Ebene wird „Inhaltsebene“ genannt. Dies meint die Anordnung der Konzepte, die durch die Sprache ausgedrückt werden können. In einigen Sprachen gibt es Wörter für Inhalte, die in anderen Sprachen nicht ausgedrückt werden können.
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Falsche oder irreführende Meinungsumfragen werden häufig dazu verwendet, einen Versuch zu unternehmen, die Wahrnehmung einer Gesellschaft und ihrer Verwaltung zu manipulieren. Diese Methode versagt, wenn schließlich die Inkompetenz dieser Verwaltung allen klar wird. (Anm. d. Herausgebers)
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Eine oder mehrere Verzweigungen haben. In der Mathematik ist eine Verzweigung ein geometrischer Begriff für „auseinanderlaufen“, der auch in gegensätzlicher Richtung benutz wird (Verzweigungen, die zusammenlaufen). (Anm. d. Herausgebers)
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