CASSIOPEDIA
Das Bewusstsein des Räubers (Definition)
Übersetzung: puzzle | Bearbeitung: Data
Dies ist Castanedas Begriff für das, was den Menschen auf das Gedankenzentrum des Dienstes am Selbst, STS, ausrichtet.
In Castanedas Das Wirken der Unendlichkeit erzählt Don Juan von Kreaturen kondensierter Dunkelheit, die im Strudel der Zeit auf die Erde einmarschieren; die sogenannten „Flieger“, die den Menschen als Nahrung benutzen.
Die Schlüsselidee ist, dass diese kosmischen Räuber den Menschen ihr Bewusstsein gegeben haben. Dies ist vernünftig in Anbetracht vielen anderen Materials. Auf der menschlichen Ebene sorgt ein System basierend auf Ausbeutung, Konsum und Kontrolle dafür, dass die Leute diesem Bild entsprechend geformt werden: Der Sklave träumt eher davon, selbst der Herr zu werden, als davon, die Sklaverei abzuschaffen. Jede Organisation, die auf Dominanz basiert, nimmt von Natur aus die Form einer Pyramide ein, mit Wenigen oben und den Meisten unten. Damit ein Mensch sich unten oder in manchen Fällen in den mittleren Ebenen der Pyramide aufhalten kann, muss er ebenfalls die Attribute der Herrscher besitzen, bloß auf reduziertem Maßstab.
Viele gechannelte Quellen heben hervor, dass, während STS Wesen auf metaphysischer Ebene alles essen was sie wollen, die Energie, die von STO-orientierten Wesen ausgeht, nicht essbar ist.
Castanedas Schriften beschäftigen sich zu einem großen Teil mit Wegen, sich selbst in Bezug auf Energie und freien Willen vor einem solchen System zu behaupten, bzw. sich davon zu befreien. Der Kampf findet zu einem großen Teil innerlich statt. Man muss zuerst den eigenen, inneren Räuber demaskieren und ihm entgegentreten. Ansonsten laufen die eigenen, äußeren Handlungen — sogar wenn sie guten Absichten entspringen — im Paradigma und Modus des Räubers ab.
Der innere Räuber kann extrem subtil sein. Dennoch hat er einige generelle erkennbare Charakteristiken: Castaneda drückt es folgendermaßen aus:
„Sie [die Zauberer des alten Mexiko] entdeckten, dass wir einen lebenslangen Begleiter haben“, sagte er mit großer Klarheit und Deutlichkeit.
„Es ist ein räuberisches Wesen, das aus den Tiefen des Kosmos kam und die Herrschaft über unser Leben an sich gerissen hat. Die Menschen sind seine Gefangenen. Dieser Räuber ist unser Herr und Meister. Er hat uns fügsam und hilflos gemacht. Wenn wir protestieren wollen, unterdrückt er unseren Protest. Wenn wir unabhängig handeln wollen, verlangt er, dass wir darauf verzichten.“ […]
[…] „Du bist allein und aus eigener Anstrengung auf das gestoßen, was die Schamanen im alten Mexiko das ‚Thema aller Themen‘ nannten“, sagte Don Juan. „Ich habe die ganze Zeit sozusagen bei dir auf den Busch geklopft und wiederholt Anspielungen darauf gemacht, dass uns etwas gefangenhält. Wir sind in der Tat Gefangene! Für die altmexikanischen Zauberer war das eine energetische Tatsache.“
[…] „Sie haben die Herrschaft übernommen, weil wir Nahrung für sie sind. Und sie nehmen uns erbarmungslos aus, weil wir ihr Überleben sichern. So wie wir Hühner in Hühnerställen halten, in
Gallineros, so halten uns die Räuber in Menschenställen, inHumaneros. Auf diese Weise haben sie ihre Nahrung ständig zur Verfügung.“ […][…] „Ich wende mich an deinen analytischen Verstand“, sagte Don Juan. „Denk einen Augenblick nach und sag mir, wie du den Widerspruch zwischen der Intelligenz des Menschen als Techniker und der Dummheit des Systems seiner Überzeugungen erklärst oder der Dummheit seines widersprüchlichen Verhaltens. Die Zauberer glauben, dass die Räuber uns das System unserer Überzeugungen, unsere Vorstellung von Gut und Böse, unsere gesellschaftlichen Sitten gegeben haben. Sie bringen unsere Hoffnungen und Erwartungen hervor und unsere Träume von Erfolg oder Versagen. Von ihnen stammen Verlangen, Gier und Feigheit. Die Raubwesen sind es, die uns zufrieden und egoistisch und zu Gewohnheitstieren machen.“
[…] „Um uns gehorsam, demütig und schwach zu halten, haben die räuberischen Wesen zu einem ungeheuerlichen Manöver gegriffen — ungeheuerlich natürlich vom Standpunkt eines Kampfstrategen. Und es ist ein schreckliches Manöver vom Standpunkt derer, die darunter leiden. Sie haben uns ihr Bewusstsein gegeben! Verstehst du? Die Räuber geben uns ihr Bewusstsein, das unser Bewusstsein wird. Ihr Bewusstsein ist verschlungen, widersprüchlich, verdrießlich und von der Angst erfüllt, jederzeit entdeckt zu werden. Ich weiß, du hast zwar nie Hunger gelitten“, fuhr er fort, „aber trotzdem hast du Angst um deine Nahrung. Und das ist nichts anderes als die Angst des Räubers. Er fürchtet, seine Machenschaften könnten jeden Moment aufgedeckt und ihm dadurch die Nahrung entzogen werden. Durch das Bewusstsein, das schließlich ihr Bewusstsein ist, lassen die Raubwesen in das Leben der Menschen einfließen, was immer vorteilhaft für sie selbst ist. Auf diese Weise erreichen sie ein gewisses Maß an Sicherheit, die als Schutzwall vor ihren Ängsten steht.“
Castaneda erklärt weiters, dass Neugeborene mit einer leuchtenden Hülle an Bewusstsein geboren werden und dass es diese ist, die der Räuber frisst, bis zu dem Punkt, an dem nur noch ein schmaler Rand übrig ist. Dieser schmale Rand ist ausreichend, den Menschen am Leben zu erhalten. Dieser schmale Rand ist des Menschen Selbst-Reflektion, in der der Mensch unaufhebbar gefangen ist.
[…] „Dadurch, dass die räuberischen Wesen mit der Selbstreflexion ihr Spiel treiben, bewirken sie ein momentanes Aufflackern des Bewusstseins, das sie dann rücksichtslos und räuberisch verschlingen. Sie legen uns alberne Probleme vor, die das Bewusstsein zum Aufflackern zwingen. So halten sie uns am Leben, damit die energetischen Flammen unserer Pseudoprobleme sie ernähren.“
[…]
[…] „Sie [die Zauberer des alten Mexiko] kamen zu dem Schluss, dass der Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt ein vollständiges Wesen gewesen sein muss, mit erstaunlichen Erkenntnissen, Verstandesleistungen, die heute mythologische Legenden sind. Und dann scheint all das verschwunden zu sein, und nun haben wir einen sedierten Menschen.“
[…]
„Ich will sagen, dass wir es nicht einfach mit irgendeinem Räuber zu tun haben. Er ist sehr intelligent und organisiert. Er geht nach einem methodischen System vor, das uns nutzlos macht. Der Mensch, dem es bestimmt ist, ein magisches Wesen zu sein, ist nicht mehr magisch. Für den Menschen gibt es keine anderen Träume mehr als die Träume eines Tiers, das aufgezogen wird, um ein gewöhnliches Stück Fleisch zu werden: schwerfällig, konventionell, schwachsinnig. […] Die einzige Alternative für die Menschheit ist Disziplin. Disziplin ist das einzige Abschreckungsmittel. Mit Disziplin meine ich keine strengen Routinen. Ich meine nicht, dass man jeden Morgen um halb sechs aufsteht und kaltes Wasser über sich kippt, bis man blau wird. Zauberer verstehen unter Disziplin die Fähigkeit, gelassen den Unkalkulierbarkeiten zu begegnen, die außerhalb unserer Erwartungen liegen. Für sie ist Disziplin eine Kunst. Es ist die Kunst, sich der Unendlichkeit zu stellen, ohne mit der Wimper zu zucken, und zwar nicht, weil sie stark und verwegen sind, sondern weil sie tiefe Ehrfurcht empfinden.“
[…] „Die Zauberer sagen, dass Disziplin die leuchtende Hülle des Bewusstseins für den Flieger ungenießbar macht.“
[…]
[…] „Der grandiose Trick dieser Zauberer in alter Zeit“, fuhr Don Juan fort, „bestand darin, dem Bewusstsein des Fliegers Disziplin aufzubürden. Sie fanden heraus, wenn sie das Bewusstsein des Fliegers mit innerer Stille belasteten, floh der Fremdkörper. Damit wusste jeder, der diesen Vorgang durchführte, mit absoluter Sicherheit, dass das Bewusstsein einen fremden Ursprung hatte. Ich versichere dir, der Flieger kommt zurück, aber er ist nicht mehr so stark wie zuvor, und es beginnt ein Prozess, in dem es zur Routine wird, dass das Bewusstsein des Fliegers die Flucht ergreift, bis er eines Tages endgültig flieht. Das ist dann ein trauriger Tag! An diesem Tag musst du dich auf deine eigenen Mittel verlassen, die praktisch gleich Null sind. Niemand sagt dir, was du tun sollst. Kein Bewusstsein fremden Ursprungs diktiert dir mehr den Schwachsinn, an den du gewöhnt bist.“
„Mein Lehrer, der Nagual Julian, hat alle seine Schüler gewarnt und gesagt“, fuhr Don Juan fort, „dass dies der schwierigste Tag im Leben eines Zauberers ist, denn das wahre Bewusstsein, das uns gehört, die Summe unserer Erfahrungen, ist durch die lebenslange Fremdherrschaft scheu, unsicher und unbeständig geworden. Ich würde sagen, dass der wahre Kampf der Zauberer in diesem Augenblick beginnt. Alles andere ist nur die Vorbereitung darauf.“ […]
[…]
[…] „Das Bewusstsein des Fliegers flieht endgültig“, sagte er, „wenn es einem Zauberer gelingt, die Vibrationskraft zu packen, die uns als ein Konglomerat von Energiefeldern zusammenhält. Hält der Zauberer den Druck lange genug aufrecht, ist das Bewusstsein des Fliegers besiegt und flieht. Und genau das wirst du tun. Du wirst dich an der Energie festhalten, die dich zusammenfügt.“
Castanedas Darstellung stimmt in vielen Punkten wesentlich mit anderen Traditionen überein. Wir werden Castaneda kurz mit anderen Quellen, die in unserer Arbeit diskutiert werden, vergleichen:
Das Eindringen der Räuber würde grob dem ‚Fall‘ (der ‚Vertreibung aus dem Paradies‘) entsprechen. Die Cassiopaeaner haben davon gesprochen, dass der Mensch sich von früheren Fähigkeiten abgeschnitten wiederfindet, als wäre er durch ein „schweres Schädeltrauma“ benommen; all dies ist reflektiert in der zerhackten DNA. Die Wahl der erhöhten Physikalität und des Dienstes am Selbst, STS, läuft im Wesentlichen darauf hinaus, das Bewusstsein des Räubers sogar einzuladen.
Gurdjieffs Organ Kundabuffer
nähert sich der Thematik von einer anderen Seite. Laut ihm
wurde das Organ gewaltsam in den Menschen installiert, um ihn
allgemein der Realität gegenüber zu anästhetisieren und das
Unbedeutende großartig und das Großartige als unbedeutend zu
betrachten. Dieses Ereignis wird ebenfalls so geschildert,
dass es ganz zu Anfang der menschlichen Existenz auf der Erde
stattgefunden hat, als Antwort auf eine kataklysmische
Situation. Wiederum finden wir eine radikale Verschiebung der
Wahrnehmung zusammen mit einem Kataklysmus auftretend.
In Gurdjieffs title(Beelzebubs Erzählungen) begegnen wir dem durchgehenden Thema von Schwingungen, die von der Erde benötigt werden. Wenn Menschen nicht die entsprechende Qualität [der Schwingungen] bewusst produzieren, sorgt die Natur durch Verschiebung der Umstände für zufällige Schocks, die das benötigte „Aufflackern des Bewusstseins“ — bzw. die höheren Wasserstoffe — zur Verfügung stellen.
„Der Räuber füttert den Menschen mit Problemen und Krisen über Krisen.“ [Castaneda]
„Planetarische Einflüsse arrangieren Kriege und Katastrophen einfach nur, um die benötigten Schwingungen zu erlangen.“ [Gurdjieff]
Der Mensch kann seine Rolle auch bewusst spielen, zumindest theoretisch, und kann somit frei von diesen willkürlichen Einflüssen werden und dem Universum in anderer Weise dienen, schlägt Gurdjieff vor.
„Der Mensch wird geistig gesund geboren und wird von der zeitgenössischen Erziehung verdorben, von der er die ‚Werte‘ von Ego, Heuchelei, Selbstberuhigung, Klugschwätzerei , Eitelkeit und Selbstliebe eingeschärft bekommt.“ [Gurdjieff]
„Wenn der Mensch das Erwachsenenalter erreicht, ist nur der Rand der leuchtenden Hülle des Bewusstseins übrig, der kaum die Zehen bedeckt. Dieser Rand ist das Zentrum der Selbst-Reflektion, das einzige Bewusstsein, das dem Menschen geblieben ist.“ [Castaneda]
Die → Cassiopaeaner und Ra sprechen an vielen Stellen vom menschlichen Bewusstsein, das vielerorts Nahrung ist. Um keine Nahrung zu sein, muss man sich innerlich verändern. Diese Quellen nennen dies Ausrichtung auf STO und Objektivität. Castaneda nennt es Disziplin, Untadeligkeit, ein Krieger zu sein, der darum kämpft, frei zu werden. Gurdjieff nennt es objektive Vernunft, Unvoreingenommenheit, Sein zu erlangen, objektives Bewusstsein, und einfach so zu sein, wie ein Mensch sein sollte.
Es gibt aber noch weitere Parallelen. Castanedas
Zauberer/Schamane, der erreicht hat, das
Bewusstsein des Räubers in die Flucht zu schlagen, ist
Gurdjieffs Beschreibung des Wahren Ichs ähnlich,
wenn es zum ersten Mal durch den Schleier der Persönlichkeit
flüchtig erblickt wird. Es ist klein, unsicher, unbeständig
und beweglich. Es zu nähren und die Persönlichkeit durch
Schocks mit ihm zu vereinen, ist ein Charakteristikum aller
hier diskutierten Wege.
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